Kooperation

Notfallteams für psychisch erkrankte Menschen

Notfallteams für psychisch erkrankte Menschen

Notfallteams für psychisch erkrankte Menschen

Dänemark/Nordschleswig
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Foto: dpa

Die dänische Polizei und die Gesundheitsämter gehen jetzt gemeinsame Wege, wenn Menschen mit psychischen Störungen Hilfe benötigen. Die Versorgung durch Notfallteams ist zunächst einmal ein Test, der bis 2021 laufen soll.

Zwei Polizisten und ein Krankenpfleger sollen als Notfallteam ausrücken, wenn Menschen mit psychischen Störungen in polizeiliche Vorfälle involviert sind. Die neuen Notfallteams sollen so einen besseren und professionelleren Umgang ermöglichen, wie die Reichspolizei in einer Pressemitteilung verkündet.

„Wir freuen uns darauf, die gemeinsamen Notfallteams auf die Straße zu bringen. Wir glauben daran, dass dies eine schnellere Behandlung und eine bessere Betreuung für Menschen mit psychischen Störungen sichern kann, die mit der Polizei in Kontakt kommen.

Das ist eine Gruppe Menschen, die mehr und mehr Raum in unserer Arbeit ausfüllt, und deshalb ist es sinnvoll, gemeinsame Notfallteams einzusetzen. Sie können die komplexen Aufgaben behördlich gemeinsam lösen“, sagt Polizeiinspektorin Lisbeth Fried vom Reichspolizeizentrum für Ressourcenentwicklung in einer Pressemitteilung.

„Die Zahlen steigen enorm"

Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl der Vorkommnisse, in die Personen mit psychischen Störungen involviert waren, binnen sieben Jahren von etwa 16.000 auf 43.000 Fälle angestiegen ist. Im Jahre 2016 machte das, laut Reichspolizei, ganze 12,8 Prozent aus.

Eine Entwicklung, die auch Gösta Toft, Vorsitzender des Sozialdienstes Nordschleswig, bestätigt. „Die Zahlen steigen enorm“, sagte er auf Anfrage des „Nordschleswigers“. Er sieht das nun ins Leben gerufene Projekt als eine Auswirkung der steigenden Zahlen, aber auch als eine Reaktion der neuen Regierung hinsichtlich ihrer vor der Wahl getroffenen Versprechungen, in diesem Bereich aktiv zu werden. „Ich erhoffe mir aber mehr“, so Toft.

Polizisten und Polizistinnen hätten von der Schwierigkeit und Komplexität dieser Einsätze gesprochen. Auch, so Lisbeth Fried weiter, hätten die Beamten von Unsicherheiten im Umgang mit psychisch labilen Menschen berichtet und würden fachliche Unterstützung und Kompetenzen vermissen.

In Zusammenarbeit mit den drei Regionen Süddänemark, Mitteljütland und Seeland hat die Reichspolizei Mittel für ein Pilotprojekt mit Notfallteams beantragt und bewilligt bekommen, um Unterstützung für die komplexen Aufgaben, die meist über die herkömmliche polizeiliche Ausbildung hinausgehen, zu schaffen.

Notfallteam rückt in Zivil aus

Claus Graversen, Pflegefachlicher Direktor der Region Mitteljütland, ist positiv gestimmt: „Das wird es sehr interessant. Ich bin sicher, dass die Krankenpfleger und Polizisten mit ihren jeweiligen fachlichen Kompetenzen ein Gewinn für einander, aber nicht zuletzt auch für die Menschen mit psychischen Störungen sein werden, zu denen sie ausrücken.“

Laut Reichspolizei werden die ausrückenden Fahrzeuge der Notfallteams in Zivil fahren, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, mit denen sie in Kontakt kommen. Diese Vorgehensweise begrüßt auch Gösta Toft, denn die betroffenen Personen seien „erkrankte Menschen und keine Verbrecher“.

Er sieht den Kooperationsversuch sehr positiv, da so die Polizisten fachliche Unterstützung bekommen. Auch sieht er in dem Projekt eine „gute Unterstützung für die Angehörigen psychisch erkrankter Menschen“ und hofft, dass „durch die Notfallteams Zwangseinweisungen verhindert werden können“.

37,9 Millionen Kronen sind für das Vorhaben freigesetzt worden. Bis voraussichtlich 2021 wird das zunächst temporäre Projekt in Dänemark laufen. Gösta Toft hofft, dass daraus eine „langfristige Sache“ wird, denn „ein so guter Ansatz hat es verdient, langfristig umgesetzt zu werden.“

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