Deutsches Gymnasium für Nordschleswig

Ilse Friis verlässt ein Gymnasium in Höchstform

Ilse Friis verlässt ein Gymnasium in Höchstform

Ilse Friis verlässt ein Gymnasium in Höchstform

Apenrade/Aabenraa
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Ilse Friis
Ilse Friis hat in vielfacher Hinsicht Spuren am Gymnasium hinterlassen. In ihrer Zeit wurden unter anderem die Vorhalle und die Aula modernisiert. Foto: Karin Riggelsen

Ilse Friis ist in ihren 17 Jahren als Leiterin des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig auf so manche Herausforderung gestoßen. Zum Ende ihrer Amtszeit sind die hohen Schülerzahlen stabil.

Ilse Friis wird am Freitag, 27. Oktober, nach 17 Jahren am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) in den Ruhestand verabschiedet. Aus einem Berufsleben, das sie vor allem Schülern gewidmet hat.

Schon zu Beginn unseres Interviews mit der scheidenden Rektorin sei verraten: Von Ruhe kann in diesem Fall nicht die Rede sein. Was Ilse Friis in ihrem dritten Lebensabschnitt vor hat, was ihr besonders fehlen wird, welche Pläne sie für das DGN hat, warum sie bis zuletzt unterrichtete und was ihr besonders am Herzen lag, all das hat sie im Gespräch mit dem Nordschleswiger verraten.

Ruhestand ist für dich keine Frage von Ruhe, oder? Welche Pläne hast du schon gemacht?

Bisher konnte ich meine Enkeltochter nur zu bestimmten Zeiten sehen. Denn wer beruflich gebunden ist, kann natürlich nicht so einfach nach Berlin fahren, wo mein Sohn mit seiner Familie lebt. Das soll sich ändern. Wenn dort Not am Mann ist, will ich dort gern helfen und unterstützen. Außerdem möchte ich meinen Mann Andreas zu Tagungen und Seminaren begleiten. Auch das war bisher nur begrenzt möglich. Und natürlich werde ich weiterhin meine Zeit mit der ehrenamtlichen Arbeit verbringen. Vor allem aber möchte ich den Kontakt zur Schule nicht verlieren. Deshalb bin ich im Vorstand der Deutschen Nachschule Tingleff sowie im Förderverein des DGN.

Auf welche Herausforderungen blickst du nach 17 Jahren als Rektorin des Deutsches Gymnasium zurück?

Als ich 2000 den Rektorenplatz übernahm, lag die Schülerzahl bei knapp 100 und war seit Jahren rückläufig. Das galt es aufzufangen. Heute sind wir bei fast 190 Schülern. Geschafft haben wir das als Team mit den Kollegen der Schule. Um damals Anreize zu schaffen, das DGN zu wählen, haben wir ein besonderes Angebot ins Leben gerufen. Die Schüler konnten bei uns mit Laptops arbeiten, den wir für die drei Jahre zur Verfügung stellten. Die neue Technik mit in den Unterricht nehmen, das war das Ziel. Wer mochte, konnte den Computer dann nach drei Jahren DGN für wenig Geld übernehmen und damit ins Studium starten.

Seither können wir auf ein stetiges Wachstum der Schülerzahlen blicken. Wir sind dabei, das Angebot abzuschaffen, denn viele Schüler bringen heute ihre technische Ausrüstung mit. Unser technisches Personal ist nun nicht mehr dafür zuständig, unsere Laptops zu pflegen, sondern das Material der Schüler instand zu halten und Programme und ähnliches aufzuspielen.

Das waren jedoch nicht die einzigen Veränderungen. Mir war es wichtig, den Schülern zu signalisieren, Dinge ordentlich zu behandeln. Zusammen mit der Hausmeisterei ist das gelungen. Wir haben die Gebäude in einen vernünftigen Zustand versetzt, denn die Erfahrung hat gezeigt: Wenn etwas gepflegt beziehungsweise neu ist, sind die Schüler weniger zu Vandalismus motiviert. In diesem Zuge haben wir auch dafür gesorgt, das Schulinnere moderner zu gestalten.

Weg von den orange-grün-Tönen der 70’er Jahre, hin zu hellen freundlichen Farben, die heute das Gymnasium durchziehen. Dabei hat eine Innenarchitektin geholfen.
Die Kunstwerke unserer Schüler kommen nun ebenfalls richtig zur Geltung. Zuletzt ist es sogar gelungen, die Aula zu modernisieren. Im vergangenen Jahr konnten dort die ersten Abiturienten verabschiedet werden. Und für die Kollegen im Lehrerzimmer war sogar noch ein neues Sofa drin.

Dann gab es 2005 die gymnasiale Reform. Neue Fächer und Strukturen wurden entworfen und installiert. Der erste Jahrgang, der 2008 fertig wurde, diente als Versuchskaninchen. Wir gingen bei der Umsetzung der Reform durch einen Lernprozess, denn wie sie umgesetzt werden sollte, wurde den Schulen überlassen.

So gab es unter anderem das Fach Allgemeine Studienvorbereitung, das wir inhaltlich füllen mussten. Heute finde ich besonders dieses Fach als erhaltenswert. Denn die Schüler gehen gut vorbereitet in das Studium. Doch es wurde bei der Reform in diesem Jahr abgeschafft. Der reine Fachunterricht soll wieder im Vordergrund stehen.

Jens Mittag
Ilse Friis mit ihrem Nachfolger als Leiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig, Jens Mittag. Foto: Karin Riggelsen

Welche weiteren Veränderungen gab es in den 17 Jahren?

Neben den Reformen ist die Digitalisierung eine große Herausforderung. Wir bewegen uns in einer vollkommen anderen Welt. Die Prüfungen sind inzwischen papierfrei und bieten den jungen Menschen damit andere Möglichkeiten. Auch zum Schummeln. Das hat die Politik auf den Plan gebracht und sie hat mit neuen Gesetzen reagiert. Es darf kein Internet mehr benutzt werden. Dass dabei etwa 45.000 Abiturienten wegen einiger weniger Betrüger leiden, ist schade. Und diejenigen, die schummeln wollen, schaffen das auch heute noch. Sie sind technisch so versiert, dass es fast unmöglich ist, sie zu stoppen.

Welche Pläne hattest du noch mit der Schule?

Ich habe mir eine größere Turnhalle und einen überdachten Innenhof als sogenanntes Studiencenter für die Schüler gewünscht. Dort im Zentrum des Gymnasiums könnten sie in toller Umgebung arbeiten. Das kostet allerdings viel Geld. Es ist schade, dass wir nach dem deutschen Haushaltsrecht mit Geldern aus Berlin auskommen müssen. Darlehen sind dort nicht möglich, so wie an den dänischen Schulen. So gibt es einen investiven Rückstau an den deutschen Schulen in Nordschleswig. Dabei wäre Geld zur Zeit so günstig zu leihen.

Gibt es einen Jahrgang, der dir besonders in Erinnerung bleiben wird?

Jeder Jahrgang ist besonders und liegt mir am Herzen. Es lässt sich aber sagen, dass mir die Abgangsschüler des Abiturjahres 2014 eine besondere Überraschung bereitet haben. Auch wenn ich von Rankings eigentlich nicht viel halte, so waren wir doch stolz, dass sie das DGN an die Rankingspitze der dänischen Gymnasien brachten. Das DGN war – was den Zensurendurchschnitt betraf – das beste Gymnasium Dänemark.

Das ist allerdings etwas, was sich sehr bei der Arbeit verändert hat. Vieles muss dokumentiert werden: zum Beispiel, wie viel Zeit verbringen die Lehrer mit den Schülern, oder wie wird der Unterricht von den Schülern bewertet. Letztlich muss alles auf der Internetseite veröffentlicht werden.

All diese Forderungen des Unterrichtsministeriums wurden aufgrund von einigen wenigen Fällen in Gymnasien beschlossen, bei denen es nicht gut lief. Sie haben es für die Mehrheit kaputt gemacht und das ist einfach ärgerlich, da kostbare Zeit verschwendet wird. Außerdem zeigt es ein Misstrauen von Seiten der Ministerien gegenüber den Schulen. Wie zum Beispiel nun mit den schummelnden Schülern.

Was wird dir besonders fehlen?

Mir war der Kontakt zu den Schülern immer besonders wichtig. Deshalb habe ich auch bis heute noch unterrichtet. Da hat sich vieles verändert, seit ich 1979 in den Schuldienst ging. Spannend wird es dann, wenn mit den vielen unterschiedlichen Voraussetzungen umgegangen werden muss, mit denen die Schüler zu einem in den Unterricht komme. Dann die richtige Methode zu finden, um die Schüler voranzubringen, ist eine große Herausforderung, die ich aber immer gern angenommen habe.

Außerdem ist es einfach schön zu sehen, wie sich die jungen Menschen über die Jahre bei uns und auch nachfolgend weiterentwickeln. Und besonders freue ich mich, wenn sie zu uns zurückkommen und mit Freude über die Schulzeit bei uns sprechen. Das sehe ich als das größte Lob für uns. Wenn wir das geschafft haben, dann ist ein hervorragender Grundstein für unsere Arbeit gelegt.
Und natürlich werden mir die Kollegen fehlen, zu denen ich immer einen guten Kontakt gepflegt habe.

Zur Person

Ilse Friis wurde am 14. Oktober 1952 in Hadersleben geboren. Sie lebt heute in Apenrade mit ihrem Mann Andreas Cornett.
Nach ihrem Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig studierte sie in Aarhus und Freiburg. Ihr Pädagogikum schloss sie 1979 an der Haderslebener Kathedralschule ab. Von 1980 bis 2000 war sie Lehrerin an dem heutigen International Business College in Apenrade, wo sie 15 Jahre Abteilungsleiterin des Wirtschaftsgymnasiums war. 2000 wurde sie Rektorin und Leiterin des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig.
Quelle: nordschleswigwiki

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