Black Friday

Schnäppchenjagd oder in die Falle getappt?

Schnäppchenjagd oder in die Falle getappt?

Schnäppchenjagd oder in die Falle getappt?

Annika Zepke
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Black Friday in Hadersleben
Am Black Friday haben viele Geschäfte in Nordschleswig verlängerte Öffnungszeiten. Foto: Karin Riggelsen

Black Friday steht vor der Tür: Am Freitag, 29. November, heißt es wieder: auf die Schnäppchen, fertig, los! Dann öffnen viele Geschäfte besonders lange ihre Türen und haben außerdem viele Schnäppchen im Angebot. Aber wie gut sind die Angebote wirklich, und was gibt es als Verbraucher beim Black-Friday-Shopping zu beachten?

Black Friday

Black Friday ist eine amerikanische Tradition. Am Freitag nach Thanksgiving, das traditionell am vierten Donnerstag im November gefeiert wird, findet der Black Friday statt. An diesem Tag gibt es in den meisten amerikanischen Geschäften viele Sonderangebote. Eine Vielzahl dänischer Unternehmen, insbesondere im Onlinehandel, hat diese Tradition übernommen. In diesem Jahr fällt der Black Friday auf den 29. November.

Mit Black Friday steht am kommenden Freitag wieder der größte Shoppingtag des Jahres bevor. Was 2013 in Dänemark als Online-Marketing-Gag begann, hat sich über die Jahre auch auf die wahre Geschäftswelt ausgebreitet. Inzwischen hat sich der Black Friday zum umsatzstärksten Tag des Jahres entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Zahlungsfirma Nets Verkäufe in Höhe von 1,94 Milliarden Kronen abgewickelt. Im Rekordjahr 2017 waren es sogar 2,12 Milliarden Kronen.

Viele Unternehmen können sich darüber freuen. Der Direktor des Elektrofachhandels Power, Jesper Boysen, hat gegenüber Danmarks Radio zum Beispiel durchblicken lassen, dass sein Unternehmen an diesem einen Tag so viel Umsatz macht wie sonst in zwei Wochen.

Doch nicht jedes Angebot, das am Black Friday als Schnäppchen ausgeschrieben wird, ist auch wirklich eines. Für die Verbraucher gibt es an diesem Konsum-Feiertag eine Menge zu beachten – vor allem beim Online-Einkauf – wenn sie sicher gehen wollen, dass sie einen guten Deal machen.

Für uns ist die Teilnahme wichtig, um die Kunden in der Stadt zu halten.

Erik E. Petersen

Auch in Nordschleswig beteiligen sich viele Geschäfte am Black Friday, wenn auch nicht immer ganz freiwillig. Und einige Unternehmen in Dänemark stehen dem Schwarzen Freitag in diesem Jahr sogar kritisch gegenüber.

Deal or No Deal?

Bereits in der Woche vor Black Friday am 29. November wurde in vielen Geschäften schon mit Black-Friday-Angeboten geworben. Was auf den ersten Blick wie ein unschlagbares Schnäppchen erscheint, ist auf den zweiten jedoch oftmals gar keines, warnen Verbraucherräte.

„Das liegt daran, dass die Preisentwicklung für die Waren in der Zeit vor dem Black Friday häufig zunimmt“, erklärt Maria Liljeqvist, Anwältin des dänischen Verbraucherrats Tænk. Es gebe mehrere Untersuchungen, die diese Tendenz bestätigen würden, so Liljeqvist. Eine Untersuchung dieses Phänomens in Verbindung mit dem sogenannten Singles Day (einem weiteren „Verkaufsfeiertag“) von „Ekstra Bladet“ und dem Vergleichsportal Pricerunner hat beispielsweise gezeigt, dass 29 Prozent der Waren in der Zeit vor dem Singles Day im Preis gestiegen sind.

„Dies ließe sich ebenso gut auf den Black Friday übertragen“, meint Liljeqvist. Wenn man also als Verbraucher sichergehen möchte, dass es sich bei dem ausgeschriebenen Artikelpreis auch wirklich um ein Sonderangebot handelt, sollte man vergleichen, wie viel das Produkt in den vergangen drei bis sechs Monaten gekostet hat, empfiehlt Tænk.

Eine solche Möglichkeit gibt es beispielsweise auf dem Vergleichsportal pricerunner.dk. Dort kann die Preisentwicklung der vergangenen zwölf Monate in 7.400 Geschäften miteinander verglichen werden.

Black Friday und Weihnachtsbeleuchtung in Hadersleben
In Hadersleben wird am Black Friday außerdem die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet. Handelskoordinator Christian Schultz (l.) und Torben Pedersen, der für die Weihnachtsbeleuchtung in der Haderslebener Innenstadt verantwortlich ist, machen eine letzte Inspektion. Foto: Karin Riggelsen

Schnäppchen gibt es doch

Auch wenn es beim Black-Friday-Shopping viel zu beachten gibt, so bestehe sehr wohl die Möglichkeit, das ein oder andere Schnäppchen abzugreifen, meint Martin Andersen, Direktor von PriceRunner Danmark.

Besonders im Bereich Spielzeug sei die Wahrscheinlichkeit dafür hoch, da die Preise hier zu Black Friday im Durchschnitt um 29 Prozent fallen. Einen guten Deal bekomme man häufig auch im Elektronik-Bereich, da viele Geschäfte den Black Friday dafür nutzen, um die Regale für das neue Jahr frei zu bekommen, erklärt Andersen.

„Bei vielen elektronischen Kleinwaren kann man einen wirklich guten Deal machen, wenn man ein älteres Modell kauft, das bald durch ein neueres ersetzt wird“, so der Direktor von PriceRunner Danmark.

Dies sei insbesondere bei Telefonen, Fernsehern, aber auch Kaffee- und Küchenmaschinen sowie Mixern der Fall. Dennoch sollte man immer noch einmal den Preis überprüfen, warnt Andresen.

Vorsicht, Falle!

Neben vielen Angeboten bietet der Black Friday aber auch Möglichkeiten zum Betrug, warnt die Polizei für Südjütland und Nordschleswig. Insbesondere beim Online-Shopping sollte man daher besonders achtsam sein.

Außerdem gibt die Polizei elf Tipps, wie sich die Gefahr eines Betrugs eingrenzen lässt.

Tipps zum Online-Einkauf:

  • Computer mit der neuesten Software versehen und Anti-Viren-Programme sowie Firewalls installieren
  • WIFI-Verbindung mit einem Passwort schützen
  • Vor dem Bezahlen sicherstellen, dass es sich um eine sichere Verbindung handelt, das zeigt sich u. a., wenn der Webshop SecureCode/Verified by Visa verwendet
  • Niemals CPR-Nummer, Kontonummer oder andere persönliche Informationen per E-Mail oder Telefon weitergeben
  • Online immer mit Kreditkarte oder MobilePay bezahlen, nie per Banküberweisung
  • Kontoauszug überprüfen
  • Und grundsätzlich gilt: Den Verstand benutzen und kritisch die Angebote und Webseiten hinterfragen. Sieht die Webseite vertrauenswürdig aus? Ist das Angebot verdächtig günstig? Welche Informationen über das Unternehmen gibt es auf der Webseite?

Die vollständigen Sicherheitshinweise gibt es auf der Webseite der Polizei für Südjütland und Nordschleswig zum Nachlesen.

Black Friday in Nordschleswig

Auch in den Städten Nordschleswigs ist der Black Friday von großer Bedeutung, so auch in Tondern, wie vom Koordinator für die Innenstadt, Erik E. Petersen, zu erfahren ist. Der Black Friday sei für das Tonderner Geschäftsleben einer der ganz großen Tage im November.

„Für die Kunden bedeutet die lange Öffnungszeit bis 22 Uhr, dass sie nach der Arbeit erst mal nach Hause kommen und essen können, bevor sie in ihrem Wohnort zum Einkaufen losziehen“, so Petersen. Die Geschäfte würden sich in diesem Zusammenhang um günstige Preisangebote bemühen. „Für uns ist die Teilnahme wichtig, um die Kunden in der Stadt zu halten“, erläutert der Koordinator.

Keine andere Wahl

Ein ähnliches Argument bringt auch Christian Schultz, Handelskoordinator des Haderslebener Unternehmensrats, vor. Allerdings sieht er darin nicht nur Positives: „Das ist der größte Verkaufstag im ganzen Jahr, allerdings ist das nicht unbedingt gut für die Geschäfte, denn in den zwei Wochen vor und nach dem Black Friday ist dafür sehr wenig los, weil die meisten Kunden natürlich auf die Angebote am Freitag warten.“

Den Geschäften bleibe daher kaum eine andere Wahl, als beim Black Friday mitzumachen und 20 Prozent Rabatt anzubieten: „Wenn wir in Hadersleben nicht mitmachen, dann fahren die Leute in andere Städte und machen dort ihren Black-Friday-Einkauf. Dann könnten wir an diesem Tag die Läden auch schließen“, lautet die Einschätzung von Christian Schultz.

Christian Schultz
Christian Schultz, Handelskoordinator bei Haderslev Erhvervsråd, sieht Black Friday nicht nur positiv entgegen. Foto: Karin Riggelsen

Dennoch hat man sich in Hadersleben etwas Besonderes für den Black Friday einfallen lassen. Nicht nur, dass wie in Tondern alle Geschäfte bis 22 Uhr geöffnet haben, um 17 Uhr wird zudem die Weihnachtsbeleuchtung angemacht, und es gibt Musik.

„Black Friday ist respektlos“

Auch wenn der Black Friday bei vielen Unternehmen und Verbrauchern beliebt ist, so stehen doch nicht alle hinter Black Friday. Das renommierte dänische Modelabel Mads Nørgaard zum Beispiel hat in den vergangenen vier Jahren auf sich aufmerksam gemacht, weil – entgegen dem allgemeinen Trend – die Webseite und der Webshop des Modelabels an Black Friday geschlossen sind.

Als Begründung lieferte Mads Nørgaard im vergangenen Jahr: „Black Friday ist in meinen Augen ein schändliches Ereignis, das die Welt in einem obskuren Ton in die falsche Richtung lenkt. Wir machen gelegentlich selbst Ausverkauf und lieben es, Waren zu verkaufen – aber Black Friday ist respektlos gegenüber den Kunden, Waren und der Natur. Die Welt braucht das genaue Gegenteil von Black Friday, nämlich ein stärkeres Umdenken und nachhaltigere Lösungen. Daher möchten wir kein Teil von Black Friday sein.“

Die Welt braucht das genaue Gegenteil von Black Friday, nämlich ein stärkeres Umdenken und nachhaltigere Lösungen.

Mads Nørgaard

Auf den diesjährigen Black Friday angesprochen, sagte Mads Nørgaard gegenüber dem Medium „dontt.dk“: „Wir machen es genau wie in den vergangenen Jahren auch – wir schließen unseren Webshop.“

Recyceln statt neu kaufen

Doch nicht nur Mads Nørgaard stellt sich gegen Black Friday, auch der Möbelgigant Ikea steht mit dem Konsum-Feiertag auf Kriegsfuß. So gibt es bei Ikea Dänemark in diesem Jahr keine Black-Friday-Angebote, stattdessen fordert das Unternehmen dazu auf, gebrauchte Ikea-Möbel zu kaufen.

„Momentan liegt der Schwerpunkt in Dänemark auf dem Klima, daher werden wir uns für das Recycling einsetzen. Und jetzt gibt es die Gelegenheit dafür“, erläutert die kaufmännische Leiterin von Ikea Dänemark, Elefteria Cromlidou, den Boykott des Black Fridays von Ikea in Dänemark.

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