Kulturszene

Zehn Jahre KunstPunkt: Ein Geburtstagsinterview

Zehn Jahre KunstPunkt: Ein Geburtstagsinterview

Zehn Jahre KunstPunkt: Ein Geburtstagsinterview

Augustenburg/Augustenborg
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Ein Zeitungsbericht vom Tag der Eröffnung am 11. Dezember 2010. Foto: Sara Wasmund

Zehn Jahre KunstPunkt-Ausstellungen in Augustenburg – dieses Jubiläum kann aufgrund der Corona-Restriktionen in diesem Dezember nicht gefeiert werden. „Der Nordschleswiger“ hat die Gründer von damals zum Geburtstags-Interview getroffen.

Es war einmal eine kleine Gruppe Kunstschaffender, die einen Ort für Ausstellungen suchten. Zehn Jahre nach seiner Gründung hat der Verein „KunstPunkt“ 236 Mitglieder und das Zuhause im alten Augustenburger Posthaus zieht Künstler aus Deutschland und Dänemark an.

19.219 Künstlerinnen und Künstler haben in den vergangenen zehn Jahren im KunstPunkt ausgestellt. 2019 kamen 8.394 Besucher, um sich die wechselnden Ausstellungen anzuschauen.

Was bedeutet die Künstlerkolonie für den Ort und die Region, und wie geht man mit Corona um? Im Interview sprechen die Gründer von damals darüber, wie es zum KunstPunkt kam, wie sich der Verein entwickelt hat und was man sich für die kommenden zehn Jahre wünscht.

Am Interview beteiligt sind A. P. Hansen, ehemaliger Vorsitzender des Vereins (2009-2015), die ehemalige Vorsitzende Anne Grethe Nielsen (2015-2019), die amtierende Vorsitzende Lisbeth Holm (seit 2019), Gründungsmitglied Karin Baum und Ausstellungskoordinatorin Bente Rotzler.

V. l.: Lisbeth Holm, Bente Rotzler, A. P. Hansen, Karin Baum und Anne Grethe Nielsen im Aufenthaltsraum von KunstPunkt Foto: Sara Wasmund

Wer kam 2010 auf die Idee, einen Künstlerverein zu gründen?
Karin Baum: „Es gab damals schon viele Künstler, aber jeder hat mehr oder weniger für sich gearbeitet. Uns fehlte eine Stelle, ein Ort, an dem wir unsere Kunst zeigen konnten. Dann haben wir angefangen, nach so einem Ort zu suchen.“

A. P. Hansen: „Erst hatten wir den Roten Palais in Augustiana im Blick, aber da war nicht genug Platz.“

Anne Grethe Nielsen: „Es gab das Dupont-Haus für Künstler in Sonderburg, doch das wurde von der Kommune verkauft. Vereine wie Samis oder FFKK waren jeder für sich aktiv. A. P. hat dann zu einem Treffen für alle Interessierten eingeladen. Es durfte kommen, wer wollte. Am 2. Juli 2009 ist KunstPunkt als Verein geboren worden. Ein Verein ohne Haus und mit 38 Kunstschaffenden.“

A. P. Hansen: „Ziel war nicht, miteinander zu konkurrieren. Wir brauchten einfach einen Ort, an dem wir uns treffen und ausstellen konnten. In Gravenstein und Norburg gab es das, aber nicht hier.

Karin Baum: „KunstPunkt war von Anfang an eine sehr gemischte Gruppe. Die meisten waren Amateure. Es ging darum, sich gegenseitig Input zu geben und sich zu inspirieren. Und dann kam A. P. irgendwann mit der frohen Botschaft, dass wir ins alte Posthaus nach Augustenburg ziehen können.“

Diese drei Vorsitzenden hat der Verein gehabt: Anne Grethe Nielsen, A. P. Hansen und die amtierende Vorsitzende Lisbeth Holm. Foto: Sara Wasmund

Die erste Ausstellung im Augustenburger KunstPunkt eröffnete am 11. Dezember 2010. Das Gebäude gehört der Kommune Sonderburg, die es dem Verein zur Verfügung stellt. 18 Mitglieder und vier Gastaussteller zeigten 2010 ihre Kunst in den Räumen des Hauses.

Seitdem ist der Verein beständig gewachsen. 2019 gab es 30 Ausstellungen, in denen 219 Kunstschaffende ihre Kunstwerke zeigten. Der Verein hat Mitglieder aus ganz Dänemark und aus Deutschland, regelmäßig finden jurierte Ausstellungen statt.

Was bedeutet KunstPunkt für Augustenburg und seine Nutzer?
Karin Baum: „Ich erinnere mich an die Namensgebung und an die grafische Darstellung am Anfang. Ziel war es, einen Namen zu finden, der alle Ausstellungsmöglichkeiten und Vereine verbindet. Es gab beispielsweise FFKK, kleine Galerien und Kulturlandsby in Gravenstein. Ein Rotes Band sollte all die Orte verbinden, und das sollte unseren Verein und das Posthaus in Augustenburg darstellen. Am Ende hatte ich die Idee, dass unser Kunsthaus an der Stelle liegt, die alle anderen miteinander verbindet. Kein Band, sondern ein Punkt. KunstPunkt. So ist der Name entstanden.“

Lisbeth Holm: „Es kommen immer wieder Touristen ganz gezielt nach Augustenburg und fragen: Ist das hier die Künstlerkolonie? Das zeigt uns immer wieder, dass viele Besucher auch wegen Kunstpunkt hierherkommen.“

A. P. Hansen: „Damals gab es die Künstlerkolonie in Ekensund, jetzt gibt es eine in Augustenburg.“

Karin Baum zeigt, wie der neue Name und Schriftzug 2010 gefeiert und fotografiert wurde. Foto: Sara Wasmund

Die Kunstwelt in Dänemark braucht eben beides. Der BKF mit all denen, die Kunst an der Universität studiert oder eine Kunstakademie besucht haben, ist nur eine Schicht der Kunstwelt. Denn nur, weil man an einer Kunstakademie war, muss man kein Genie oder kein Rembrandt sein.

A. P. Hansen, ehemaliger Vorsitzender

Der Verein lebt von und durch Mitglieder, die sich aktiv beteiligen. Die Räumlichkeiten müssen im Inneren instandgehalten werden, Ausstellungen gilt es vorzubereiten und durchzuführen. Man braucht Freiwillige, um die Öffnungszeiten mit Personal zu besetzen, die Beleuchtung muss gesetzt und kleine Reparaturen müssen durchgeführt werden.

Das Prinzip: Jeder darf mitmachen, alle dürfen ausstellen. Es gibt Oster- und Herbstausstellungen, themenbezogene Werkschauen, offene und jurierte Ausstellungen.

Wie professionell ist die Kunst, die im KunstPunkt gezeigt wird?
A. P. Hansen: „Wenn man professionell so definiert, dass man allein von seiner Kunst leben kann, dann sind wir nicht viele Professionelle. Aber die Kunstwelt in Dänemark braucht eben beides. Der BKF (Billedkunstnernes Forbund, d. Red.) mit all denen, die Kunst an der Universität studiert oder eine Kunstakademie besucht haben, ist nur eine Schicht der Kunstwelt. Denn nur, weil man an einer Kunstakademie war, muss man kein Genie oder kein Rembrandt sein. Dann gibt es die Schicht der Künstler, die sich an Kunstschulen weiterbilden oder Kurse besuchen. Das bedeutet viel für unsere Mitglieder, dass es so viele Angebote gibt. Wenn wir jurierte Ausstellungen im Haus haben, holen wir uns Profikünstler, die inspirieren. Die aber auch inspiriert werden. Das ist ein gegenseitiger Austausch, von dem alle etwas haben.“

Bente Rotzler: „Was die Zahlen angeht, haben wir derzeit 18 Mitglieder von Seeland, die regelmäßig ihre Kunst bei uns ausstellen. 16 unserer Mitglieder sind Mitglied im BKF.

Im Aufenthaltsraum im ersten Stock steht ein älteres Kunstwerk von A. P. Hansen. Foto: Sara Wasmund

Was wünscht ihr euch für KunstPunkt in den kommenden zehn Jahren?
Anne Grethe Nielsen: „Ich wünsche mir, dass wir junge Menschen mehr mit einbeziehen, sodass sie sich hier ansiedeln. Ich hatte einmal einen Jugendlichen im Schulpraktikum mit im KunstPunkt. Er hat mir später geschrieben, dass es seine beste Schulwoche war. Heute zeichnet der junge Mann Animationen und ist selbst künstlerisch aktiv. Sowas ist doch toll!

Lisbeth Holm: „Ja, eine große Frage wird sein, wie wir die jungen Menschen erreichen. Aktuell haben wir nicht viele davon. Durch die Schulreform ist es schwerer geworden, die Schulen mit einzubeziehen. Wir haben eine Zusammenarbeit mit dem Bildkünstlerischen Grundkurs der Kunstschule in Sonderburg, das ist schon mal gut. Wir wünschen uns noch mehr neue Genre, mehr Vielfalt. Beispielsweise mehr Installationen und Videokunst, mehr experimentelle Kunst.“

Wie geht KunstPunkt mit der Corona-Krise um?
Lisbeth Holm: „Normalerweise erfordert der Verein viel Arbeit. Seit Corona fühlt es sich fast so an, als hätte ich Ferien … Wir wollen aber kein leeres Haus haben, auch wenn für 2020 alle Ausstellungen abgesagt sind. Wir werden die Fenster im Erdgeschoss mit immer wieder wechselnden Kunstwerken schmücken. Außerdem wollen wir unsere Internetseite besser nutzen und auch dort Kunst zeigen. Es soll beispielsweise ein Bild des Monats geben, und auch auf Facebook wollen wir Werke ausstellen. Noch haben wir keine Erfahrungen mit virtuellen Ausstellungen. Aber das kommt.“

Tierische Kunst von Mette Frøsig Foto: Sara Wasmund

Was waren eure Höhepunkte in den vergangenen zehn Jahren KunstPunkt?
Anne Grethe Nielsen: „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass wir erstmals eine jurierte Ausstellung in den KunstPunkt holen. Und ich war daran beteiligt, dass wir 2013 zum Verein des Jahres ernannt wurden. Das waren für mich zwei Höhepunkte.

A. P. Hansen: „Das beste Erlebnis, das ich hatte, war, die Entwicklung von anderen Künstlern mitzuerleben. Manche kamen hier rein ohne sonderlich großes Talent – und blühen auf. Es gibt viele Talente, die sich über die Jahre enorm entwickelt haben. Zu sehen, wie Menschen ihr Talent entfalten, das war all die Arbeit wert.

Das Gebäude von Kunstpunk an der Storegade 14 in Augustenburg Foto: Sara Wasmund
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