Netzwerktreffen

Kultur für alle: Dem Publikum auf Augenhöhe begegnen

Anna-Sophie Hansen
Pattburg/Padborg
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Das „Intercultural Music Project” um Buzuki-Spieler Stylianos Antoniou aus der Flensburger Neustadt Foto: Anna-Sophie Hansen

Deutsche und dänische Kulturakteure treffen sich halbjährig bei den „Kultur- und Netzwerktreffen” im Regionskontor nördlich der Grenze. Thema des Treffens am Donnerstag war ein Rundumschlag: Kultur für alle. Aber wer sind alle? Ein Teilnehmer hatte Zahlen parat.

Von der Arbeit mit geflüchteten Kindern, über die Wiederentdeckung des Dorfes und seiner Bewohner bis hin zu inklusiven Stadtteilfesten und besonderen Festivals in der Peripherie: Das Interregprojekt KursKultur hat mit dem Kultur- und Netzwerktreffen kürzlich in Padborg einen Rundumschlag zum Thema „Kultur für alle” gewagt. „Und erfolgreich einen Anstoß und Inspiration geben können”, ist sich Anne-Mette Olsen, Kulturkoordinatorin der Region Sønderjylland - Schleswig, sicher. Deutsche und Dänische Kulturakteure vernetzen sich halbjährig bei den „Kultur- und Netzwerktreffen” im Regionskontor und Infocenter nördlich der Grenze.

Nach einleitenden Worten von Lars Kristensen, Mitglied im Kulturausschuss Sønderjylland-Schleswig, über die Bedeutung der „Fint-Kultur” für die Menschen insbesondere in der Grenzregion, ging das Wort an die Journalistin Katrine Nyland Sørensen von Nyland Kommunikation. Aufgrund ihrer 30-jährigen Erfahrung bei verschiedenen Medien, wie DR und Dagbladet Information, weiß die studierte Politikwissenschaftlerin, wie man neue Hörer gewinnt und ein Publikum “bei der Stange” hält.

Publikum nicht in Schubladen stecken

Wichtig um Vertrauen beim Publikum zu gewinnen sei vor allem Authentizität, so die 47-Jährige. „Und dass man sein Publikum nicht in Schubladen steckt.” Sich weniger auf eine Zielgruppe zu konzentrieren helfe, auch andere, neue Zielgruppen anzusprechen. Heute produziert die Kopenhagenerin Podcasts für Unternehmen und Kulturinstitutionen. „Kultur ist manchmal ein 'Buzzword' (Schlagwort, Anm. d. Red.) und manchmal ein Instrument, um andere Zielgruppen zu erreichen”, so Nyland.

Ihr Geheimrezept? „Starke Geschichten - gut vermittelt. Sowie Respekt und Verständnis für den kulturellen Hintergrund des Publikums. Und immer: Kommunikation auf Augenhöhe.” Ein weiterer hoher Anspruch von Nyland: Junge Menschen aller Nationalitäten und neue Zielgruppen anzuziehen.

Musikalisch untermalt wurde der Abend von Mitgliedern der Gruppe „Intercultural Music Project”, um Buzuki-Spieler Stylianos Antoniou, aus der Flensburger Neustadt.

„Außerdem haben die Kulturabteilungen die Kultur nicht erfunden”

Was Kulturförderung in Deutschland mit „Kultur für alle” zu tun hat, beschrieb Torge Korff vom Flensburger Kulturbüro dem deutsch-dänischen Publikum. Der Kulturbegriff im Deutschen sei wesentlich enger gefasst als im Dänischen, so Korff. So sind es in Deutschland eher Theater, Literatur und bildende Kunst, die den Kulturbegriff ausmachen, während im Dänischen „Kultur og fritid” (Kultur und Freizeit) wesentlich mehr Aktivitäten unter demselben Begriff vereint sind.

„Außerdem haben die Kulturabteilungen die Kultur nicht erfunden”, resümiert der langjährige Leiter des Kulturbüros. „Auch wenn wir das manchmal ein wenig vergessen.” Vielmehr entstanden die heute vom öffentlichen Sektor betriebenen Theater und Bibliotheken durch einige wenige engagierte Menschen, die Kultur „von unten” geschaffen haben - und so fragt Korff: „Müssten wir dafür nicht viel mehr Freiräume schaffen?”

„Man schafft sich ein Bürokratiemonster”

Torge Korff, Kulturbüro Flensburg

Eine Lösung, um mehr Menschen zu erreichen und an Kultur heranzuführen, sieht Torge Korff in der steigenden Tendenz der deutschen Ganztagsschulen. Herausforderungen, wie die unterschiedlichen Zuständigkeiten, dem „Wirrwarr von Länder und Kommunen” seien „typisch deutsch”. „Man schafft sich ein Bürokratiemonster” so Korff, und plädiert auf eine Standarisierung der Kulturförderung auf Bundesebene.

Nutzung des Kulturangebots

Wie viele aber nutzen das geförderte Kulturangebot? „10% der Bevölkerung nutzt es intensiv, 40% ab und zu und 50% gar nicht”, sagt Korff und beruft sich auf den deutschen Kulturfinanzbericht. Diese „Cultural Gap” gelte es zu überwinden, fordert der Leiter des Kulturbüros. „Wichtig ist, das Thema anzusprechen und auf die Agenda zu bringen”, meint Anne Mette Olsen. Neben Katrine Nyland Sørensen und Torge Korff, haben verschiedene Projektakteure ihre Sicht auf das Thema „Kultur für alle” präsentiert. „Es ist richtig schön, so viele unterschiedliche Perspektiven zu dem Thema an einem Abend zu vereinen”, so Olsen.

Dennis Lykke vom KursKultur Mikroprojekt „Kultur for alle” fasste es so zusammen: „Alle haben ein Recht auf kulturelle Erlebnisse und auf freien Zugang zum Kultur- und Freizeitleben”. Was dafür nötig sei? „Ein gutes Netzwerk aus sozialen Kulturakteuren und Familien, sowie das Wissen darum, dass Kunst und Kultur soziale Kompetenzen, Familienzusammenhalt und Selbstwertgefühl steigern können.” Mit dem gut besuchten Kultur- und Netzwerktreffen sei dafür schon ein wichtiger Schritt getan, freut sich Anne Mette Olsen.

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