63. Jahresausstellung

Noldes Menschen im Mittelpunkt

Noldes Menschen im Mittelpunkt

Noldes Menschen im Mittelpunkt

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Seebüll
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Dr. Christian Ring, Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, führte durch die Ausstellung. Foto: Elise Rahbek

Die 63. Jahresausstellung der Nolde Stiftung wird am Freitag in Seebüll eröffnet. Wir waren bereits vorab vor Ort – und haben uns den Höhepunkt der diesjährigen Ausstellung genauer angeschaut.

Die Darstellung des Menschen in Emil Noldes Werk spielt in der 63. Jahresausstellung der Nolde Stiftung in Seebüll die Hauptrolle. Während unter freiem Himmel Noldes Landschaft und das Wohn- und Atelierhaus in Frühlingssonne getaucht war, führte Dr. Christian Ring, Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, durch die farbenprächtige Ausstellung, die am Freitag, 1. März, eröffnet. Diese zeigt 177 Exponate und mit 33 Keramiken auch eine eher unbekannte Seite von Noldes Schaffen. 83 der Werke werden erstmals ausgestellt.

Es sei erstaunlich, wie intensiv Emil Nolde sich zu den Menschen und seinen Figurenbildern geäußert hat. Nolde sei kein Bildnismaler im eigentlichen Sinn. „Ihm geht es darum, hinter die Fassaden zu schauen und die seelische Seite und den Charakter darzustellen. Ich glaube, das ist eine Facette mit der wir uns so noch nicht befasst haben“, so Ring, mit dem Hinweis auf eine Tagesbuchnotiz von Noldes zweiter Frau Jolanthe. Sie schrieb: „Er sagt von sich, er sei hauptsächlich ein Menschenmaler“.

Ein Kabinett widmet sich den Keramiken und Reliefs Noldes, wie die stellvertretende Direktorin Dr. Astrid Becker veranschaulicht. Foto: Elise Rahbek

Das Wesentliche in Sekunden erfasst

Zur Frage, ob die Menschen ihn nicht interessieren würden, hätte Nolde geantwortet, dass er im Bruchteil einer Sekunde das Wesentliche erfassen würde. Höhepunkt der Ausstellung ist das Gemälde „Kleine Sonnenblumen“ . Den Neuzugang hat die Stiftung einer großzügigen Schenkung des Düsseldorfer Kaufmanns Dr. Friedrich Johenning zu verdanken. In liebevoller Erinnerung an seine 201 verstorbenen Frau Renate schenkte der Witwer der Seebüller Einrichtung das Lieblingswerk seiner Frau. „Eine so große Geste ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Stiftung“, so Ring mit Blick darauf, dass das Ehepaar das herausragende Gemälde 2007 auf einer Versteigerung in Berlin für 2,3 Millionen Euro erwarb. „Das erfüllt uns mit großer Freude und Dankbarkeit und ist auch stückweise eine Anerkennung unserer Arbeit“, so Ring.

Direktor Dr. Christian Ring vor dem Gemälde „Kleine Sonnenblumen“. Foto: Elise Rahbek

Ein Bild, das einen persönlich bewegt

„Das ist ein Bild, das einen persönlich bewegt. Das junge Mädchen erinnert vielleicht an Ada“. Nolde hatte es 1946 gemalt, als seine erste Frau Ada krank war, sich aber auf dem Weg der Besserung befand. Sie sei dann am 2. November 1946 für alle überraschend gestorben. Neben dem bedeutenden Spätwerk, von dem ein besonderer Zauber ausgeht, hängt eines der seltenen Selbstporträts von Nolde anno 1917.

Die 63. Jahresausstellung ist zugleich die letzte, die im Nolde Haus in seiner jetzigen Form stattfindet. Die Vorbereitungen für eine denkmalgerechte Modernisierung sind getroffen und die praktische Umsetzung geht nach Saisonschluss Ende November los. Die Jahresausstellung 2020 wird dann erstmals im Besucherzentrum stattfinden, während der Garten durchgehend geöffnet sein wird.

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