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Das lange Warten auf die Feriengäste aus Deutschland

Das lange Warten auf die Feriengäste aus Deutschland

Das lange Warten auf die Feriengäste aus Deutschland

Röm/Rømø
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In den sozialen Medien und auf der Internetseite des „Nordschleswigers“ bringen viele deutsche Dänemark-Urlauber ihren Unmut über die Einreisebeschränkungen zum Ausdruck. Foto: Archiv: TV Syd

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Die Büros warten auf klare und einfachere Richtlinien für ihre Gäste. Den deutschen Urlaubern sind die dänischen Bedingungen zurzeit noch zu schwammig. Sie stornieren oder buchen um.

Da in normalen Jahren 91 Prozent der Sommerhausgäste von Feriepartner Rømø aus Deutschland kommen, kann man sich in diesen Tagen vorstellen, dass das Büro auf Röm und die ganze Branche sehnsüchtig auf leichtere Einreisebedingungen hoffen. Eigentlich sollte der vor zwei Wochen präsentierte Plan zur schrittweisen Aufhebung der Reisebeschränkungen für Klarheit in der Tourismusbranche sorgen. Doch geschehen ist nichts.

Umbuchungen am laufenden Band

Davon kann Büroleiter Martin Vestergaard ein Lied singen. Das Personal hätte zurzeit alle Hände voll zu tun, Mietverträge zu stornieren beziehungsweise umzubuchen. „Wir bekommen unzählige E-Mails und Anrufe von Deutschen, die bei uns gebucht haben. Sie sind genauso verwirrt wie wir wegen der fast täglich geänderten Richtlinien, wann und ob man als Ausländer nach Dänemark einreisen darf oder nicht. Es besteht kein Zweifel, dass unsere Branche deutlichere Richtlinien seitens des Folketings erwartet“, moniert Vestergaard. Da hätten die angeblich gelockerten Einreisebedingungenerungen nichts geholfen.

70 Prozent der Gäste buchen neuen Termin

„Daher tun wir eigentlich nichts anderes zurzeit, als Fragen zu beantworten. Wir haben alle unsere Mietverträge bis 27. Mai umgebucht, in der Hoffnung, dass es dann gute Neuigkeiten für die Branche gibt. Bislang haben wir seit dem 13. März 2020, als Dänemark in den Lockdown ging, bis zu 2.000 Umbuchungen vorgenommen. Ungefähr 70 Prozent der Gäste buchen aber Gott sei Dank neu“, freut sich Vestergaard.

362 Sommerhäuser

Das Unternehmen Feriepartner auf Röm vermietet 362 Sommerhäuser auf Röm und entlang der nordschleswigschen Westküste. Für den Büroleiter verlief sein Dienstantritt am 1. Januar 2020 ganz anders als geplant. Er wusste nicht, was auf ihn zukam. Nach der ersten Coronawelle mit dem dänischen Lockdown im März 2020 folgte die zweite Welle im Winter.

Entspannung pur am Lakolker Strand Foto: Archiv: Karin Riggelsen

Am 14. Mai würden zwar die Einreiseregeln noch einmal gelockert. Da die Infektionsrate in Deutschland in allen Bundesländern höher sei als in Dänemark, würden sie von dänischer Seite je nach Risikoniveau weder als gelbe noch als orange Zonen eingestuft. Daher könne eine Einreise nach Dänemark immer noch nicht stattfinden. „Unser Büro in Hamburg rechnet damit, dass es in absehbarer Zeit diesbezüglich keine Änderungen geben wird. Daher haben wir alles bis zum 27. Mai annulliert. Falls sich plötzlich etwas ändern sollte, gibt es auch eine neue Situation und wir sind bereit“, erklärt Martin Vestergaard.

Das größte Hindernis seien die triftigen Gründe, die bei einer Einreise nach Dänemark vorliegen müssen. „Unsere Gäste benötigten diese im vergangenen Jahr nicht, als die Einreiserestriktionen des ersten Lockdowns gelockert wurden. Da reichte eine Bescheinigung, dass man ein Sommerhaus gemietet, einen Platz auf einem Campingplatz oder ein Hotelzimmer gebucht hatte. Daher wundere ich mich, dass dies in diesem Jahr nicht so geregelt werden kann“, kritisiert der Büroleiter.

Martin Vestergaard serviert bei einer Feierlichkeit in Havneby Sekt und „kransekager“. Foto: Archiv: Lars K. Detlef

Er und seine Mitarbeiter*innen würden daher auch von einigen deutschen Kunden unangenehm beschimpft. „Aber wir können ja nichts dafür. Wir befolgen nur die Regeln, die uns die Politiker vorgeben“, unterstreicht Vestergaard.

Die meisten Deutschen sind froh, in Dänemark sein zu können und akzeptieren den Standard der Sommerhäuser. Die meisten Dänen haben viel größere Erwartungen, und viele kritisieren die Qualität und fordern ihr Geld zurück.

Martin Vestergaard, Büroleiter bei Feriepartner Rømø

Im Vergleich zu einigen Konkurrenten, zum Beispiel Novosol, bekommt man bei Feriepartner Rømø bei einer Stornierung nicht sein Geld zurück, sondern einen Gutschein für eine neue Buchung. Bei Novosol hingegen bekommt man weder das eine noch das andere. Deswegen haben mehrere Kunden Gerichtsprozesse gegen die Firma angestrengt.

Früher nur sieben Prozent dänische Gäste

Normalerweise verzeichnet Feriepartner Rømø nur sieben Prozent dänische Gäste. Im vergangenen Jahr stieg der Anteil auf 28 Prozent. Bis jetzt hat sich der Anteil bis Ende April sogar auf 36 Prozent erhöht.

Das größere Aufkommen dänischer Kunden bereitet Mehrarbeit und Unannehmlichkeiten für das Personal des Vermietungsbüros. „Die meisten Deutschen sind froh, in Dänemark sein zu können und akzeptieren den Standard der Sommerhäuser. Viele Dänen haben viel größere Erwartungen und kritisieren die Qualität und fordern ihr Geld zurück“, weiß Martin Vestergaard.

Deutsche mieten länger

Zudem würden die Deutschen gerne ein Sommerhaus für zwei bis drei Wochen mieten. Die Dänen aber nur für drei bis sieben Tage. Das gebe Mehrarbeit im Büro, aber auch für das Reinigungspersonal.

Auf Röm gibt es mit Ferienpartner Rømø und Privatleuten, die ihre Feriendomizile vermieten, drei weitere Büros: Novosol, Sol og Strand und DanCenter.

EIn Badeurlaub am breiten Strand von Lakolk ist ein Spaß für Klein und Groß. Foto: Archiv: Karin Riggelsen

Alle sehnen sich nach der Rückkehr der deutschen Urlauber. Dies gilt nicht nur für Röm. Die leicht gelockerten Einreiseregeln der Phase 1 der Wiedereröffnung, die seit dem 21. März gültig sind, seien nicht dem Tourismus zugutegekommen. Das meint auch Lars Ravnholt, Bürochef von Købmand Hansens Ferieudlejning. 88 Prozent der Touristen würden entweder ihre Buchungen stornieren oder wollen umbuchen. Somit wären die Monate Mai und Juni gelaufen, erklärt Ravnholt gegenüber Jydske Vestkysten.

Die neuen Richtlinien hätten Klarheit bringen sollen, würden aber immer noch Verwirrung auslösen, so Ravnholt weiter. Ließe Dänemark die Bedingung bezüglich eines triftigen Grunde fallen, hätte es wesentlich besser ausgesehen.

Das Nachrichtenbüro Ritzau meldete am Montag, dass man sich um die dänischen Sommerhäuser reißen würde. Es gebe schon jetzt 142 Prozent mehr Buchungen als 2020. Ende März seien 85.600 Wochen im Juli und August von Dänen gebucht worden, so aktuelle Zahlen von Danmarks Statistik.

Im vergangenen Jahr wurde laut Statistik ein neuer Rekord für Juli und August aufgestellt. Eine 2021-Prognose für diese beiden Monate in der Hochsaison sei verfrüht. Ende März seien aber jetzt schon etwa ein Drittel aller Sommerhäuser im Vergleich zur gesamten Sommerhochsaison 2020 vermietet worden.

Der Juli wird daher vermutlich ganz gut werden, da mehr Dänen Sommerhäuser mieten, aber wir fürchten um den August. Bevor der Coronapass nicht eingeführt worden ist, wählen viele Deutsche andere Urlaubsziele in Ländern, wo die Einreisebestimmungen nicht so streng sind wie die dänischen.

Carlo Villaro Lassen, Vorsitzender von Feriehusudlejernes Brancheforening

In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurde ein Anstieg um 31 Prozent im Vergleich zu 2020 verzeichnet. Für diesen Anstieg sorgten fast nur Dänen, da Vermietungen an Urlauber aus dem Ausland kaum stattgefunden haben, so Danmarks Statistik. In der Hochsaison sieht alles gut aus, aber was mit den restlichen Monaten des Jahres?

Der Vorsitzende von Feriehusudlejernes Brancheforening bezeichnet die Zahlen als erfreulich. Seit der Lockerungen der Einreiseregeln vom April sei das Vermieten an Deutsche dennoch vollkommen zum Erliegen gebracht worden, so Carlo Villaro Lassen, Chef der Fachorganisation. „Der Juli wird zwar vermutlich ganz gut werden, da mehr Dänen Sommerhäuser mieten. Aber wir fürchten um den August. Bevor der Coronapass nicht eingeführt worden ist, wählen viele Deutsche andere Urlaubsziele in Ländern, wo die Einreisebestimmungen nicht so streng sind wie die dänischen“.

Rekordsommer in Sicht

Anders Christian Overvad, Ökonom von Arbejdernes Landsbank, meint dennoch, dass die Sommerhausbranche wieder einem Rekordsommer entgegengeht, da viele Dänen auf Nummer sicher gehen und einen Sommerhausaufenthalt in Dänemark wählen. „Es ist zurzeit schwer, ins Ausland zu reisen. Daher werden mehr Dänen ihren Urlaub im eigenen Land verbringen. Je länger die Unsicherheit andauert, desto mehr werden dänische Sommerhäuser und Hotels in Dänemark gewählt“, erläutert Overvad.

Ein Zitat von Martin Vestergaard zu den Einreisebestimmungen nach dem 26. Juni wird am 6. Mai um 9.40 Uhr entfernt, da es die Sachlage nicht korrekt dargestellt hat.

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