Wirtschaft

Nordschleswig fehlen Fachkräfte

Nordschleswig fehlen Fachkräfte

Nordschleswig fehlen Fachkräfte

Aggerschau/Agerskov
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Tommy Ahlers (Venstre) präsentierte sich als lebhafter Referent in seinem Heimatort. Foto: P. Sehstedt

Bildungs- und Forschungsminister Tommy Ahlers (Venstre) war Gastredner bei der Generalversammlung des Wirtschaftsnetzwerkes GroNet in Aggerschau.

„Um die richtigen Mitarbeiter für unsere Kunden zu finden, müssen wir in Nordschleswig eine Meile mehr laufen als anderswo“, berichtet Kundenberatin Vibecke Winberg vom Vikarbüro JKS am Rande der Generalversammlung des Wirtschaftsnetzwerkes GroNet, die am Montag in Aggerschau stattfand.

Eine der Fragen am Montag: Was fehlt dem nordschleswigschen Arbeitsmarkt, was benötigen die Unternehmen? „Die Ausbildungsstätten müssen marktgerecht ausbilden, um den nordschleswigschen Betrieben die nötige Arbeitskraft liefern zu können.

Die von Danfoss und Linak eingegangene Zusammenarbeit mit der Kommune Sonderburg für ein Zentrum für industrielle Elektronik in Sonderburg ist ein richtiger Schritt.“ Bildungs- und Forschungsminister Tommy Ahlers (Venstre), Gastredner der Veranstaltung, lobte unter anderem dieses Projekt und regte gleichzeitig an, den Blick nach Süden zu richten, um mit der Universität in Flensburg zusammenzuarbeiten. Zu den jüngeren Teilnehmern gehörte der 26-jährige Nikolaj Busch Jensen, Mitinhaber der privaten Wohnungsgesellschaft TT-Invest aus Hadersleben. Er stellte dem Minister die Frage nach einer Verbesserung der handwerklich-technischen Ausbildungen.

Der Minister legte Wert darauf, dass diese Ausbildungen nicht vernachlässigt werden dürften. Zum „Nordschleswiger“ sagte Busch Jensen, dass das Wirtschaftsnetzwerk GroNet ihm gezeigt habe, dass die übergreifende Zusammenarbeit wichtig sei, damit niemand mit allen Problemen alleine dasteht. Für ihn war die Veranstaltung ein positives Erlebnis.

„GroNet sind 119 Firmen angeschlossen“, erläutert Direktorin Karen Hansen. „Wir sind ein allgemein unbekannter Zusammenschluss, da nur wenige von unserer Existenz wissen. Dennoch arbeiten unsere Mitglieder in 15 verschiedenen Gruppen zusammen, um Erfahrungen austauschen zu können.“ „Wir werden von den Kommunen Tonder, Apenrade und Sonderburg finanziell gefördert“, fügt GroNet-Vorsitzender Kjeld Søberg hinzu und deutete später während einer Fragerunde an, dass die Stadt Hadersleben möglicherweise bald als Vierte im Bunde dabei sein könnte.

„Liebe es, aus deinen Fehlern zu lernen“

„Sei hungrig, sei neugierig, liebe deine Fehler und greife nach dem Mond.“ So lautete das Resümee von Bildungs- und Forschungsminister Tommy Ahlers, der am Montag in seinem Heimatort Aggerschau unter dem Titel „Der Weg zum Erfolg in Nordschleswig“ hielt. Eingeladen hatte das Wirtschaftsnetzwerk GroNet anlässlich seiner Generalversammlung. Man hatte jenen Minister als Referenten gewonnen, der als Entwickler, Investor und Wirtschaftspionier Karriere gemacht hat, bevor er im Mai 2018 ins Kabinett Lars Løkke Rasmussens berufen worden war. Wie lebt es sich als Unternehmer in Nordschleswig? Das Netzwerk und der Unternehmer suchten Antworten. „Die Aufgabe der Gesellschaft besteht darin, Gewinner zu fördern und dass alle in Dänemark die gleichen Chancen haben“, so Ahlers.

Die wirtschaftliche Entwicklung bewege sich durch einen bedrohlichen Mangel an Kapital und Talent langsamer fort als z. B. in den USA. „In Dänemark haben wir keine Aktionärskultur wie etwa in Schweden“, erläuterte der Minister. „Während die Schweden im vergangenen Jahr rund 80 Firmen an die Börse brachten, konnte Dänemark nur einen Börsengang verzeichnen.“

Investionsabzuges von 800.000 Kronen für Aktienanleger

Ahlers warb für den Regierungsvorschlag eines Investionsabzuges von 800.000 Kronen für Aktienanleger. Die Rentenkassen forderte er auf, mehr in Neugründungen zu investieren. Er beklagte den Mangel an ausländischen Arbeitnehmern, sah die Ursache in der rigorosen Ausländerpolitik der Regierung. „Wir müssen die Mindesteinkommensgrenzen senken, um den dänischen Arbeitsmarkt für Ausländer attraktiver zu machen“, war sein Bekenntnis. Um den Anforderungen der Wirtschaft gerecht werden zu könne, müssten mehr einen technische Beruf erlernen.

Auf die Frage des „Nordschleswigers“, ob die jährlichen Sparmaßnahmen an den Gymnasien dazu führten, dass das System die Schulen dazu zwinge, ungeeignete Schüler aufzunehmen, um genügend Zuschüsse zu erhalten, antwortete Ahlers: „Wir arbeiten intensiv an diesem Problem und rechnen damit, bald eine Lösung zu finden. Die Gymnasien sollten keine Schüler aufnehmen, die in einem technischen Beruf besser aufgehoben sind.“ Eine Empfehlung an die rund 100 Versammlungsteilnehmer war, in die Entwicklung und Produktion von ‚grünen Technologien und Strategien‘ zu investieren, da dies zukunftsträchtig sei.

„Der Nordschleswiger“ fragte, wie der Minister zu einer Wiederaufnahme der dänischen Kernforschung stehe. „Ich sehe da keine Zukunft, da die Probleme größer sind als die Vorteile“, so Ahlers, gab jedoch zu, nicht über den neusten Stand der Kernforschung in Hinblick auf die Dual Fluid Reactor Technik informiert zu sein.

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