Nordschleswig

14 Minister seit 1993 gescheitert: Engelbrecht hofft auf Doppelgleis

14 Minister seit 1993 gescheitert: Engelbrecht hofft auf Doppelgleis

14 Minister seit 1993 gescheitert

DN
Tondern/Tønder
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Bei einer Podiumsdiskussion auf Schloss Schackenborg (v l.) die frühere Kultusministerin Mette Bock, der Transportminister Benny Engelbrecht und Siegfried Matlok. Foto: Trine Jakobsen

Bei einer Podiumsdiskussion auf Schloss Schackenborg wurden das auf nordschleswigschen Bahnstrecken fehlende Doppelgleis und die Voruntersuchung für das Projekt einer Brücken-Verbindung zwischen Fünen und Alsen diskutiert.

Der sozialdemokratische Transportminister Benny Engelbrecht glaubt, dass bei einem kommenden neuen politischen Vergleich über Dänemarks Infrastruktur das bisher fehlende Doppelgleis auf der nordschleswigschen Bahnstrecke „ebenso wahrscheinlich kommen wird“ wie eine Voruntersuchung für das Projekt einer Brücken-Verbindung zwischen Fünen und Alsen. Sein Ziel sei es, eine möglichst breite Mehrheit unter den Folketingsparteien zu erreichen, und deshalb hofft der Minister, dass auch andere Parteien diese beiden Projekte auf ihrem Wunschzettel stehen haben.

Bei einer Podiumsdiskussion auf Schloss Schackenborg mit der früheren Kulturministerin Mette Bock und Redakteur Siegfried Matlok hatte Mette Bock darauf hingewiesen, dass seit einem gemeinsamen Beschluss 1993 dennoch insgesamt „14 Verkehrsminister nicht in der Lage gewesen sind, dieses Bahnprojekt auf die Schiene zu bringen“. Deshalb appellierte sie an Benny Engelbrecht, mit der Fertigstellung nicht länger zu warten.

Der Minister zeigte Verständnis für das Doppelgleis, machte zugleich aber darauf aufmerksam, dass das Schienennetz in Nordschleswig bisher gar nicht an seine Kapazitätsgrenze gestoßen sei. Wenn die 800 Millionen Kronen für dieses Projekt bewilligt werden, dann werde dies allein mit der Betriebssicherheit begründet, um bei ernsthaften Störungen des Eisenbahnverkehrs künftig jedes Risiko vermeiden zu können.

Der Wunsch einer Autobahn wurde abgelehnt

Wünsche aus der Versammlung, eine westliche Autobahn zu bauen, lehnte der Transportminister aus Sonderburg/Sønderborg jedoch ab. Dafür gebe es überhaupt keinen Verkehrsbedarf, stellte der Minister fest. Die Idee eines Radfahrweges von der Ostküste bis zum Wattenmeer fand hingegen die Sympathie des Ministers.

Engelbrecht hob die enge Zusammenarbeit mit Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) hervor, verwies aber darauf, dass in Deutschland verkehrspolitisch anders gearbeitet wird als in Dänemark, wie es auch beim Bau des Fehmarn-Tunnels der Fall sei.

Mette Bock forderte den Transportminister dazu auf, gemeinsam mit der deutschen Seite einen langfristigen Plan zur Koordinierung des grenzüberschreitenden Verkehrs vorzulegen.

Bei der von Redakteur Poul Erik Thomsen geleiteten Diskussion wurde von allen Seiten die Notwendigkeit des europäischen Gemeinschaftsprojekts unterstrichen, wobei Einvernehmen darüber bestand, dass Europa nur dann bestehen kann, wenn dafür die jeweiligen Kulturen der Nationalstaaten als Grundlage erhalten werden. Einen europäischen Einheitsbrei wünsche Dänemark nicht, betonte die ehemalige Kulturministerin.

Matlok sagte, der Kern des großen und gerade jetzt so schicksalhaften europäischen Gedankens sei der einzelne Mensch, und vor diesem Hintergrund forderte er den Transportminister dazu auf, in der Regierung dafür zu sorgen, dass die kleinen Grenzübergänge endlich für die Nachbarn auf beiden Seiten geöffnet werden. Europa sei kein abstraktes Projekt, sondern müsse der Bevölkerung in den unmittelbaren Grenzgebieten konkret dienen.

Dem früheren Schlossherrn auf Schackenborg, dem Tonderaner Amtmann O. D. Schack, dankte Matlok für dessen Haltung, als großer Däne dennoch zu den Ersten zu gehören, nach 1945 mutig mit einer Deputation in Kopenhagen für die Grundrechte der deutschen Minderheit eingetreten zu sein. Das dürfe 2020 ebenso wenig in Vergessenheit geraten wie der Einsatz des damaligen großen Sozialdemokraten I P. Nielsen, Dynt.

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