Coronavirus

Weniger Bargeld: Corona-Krise hat Bezahl-Verhalten geändert

Weniger Bargeld: Corona-Krise hat Bezahl-Verhalten geändert

Weniger Bargeld: Corona-Krise hat Bezahl-Verhalten geändert

Ritzau/kj
Kopenhagen/London
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Während der Corona-Krise war die Kartenzahlung die bevorzugte Bezahlmethode. Foto: Hannah Mckay/Reuters

Geldscheine und Münzen sind während der Corona-Krise oft durch Karten ersetzt worden. Ob diese Zahlungsmethode vor dem Virus schützt, ist allerdings unklar.

Wenn ein Virus die Gesellschaft auf den Kopf stellt, versucht man alles um nicht damit in Berührung zu kommen. Eine Gewohnheit, die sich aus diesem Grund geändert hat, ist die Verwendung von Bargeld.

Diejenigen, die die Möglichkeit haben, wechseln zu Girokarten oder mobilen Zahlungsarten beim Einkaufen. Einige vermeiden sogar den Besuch in Geschäften und kaufen lieber im Internet ein.

Weltweit werden während der Corona-Krise weniger Münzen und Geldscheine verwendet, berichten Banken und Einzelhandel.

Internationaler Trend

Dieselben Erfahrungen hat auch Julien Cornus in seiner Käserei in Paris gemacht. „Wenn Kunden Brie und Camembert kaufen, fischen sie keine Eurostücke mehr aus der Tasche. Die Leute verwenden kontaktlose Zahlungsmöglichkeiten, weil sie nichts anfassen wollen“, sagte Julien Cornu der Zeitung „New York Times“.

Sogar die älteren Kunden, die normalerweise bar bezahlen, haben ihre Einstellung zu Kartenzahlung geändert, sagt der Käsehändler. Die Karte fühlt sich sicherer an.

Es wurden noch keine genauen Statistiken zum Bargeldverbrauch während des Corona-Zeitraums erstellt.

Aber im März wurde an britischen Geldautomaten halb so viel Geld abgehoben wie sonst, schrieb die Zeitung „The Guardian“.

„Es ist nicht zu leugnen, dass die Menschen die Verwendung von Bargeld eingestellt – oder zumindest erheblich abgeschwächt haben“, sagte der Chef der australischen Zentralbank, Ross MacDiarmid, gegenüber „The Guardian“.

Infektionsrisiko nicht nachgewiesen

Allerdings ist nicht mit Sicherheit nachgewiesen worden, dass der Kontakt mit Bargeld ein besonderes Infektionsrisiko darstellt. Zumindest nicht mit Geldscheinen.

Eine Virusinfektion durch Banknoten hat laut Lothar Wieler keine besondere Bedeutung, wie er im März gegenüber Reuters mitteilte. Er ist Direktor des Robert-Koch-Instituts, der deutschen Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten.

Paradoxerweise besteht laut einem Bericht der „Internationale Betalingsbank“, BIS, ein höheres Übertragungsrisiko auf Oberflächen wie Kartenterminals.

Aber sowohl die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die nationalen Regierungen haben während der Corona-Krise digitale Zahlungsmöglichkeiten anstelle von Bargeld empfohlen.

EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis teilt ebenfalls die Meinung. „Zeit, Ihre Münzen gegen Debitkarten einzutauschen – es ist sicherer, um das Coronavirus einzudämmen“, schrieb der Kommissar im März auf Twitter.

Kein Problem für Skandinavien

Besonders in Skandinavien ist es für die meisten Menschen, die zum Beispiel eine Dankort oder ähnliches in ihren Brieftaschen haben, einfach.

Aber in vielen Teilen der Welt sind Girokarten überhaupt nicht so verbreitet. Und selbst in den reichen Ländern gibt es Kinder, ältere Menschen und Gruppen, die sich der Technologiewelle nicht anschließen wollen.

Allein in Großbritannien gibt es 1,3 Millionen Erwachsene ohne Bankkonto, schreibt die „Financial Times“.

Andere entscheiden sich dafür, weil sie nicht von Banken und Geschäften sowie vom Staat überwacht werden können.

Bargeld verliert an Bedeutung

Trotz der guten Argumente, Bargeld zu behalten, wird es durch die Pandemie an Bedeutung verlieren. Dies ist die Meinung von Morten Jørgensen vom Beratungsunternehmen RBR.

„Die Gewohnheiten der Menschen ändern sich. Bargeld verschwindet nicht von heute auf morgen. Aber es wird weniger werden, und die Corona-Krise beschleunigt diesen Trend“, sagte Morten Jørgensen der „New York Times“.

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