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Protokollbuch des Langbehnhauses auf dem Knivsberg

Protokollbuch des Langbehnhauses auf dem Knivsberg

Protokollbuch des Langbehnhauses auf dem Knivsberg

Hauke Grella
Hauke Grella Museumsleiter
Nordschleswig
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Das Langbehnhaus mit dem Architekten des Gebäudes, Klaus Groth, bei der Schlüsselübergabe 1931 Foto: Deutsches Museum Sonderburg

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Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte erlebt / Die Namensgebung wird heute kritisch gesehen

Das Langbehnhaus auf dem Knivsberg ist seit seinem Bestehen schon sehr unterschiedlich genutzt worden. Unter anderem als Geschäftsstelle des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig und zwischenzeitlich auch als Wanderschule.
Die ursprüngliche Idee hinter dem Bau auf dem Knivsberg war die Einrichtung einer Jugendherberge. Als solche wurde das Haus nach der Einweihung 1931 auch betrieben. Das vorliegende Gästebuch der Jugendherberge erzählt uns, wer in den Jahren 1937 bis 1942 zu Besuch war. Nach den Einträgen im Jahr 1942 sind noch viele freie Seiten.

Aber warum wurde das Gästebuch nicht fortgesetzt? Dies hängt mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges zusammen und lässt sich tatsächlich auch durch das vorliegende Gästebuch nachvollziehen.
Laut Gästebuch quartierten sich ab Mai 1940 Angehörige der Wehrmacht in das Langbehnhaus ein. Damit durften normale Gäste das Haus nicht mehr nutzen. Einzige Ausnahme war, wenn z. B. die Deutsche Jungenschaft Nordschleswig oder die Deutsche Mädchenschaft Nordschleswig das Gelände des Knivsbergs für ihre Osterlager nutzten. So durften laut Gästebuch die Führungen der beiden Organisationen dort wohl übernachten.Die Wehrmacht nutzte den Knivsberg während des Zweiten Weltkriegs als Funkstation und sicherlich auch als Beobachtungsposten. Zumindest sind die Wehrmachtssoldaten mit „Wohnort“ Flugwache im Gästebuch des Langbehnhauses eingetragen.

Das Langbehnhaus mit Schmidt Wodder Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Wie geschrieben, wurde das Langbehnhaus 1931 zu Ostern eingeweiht. Der Bau wurde durch den Unternehmer Alfred Toepfer aus Hamburg unterstützt. Abgebildet sind hier Bilder vom Bau, der Einweihung und des Inneren des Gebäudes. Auf den Fotos auch zu sehen sind Johannes Schmidt-Wodder und der Architekt des Baues, Klaus Groth.

Der Unternehmer Toepfer soll es auch gewesen sein, der sich für die Benennung nach Julius Langbehn eingesetzt hatte. Als das Langbehnhaus 1931 eingeweiht wurde, war dessen Namensgeber Julius Langbehn schon 24 Jahre tot.

Wer aber war nun Julius Langbehn? Und warum wurde und wird die Namensgebung in neuerer Zeit kritisch gesehen?
Geboren wurde Julius Langbehn 1851 in Hadersleben. Wie groß seine Verbindung nach Nordschleswig war, ist unklar, da er schon im ersten Lebensjahr wegzog. Später studierte er Philologie und Naturwissenschaften. Danach wandte er sich der Archäologie zu. Aber auch dabei blieb er nicht. Anstellte des Berufes als Archäologe reiste er durch Italien und Deutschland und hielt sich mit gelegentlichen journalistischen Arbeiten und durch Gönner über Wasser.

Seine finanzielle Lage änderte sich mit der Herausgabe seines Buches „Rembrandt als Erzieher. Von einem Deutschen“ aus dem Jahr 1890. Dieses war ein Verkaufserfolg, was sich auch in der Fülle der Auflagen widerspiegelte. 1938 erschien die 90. Auflage.
In seinem Denken, das logischerweise durch sein Buch zum Vorschein kommt, liegt auch der Grund, warum die Benennung heute immer noch kritisch gesehen wird. Geprägt durch den damaligen Zeitgeist, kommt seine antimoderne, antiliberale und antisemitische Haltung zum Ausdruck.
Ob eine Umbenennung der richtige Weg ist, dazu darf natürlich jeder seine eigene Meinung haben. Dabei muss aber sichergestellt sein, dass die Geschichte des Hauses bewahrt wird. Dazu gehören die positiven und negativen Erzählungen. Deswegen ist es schön zu sehen, dass man sich dieser Verantwortung auf dem Berg bewusst ist!

Foto: Deutsches Museum Sonderburg
Das Innere des Hauses Foto: Deutsches Museum Sonderburg
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Das weiße Heer“