100 Jahre Deutsche Minderheit

Teil 20: Bilder der Volksabstimmung 1920

Teil 20: Bilder der Volksabstimmung 1920

Teil 20: Bilder der Volksabstimmung 1920

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Zusammenstoß von deutschen und dänischen Wahlaufmärschen in Apenrade Foto: Deutsches Museum

Fotoalbum eines Mitarbeiters der Commission internationale de surveillance du plebiscite au Slesvig

Am 28. Juni 1919 unterzeichnete Deutschland den Versailler Vertrag. Damit war klar, dass zwischen Deutschland und Dänemark eine neue Grenze gefunden werden musste. Bestimmt werden sollte die neue Grenze, durch eine Befragung der Bevölkerung. Auch die genauen Regelungen wurden im Versailler Vertrag festgehalten. So wurde u. a. festgelegt, dass man das 20. Lebensjahr vollendet haben musste, um stimmberechtigt zu sein. Dies unabhängig vom Geschlecht. Auch festgehalten wurde, dass man nur Stimmrecht hatte, wenn man entweder in Nord- oder Mittelschleswig geboren war oder wenn man schon vor dem 01. 01. 1900 seinen offiziellen Wohnsitz im Abstimmungsgebiet hatte.

Die praktische Durchführung sollte eine internationale Kommission übernehmen. Später bekannt als Commission internationale de surveillance du plebiscite au Slesvig oder kurz CIS. Ursprünglich sollte der Ausschuss aus fünf Mitgliedern bestehen – drei von den alliierten Mächten ausgewählte Personen und jeweils ein Mitglied, das von der schwedischen und von der norwegischen Regierung bestimmt werden sollte. Da die USA den Versailler Vertrag aber nicht ratifizierten, blieb dessen Platz vakant. Als Vorsitzender der Kommission wurde der Engländer Charles Marling bestimmt. Des Weiteren setzte sich die Kommission zusammen aus dem Franzosen und Verfasser Paul Claudel, dem norwegischen Offizier und Politiker Thomas Thomassen Heftye und aus dem schwedischen Politiker und späteren Ministerpräsidenten Oscar von Sydow. Als Sekretär der Kommission wurde der Engländer Brudenell-Bruce bestimmt.

Gruppenfoto der internationale Kommission 1920 Foto: Deutsches Museum

Allgemeine Verwaltungsbefugnis

Die Kommission erhielt die allgemeine Verwaltungsbefugnis über die Abstimmungsgebiete und sollte alle Maßnahmen ergreifen, die er für eine freie, unbeeinflusste und geheime Stimmabgabe für erforderlich hielt. Um dies zu sichern, konnte die Kommission selbst deutsche und dänische Berater aus der örtlichen Bevölkerung auswählen. Notfalls sollte die Kommission auch auf britische und französische Streitkräfte zurückgreifen können. Dazu kam ein Stab von direkten Mitarbeitern der internationalen Kommission.

Im Versailler Vertrag wurde auch festgelegt, dass deutsche Truppen und Behörden, inklusive Oberpräsidenten, Regierungspräsident, Landräte, Amtsvorsteher und Oberbürgermeister, die Abstimmungsgebiete zu räumen hatten. Diese sollten dann durch von der Kommission bestimmte Personen ersetzt werden. Diese standen dann den bestehenden unteren Ebenen der öffentlichen Verwaltung vor. Umgesetzt werden sollte die direkt nach dem Inkrafttreten des Vertrages. Dies geschah am 10. Januar 1920. In Folge dessen übernahm die Kommission die Verwaltung über Nord- und Mittelschleswig.

Ankunft der Kommission am 26. Januar 1920 Foto: Deutsches Museum

Grenze vorschlagen

Mit den Tagen der Abstimmungen am 10. Februar in Nordschleswig und am 14. März in Mittelschleswig war die Arbeit der Kommission aber nicht getan. Sie sollte den alliierten Mächten und assoziierten Ländern nach den Abstimmungen eine Grenze vorschlagen. Dies geschah am 16. April 1920. Ende Mai beschloss dann die Boschafterkonferenz in Paris, dass die neue Grenze die Clausen-Line, also die Grenze zwischen den beiden Abstimmungszonen sei. Die Kommission verließ am 16. 06. 1920 Flensburg bzw. die Abstimmungsgebiete.

Das vorliegende Fotoalbum stammt von einem dänischen Mitarbeiter der Kommission. Dieser ist wohl in der Finanzabteilung und als Kurier angestellt gewesen. Als Erinnerung an die Volksabstimmung hat er dieses Album erstellt. Zu sehen sind allgemein bekannte Bilder aus der Zeit. Darüber hinaus sind aber wohl auch „private“ Fotos mit hinein gekommen. Einige Bilder zeigen den Mitarbeiter, wie er mit dem Sekretär der Kommission, Brudenell-Bruce, auf Erkundungstour durch Nord- und Mittelschleswig fuhr.

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