100 Jahre Deutsche Minderheit

Teil 29: Erzeugnisse aus dem Werkunterricht der deutschen Schulen Nordschleswigs

Teil 29: Erzeugnisse aus dem Werkunterricht der deutschen Schulen Nordschleswigs

Teil 29: Erzeugnisse aus dem Werkunterricht der deutschen Sc

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Werkunterricht am alten Gymnasium Foto: Archiv

Der Bau von Kriegsschiffmodellen war damals nicht ungewöhnlich – ebensowenig wie die Tatsache, dass dieser Unterricht nur Jungen vorbehalten war.

Über die Jahre wurden im Deutschen Schulmuseum Nordschleswig viele Erzeugnisse von Schülerinnen und Schülern gesammelt. Darunter befinden sich u. a. alte Aufsätze, Gegenstände aus dem Handarbeitsunterricht und aus dem Werkunterricht. Heutzutage ist es normal, dass Jungen und Mädchen beide Fächer während ihrer Schulzeit haben. Aber nicht verwunderlich, so war der Werkunterricht früher den Jungen vorbehalten. Dies zeigen zumindest die im Deutschen Museum Nordschleswig vorliegenden Bilder vom Werkunterricht aus dem „alten“ Deutschen Gymnasium in Apenrade. Dies wird auch andernorts sicher ähnlich gewesen sein. Auf dem großen gezeigten Foto werden Segelboote angefertigt. Von diesen sind leider keine im Besitz des Museums. Aber es existiert zumindest noch ein Segelboot dieser Machart aus dem Werkunterricht des Gymnasiums in Privatbesitz.

In der Sammlung des Museums befindet sich eine Reihe von anderen Modellbooten. Unter anderem eine Galeone und drei Modelle von deutschen Kriegsschiffen aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Galeone wurde wohl im Werkunterricht an der deutschen Schule Tingleff hergestellt. Zwei der drei Kriegsschiffe wurden am Gymnasium hergestellt. Das dritte Schiff, ein Modell der „Admiral Scheer“, befindet sich schon lange im Besitz des Deutschen Museums Nordschleswig. Leider gibt unsere Registrierung keine Auskunft darüber, wer das Schiff erbaut und wer es abgeliefert hat. Von der Machart lässt sich aber vermuten, dass es auch im Werkunterricht des Gymnasiums hergestellt wurde. Wenn ein Leser mehr Informationen über das Schiff hat, wären wir dankbar für eine Rückmeldung.

Besonders in der Reihe dieser vier Schiffe ist die Galeone. Sie stellt den „Adler von Lübeck“ dar und war schon vor einigen Jahren im Mittelpunkt eines Zeitungsberichtes des ,,Nordschleswigers“. Anlass damals war, dass ein Modellbauer das Schiff, wohl aus den 1930er oder 1940er Jahren stammend, grundlegend überholt hatte. Vermutlich wurde es von Lehrer Hans Fr. Hansen mit seinen Schülern erstellt, danach stand es über viele Jahre im Werkraum der Deutschen Schule Tingleff. Mit der Zeit sind dann u. a. einige Kanonenrohre und Laternen verloren gegangen. Das historische Vorbild wurde 1567 von der Hansestadt Lübeck in Dienst gestellt. Eigentlich sollte es, als Flaggschiff der Lübecker, in den Nordischen Kriegen teilnehmen. Zu einem Kriegseinsatz gegen die Schweden kam es aber nicht mehr, da man zwischenzeitlich Friedensverhandlungen geführt hatte. Mit dem Friedensschluss von 1570 wurde der „Adler von Lübeck“ zum Frachtensegler umgebaut und elf Jahre später außer Dienst gestellt. Warum gerade der „Adler von Lübeck“ für den Bau eines Modells ausgesucht wurde, lässt sich schwer nachvollziehen. Auch die Geschichte der Galeone gibt dazu nicht unbedingt einen Hinweis.

Schüler im Werkunterricht – vermutlich mit der Gneisenau Foto: Archiv

Der Bau der Kriegsschiffsmodelle hingegen lässt sich leicht erklären und passt in die damalige Zeit. Haben wir heute vielleicht eine mehr ablehnende Haltung gegenüber militärischem Spielzeug, so war es damals ein natürlicher Teil der Kindheit. Dafür sprechen zumindest die vielen Spielfiguren von deutschen Soldaten, die sich im Bestand des Deutschen Museums Nordschleswig befinden. So lässt sich vielleicht auch der Bau von Kriegsschiffen im Werkunterricht erklären, etwas, was heute wohl nicht mehr stattfinden wird.

Die genaue Bestimmung, um welche Kriegsschiffe es sich bei den Modellen handelt, war nur bei der „Admiral Scheer“ leicht. Hier war ein Schild mit dem Schiffsnamen vorhanden. Anders sieht es bei den zwei weiteren Schiffen aus. Hier mussten zuerst Bilder der Originalschiffe, für einen Abgleich herangezogen werden. Aber auch dann war es nicht zu 100 Prozent möglich, die Schiffe genau zu bestimmen. Dies lag sicher auch an der „künstlerischen Freiheit“, die sich die Schüler beim Bau der Modelle genommen hatten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den beiden Schiffen aber um die Scharnhorst und das Schwesterschiff, die Gneisenau. Die Gneisenau wurde in Kiel gebaut und dort später bei einem Werftaufenthalt durch Fliegerbomben stark beschädigt. Am Ende des Krieges wurde das Schiff als Blockade in der Nähe von Danzig versenkt. Die Scharnhorst wurde Ende 1943 bei einem Gefecht in Nordmeer versenkt.

Ein Grund, warum gerade die beiden Schiffe nachgebaut wurden, kann auch dessen Beteiligung an der „Weserübung“ gewesen sein. „Weserübung“ war der Deckname für den Überfall und die Besetzung von Norwegen und Dänemark.

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