100 Jahre Deutsche Minderheit

Teil 6: Die Wetterfahne vom Landheim Schelde

Hauke Grella
Sonderburg/Sønderborg
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Foto: Archivfoto: DN

Landheim Schelde war ab den 1950er Jahren als Begegnungsstätte der Minderheit beliebt – welche Geschichte erzählt die Wetterfahne des Hauses?

Seit den 1950er Jahren nutzte der Deutsche Jugendverband für Nordschleswig das Landheim Schelde als Begegnungsstätte. Vielen seiner Besucher aus Deutschland oder Nordschleswig wird die bewegte Geschichte des Hauses jedoch unbekannt sein. Dabei befand sich ein deutliches Zeichen der Geschichte auf dem Dach des Landheimes: Die Wetterfahne mit dem Symbol der Deutschen Jungenschaft Nordschleswig, welche seit 2014 im Deutschen Museum Nordschleswig zu betrachten ist.

Schon bevor sich die unterschiedlichen nationalsozialistischen Parteien in Nordschleswig sammelten formierten sich die Jugendorganisationen Deutsche Mädchenschaft Nordschleswig (DMN) und Deutsche Jungenschaft Nordschleswig (DJN). Die nach der Volksabstimmung 1920 gegründeten Jugendbünde und andere Jugendorganisationen gingen größtenteils in diesen beiden nationalsozialistischen Jugendorganisationen auf. Geführt und Aufgebaut wurden DMN und DJN nach dem Vorbild der Jugendorganisationen des Deutschen Reiches. Organisatorisch bestand die Jungenschaft aus den Kreisen Hadersleben, Tondern, Apenrade, Tingleff und Sonderburg. Als „Landesjugendführer“ stand Jef Blume lange Jahre an der Spitze der Jungenschaft.

Pläne für den Bau eines Kreisheimes

Nachdem 1938 in Schelde ein großes Pfingstlager der Deutschen Jungenschaft Nordschleswig abgehalten wurde, entstanden Pläne für den Bau eines Kreisheimes. Schnell fand sich 1939 das Grundstück in Schelde und die Bauarbeiten begannen. Unter handwerklicher Anleitung wurde das Haus von Jugendlichen der DJN und des DMN, zusammen mit deren Eltern und Freiwilligen errichtet. So wurde das Kreisheim am 1. Oktober 1939 mit einer Ansprache von Jens Möller offiziell eingeweiht. 1941 folgt eine Erweiterung des Hauses in Parterre mit Balkon.

Benannt wurde das Haus nach dem U-Boot Kommandanten Max Valentiner. Dieser wurde 1883 in Tondern geboren und zog später mit seiner Familie nach Sonderburg, als sein Vater dort eine Stellung als Probst antrat. Für seine Einsätze als U-Boot Kommandant im ersten Weltkrieg wurde Max Valentiner 1916 mit dem „Pour le Merite“ und im folgenden Jahr mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Sonderburg ausgezeichnet - eine Auszeichnung, von der er nach der Volksabstimmung 1920 in Voraussicht, dass sie ihm wieder entzogen würde, selbst zurück trat. Von den Alliierten wurde er aufgrund der Versenkung von Passagierschiffen, so unter anderem der „SS Persia“, nicht als Kriegsheld, sondern als Kriegsverbrecher geführt. Für die 1920 entstandene deutsche Minderheit blieb er aber bis in die Zeit des Nationalsozialismus ein Kriegsheld. Deswegen ist die Benennung nach Max Valentiner nicht verwunderlich.

Genutzt wird es in den ersten Kriegsjahren hauptsächlich von der DJN und der DMN. Von 1942 bis 1944 wird es dann für die Kinderlandverschickung benutzt. Ab 1944 dann auch für Personal einer naheliegenden militärischen Versuchsstation. Da Dänemark bis zum Ende des Krieges von Deutschland besetzt war kamen auch viele deutsche Flüchtlinge nach Dänemark. In Nordschleswig wurden sie zum Teil privat und in Schulen sowie Institutionen der Minderheit untergebracht. So auch im Max-Valentiner Heim.

Besitzverhältnisse in Schelde

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude der deutschen Minderheit beschlagnahmt. Durch die Besitzverhältnisse in Schelde - das Haus stand auf einem angemieteten Grund - galt dies jedoch nicht für das Landheim. Somit blieb das Gebäude der Minderheit erhalten und der Jungendverband übernahm es 1950. In den vielen Jahr geriet die Wetterfahne auf dem Dach des Hauses in Vergessenheit.

Sie zeigt einen Jungenschaftler mit seiner Fanfare. Zu sehen ist auch die Jahreszahl 1939, mit Bezug auf das Baujahr, wobei die Wetterfahne wohl erst später auf dem Dach montiert wurde. Sie ist zumindest auf den Fotos der Einweihungsveranstaltung nicht zu sehen. In der Halterung der Wetterfahne sind die Himmelsrichtungen angezeigt. In beiden, der Halterung und dem Anzeiger der Windrichtung, ist das Sonnenrad, Symbol der Jungenschaft eingefügt.

2014 entschied sich der Deutsche Jugendverband für Nordschleswig, das Schelde Landheim aufgrund der schlechten Belegzahlen und des Renovierungsrückstandes zu verkaufen. Nach Beschlussfassung wurde das Museum auf die Wetterfahne aufmerksam gemacht. Es folgte eine Besichtigung des Hauses und eine Überprüfung, ob noch weitere historisch wertvolle Gegenstände vorhanden waren. Ursprünglich befand sich an der westlichen Giebelseite noch der ursprüngliche Name des Hauses. Leider wurde der gusseiserne Schriftzug aber offenbar schon früher abmontiert. Auch sonst fanden sich keine weiteren wertvollen Gegenstände. Nach Anfrage an den Deutschen Jugendverband für Nordschleswig durfte die Wetterfahne dann abmontiert werden und befindet sich seitdem im Deutschen Museum Nordschleswig.

Foto: Archivfoto: DN
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