Kommentar

Dänische Ausstellung auf der Nordart enttäuscht

Dänische Ausstellung auf der Nordart enttäuscht

Dänische Ausstellung auf der Nordart enttäuscht

Büdelsdorf
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Foto: Privat

Der Länderfokus der Nordart gibt einem Land die Möglichkeit, sich auf der wichtigsten Kunstausstellung des Nordens zu präsentieren. Dänemark fällt bei diesem Vorhaben allerdings durch, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Nordart in der Büdelsdorfer Carlshütte ist jedes Jahr ein neues Erlebnis. Es ist fast wie damal zu Weihnachten: Man tritt durch die riesigen Türen in die heiligen Hallen und wird vom ersten Anblick fast überwältigt. Und das jedes Jahr.

Manchmal muss man ganz nah an ein Werk dran, um die filigrane Technik des Künstlers zu entdecken, andere Male sucht man die Weite, um die Kunst auf sich einwirken zu lassen. Die Nordart hat einfach alles: Ideenreichtum, Gemälde groß wie eine Villa, Skulpturen und Wesen wie aus einem Märchen geschaffen. Es wird mit Materialien, Formen und Techniken gespielt und so wird die Kunstausstellung zu einer großen Schatzkiste der Kunst.

Die Vorfreude an die diesjährige Nordart war besonders groß, da der Länderfokus in diesem Jahr Dänemark gilt. Aber um es vorweg zu nehmen (und es stand ja auch schon in der Überschrift): der dänische Pavillon ist eine herbe Enttäuschung.

Die Kuratorin Jette Gejl aus Århus erklärte bereits im Vorfeld, dass sie es „sinnlos“ fand, „eine Auswahl von Künstlern zu treffen, die das spezifisch Dänische repräsentieren.“ Stattdessen ließ sie sich von der dänischen Version der Künstlerkollektive inspirieren (wobei das nichts typisches Dänisches ist). Den unbekannten dänischen Künstlern sei die internationale Plattform in Büdelsdorf gegönnt, aber sie schneiden im internationalen Vergleich bei der NordArt eher schlecht ab.
Sicherlich gibt es vereinzelte Künstler und Werke, die es auch ohne dänischen Pavillon in das alte Stahlwerk hätte schaffen können, doch es sind durch diese Art der Künstlerwahl auch Werke mit reingerutscht, die hier nicht hingehören. Die könnten weg.

Dänemark erblasst

Ja, ja, Kunst kann diskutiert werden und ist Geschmackssache, aber man braucht nur mit dem Ideenreichtum der „Kollegen“ in den übrigen Hallen vergleichen, dann erblasst der dänische Pavillon und ist damit letzten Endes eine Enttäuschung. Vor allem weil die Ausstellung einen nicht wirklich packt, provoziert, erstaunt oder aufregt. Sie ist gleichgültig – und das ist das Schlimmste, was der Kunst passieren kann.

„Ist das alles, was Dänemark zu bieten hat?“, wird sich so mancher Besucher fragen, dem das internationale Format der dänischen Künstler fehlt. Hier ja, generell nein. Auch ohne Skagensmaler oder Cobra-Künstler hätte man Dänemark stark repräsentieren können: Olafur Eliasson wäre in der Carlshütte sensationell gewesen, Michael Kviums Albtraumfiguren hätten alle an der Gurgel gepackt, bei Martin Bigum hätten die Besucher auf Entdeckungsreise gehen können und die explosiven Gemälde von Tal R hätten fantastisch in die tollen Kulissen gepasst. Und und und – vieles wäre besser gewesen, auch in der jungen Kunstszene gibt es Talente, die es verdient hätten ein großes Publikum zu haben. Leider ist eine tolle Chance flöten gegangen.

Zur Nordart sollten sie dennoch hingehen, denn die Enttäuschung währt nicht lange. Außerhalb des dänischen Pavillons ist die Welt wieder in Ordnung und große Kunst angesagt.
Die Nordart ist bis zum 8. Oktober in Büdelsdorf zu sehen.

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