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Brexit lässt die EU sympathischer werden

Brexit lässt die EU sympathischer werden

Brexit lässt die EU sympathischer werden

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Kopenhagen
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Das EU-Parlament in Straßburg. Foto: dpa

So viele Dänen wie schon lange nicht sind für einen Verbleib in der EU. Doch Europakenner Hans Heinrich Hansen ist skeptisch.

Die Begeisterung für die Europäische Union hielt sich in den vergangenen Jahren in Grenzen. Doch nun scheint die EU wieder im Aufschwung – zumindest bei den Dänen. Dem Meinungsforschungsinstitut Kantar Gallup zufolge stellen sich historisch viele Bürger des Königreiches hinter die Union und wollen von einem Austritt, wie ihn Großbritannien anstrebt, nichts wissen. Dies berichtet die Zeitung Berlingske.

Die Zahlen: 62 Prozent der Befragten wünschen keine Abstimmung in Dänemark über einen Verbleib in der EU, 26 Prozent wären dafür. Und sollte es doch einen Volksentscheid geben, wären 66 Prozent für einen Verbleib, 22 Prozent für einen Austritt.

Nach Meinung des Wahlforschers Kasper Møller Hansen von der Kopenhagener Universität ist es der wenig ruhmreiche Verlauf des Brexits, der in den Menschen in Dänemark die Sympathie für Europa erblühen lässt. In früheren Zeiten sei Dänemark zu etwa gleichen Teilen für beziehungsweise gegen die EU gewesen, so Hansen in Berlingske.

„Wir brauchen ein Europa, aber ein anderes Europa“

Europakenner Hans Heinrich Hansen, ehemaliger Präsident der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen, ist ein Europabefürworter – und gleichzeitig ein EU-Kritiker. Er sagt: „Wir brauchen ein Europa, aber ein anderes Europa.“ Er sieht die Union am Scheideweg: „Entweder die EU geht kaputt, oder alle reißen sich zusammen und ändern etwas.“ Hans Heinrich Hansen weiß auch, was. Er beklagt ein generelles Demokratiedefizit in der Union. Das Parlament der EU habe nicht die Möglichkeit, die EU-Kommission wirklich zu kontrollieren. Dadurch entferne sich die EU von den Menschen, doch stattdessen müsse sie näher heran an die EU-Bürger.

Er spricht sich für ein Europa der Regionen aus. Wenn die Menschen das Gefühl hätten, sie seien fremdbestimmt, dann spiele dies den Nationalisten in die Hände, und das könne zu einem Auseinanderreißen der EU führen. Aber Hansen bleibt optimistisch, er sagt: „Die Menschen in Europa bekommen ein Gespür dafür, dass sich was ändern muss.“

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