Datenskandal

Mordfall Emilie Meng: Fehlerhafte Mobilfunkdaten behinderten möglicherweise Ermittlungen

Fehlerhafte Mobilfunkdaten behinderten möglicherweise Ermittlungen

Fehlerhafte Mobilfunkdaten auch im Mordfall Emilie Meng

Korsør
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Laut der Zeitung „Politiken" decken sich angegebene und tatsächliche Standorte von Mobilfunkmasten in der Nähe von Korsør zum Teil nicht. Dies könnte die Ermittlungen im Mordfall Emilie Meng beeinträchtigt haben. Emilie Meng wurde im Sommer 2016 ermordet. Der Täter ist nicht gefasst. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Der Mord an Emilie Meng ist nach drei Jahren immer noch nicht aufgeklärt. Laut der Zeitung „Politiken“ könnten fehlerhafte und unpräzise Telekommunikationsdaten dazu beigetragen haben.

Nachdem der Skandal um fehlerhafte Telekommunikationsdaten publik wurde, hat nun die Zeitung „Politiken“ selbst öffentlich zugängliche Daten sowohl von Mobilfunkmasten in der Nähe des Bahnhofs in Korsør untersucht als auch die Positionen von Masten in der Nähe von Borup, wo die Leiche des Mädchens Emilie Meng ein halbes Jahr nach dem Verschwinden im Sommer 2016 gefunden wurde.

Die 17-jährige Emilie Meng verabschiedet sich am 10. Juli 2016 um vier Uhr morgens am Bahnhof von Korsør auf Westseeland von ihren Freunden. Vom Bahnhof aus will sie die zwei Kilometer zu ihrem Elternhaus zu Fuß gehen, doch kommt sie dort nie an. Ein halbes Jahr später wird ihre Leiche in einem See bei Borup ­– rund 60 Kilometer östlich von Korsør gefunden.

Der Zeitung zufolge weichen die angegebenen Adressen der Masten in mindestens 42 Fällen mehr als 200 Meter von den tatsächlichen Standorten ab. In zehn Fällen sind es sogar mehr als 500 Meter. So hat ein Mast seinen tatsächlichen Standort in Hvidovre, die angegebenen Koordinaten lassen ihn aber in Slagelse stehen – 83 Kilometer entfernt. Ein anderer potenziell für die Ermittlungen wichtiger Mast am Osttunneleingang der Brücke über den Großen Belt bekam eine Adresse, die 1,2 Kilometer entfernt vom tatsächlichen Standort liegt.

Datenanalytiker Torben Rune, dessen Expertise in Strafsachen gefragt ist, sagte der Zeitung: „Die Mobilfunkmasten, deren Position falsch oder ungenau erfasst sind, liegen leider sehr dicht am Tatort und an der Route, die der Täter möglicherweise genommen hat. Im Hinblick auf die Ermittlungen ist dies meiner Meinung nach von Bedeutung und kann schlimme Konsequenzen nach sich ziehen.“

Es gab noch eine weitere Panne im Mordfall Emilie Meng: Im November 2018 kamen Datenanalysten bei einem außerordentlichen Durchgang durch die Mobilfunkdaten zu dem Schluss, dass es ein Datenloch von einer Stunde gab.

In einer Stellungnahme teilte die Reichspolizei nun mit, dass sie verschwundene Rohdaten im Mordfall Emilie Meng wiedergefunden hat. Diese Daten will die Polizei nun noch einmal analysieren. Zu den Ermittlungen will die Polizei nichts preisgeben, um diese nicht zu gefährden.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Einseitige Grenzöffnung“