Leitartikel

„Papes Schattenspiele“

Papes Schattenspiele

Papes Schattenspiele

Kopenhagen/København
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Die Konservativen strotzen nur so von Selbstvertrauen. Søren Pape Poulsen ist nicht nur aus dem Schatten von Venstre, sondern auch über den eigenen Schatten gesprungen. Der Parteiboss der Konservativen spielt gerade seine Karten optimal, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die dänische Politik hat es in sich. Von einer Sommerpause oder gar einem Sommerloch kann nicht die Rede sein, denn Positionskämpfe sind angesagt.

Die Veganerpartei und die Christdemokraten haben ihre Wählererklärungen beisammen, um bei der nächsten Folketingswahl zu kandidieren. SF schlägt vor, Dieselautos bereits ab 2022 aus dem Verkehr zu ziehen. Alle Parteien wollen eine Erklärung zum Lockdown von Mette Frederiksen. Und diese Woche schließlich der vorläufige Höhepunkt in der krisengebeutelten Dänischen Volkspartei, als Søren Espersen sich und seine Stelle in der DF-Führung opfern musste, um Platz für die parteiinternen Kritiker zu machen: Morten Messerschmidt wurde neuer zweiter Vorsitzender.

Doch mehr als Messerschmidt mausert sich Søren Pape Poulsen von den Konservativen immer mehr zur starken Figur der Opposition. Seine Konservativen sind zwar viel kleiner als Venstre, aber der K-Parteiboss schlägt sich besser als Venstres Jakob Ellemann-Jensen, der immer mehr verblasst, und auch den Sommer nicht genutzt hat, um sich ins Rampenlicht zu rücken.

Zumindest ist ihm Søren Pape Poulsen zuvorgekommen und das nicht in einem üblichen lockeren Sommer-Interview, sondern mit einem knallharten Verhandlungsangebot an die Regierung. Das zeichnet einen Parteivorsitzenden mit Selbstvertrauen aus.

Poulsen bietet Regierungschefin Mette Frederiksen an, endlich ihr größtes Wahlversprechen einzulösen. Natürlich hat dies einen hohen Preis – die Konservativen verlangen Steuererleichterungen – aber für die Sozialdemokraten ist dies ein einmaliges (und unerwartetes) Angebot. Deshalb könnte es zu einer neuen Allianz kommen.

Für Søren Pape Poulsen zählt in diesem Fall nicht nur der aktuelle politische Erfolg (wenn es ihm denn gelingen sollte, eine Absprache zu machen). Es geht ihm auch darum, sich und seine Partei als eigenständig und handlungsfähig zu positionieren und nicht als das kleine Brüderlein, das nur artig dem großen Bruder Venstre folgt.

Der Traum der Konservativen ist natürlich eine zweite Schlüter-Ära. Der in Tondern geborene Poul Schlüter war von 1982 bis 1993 zehn Jahre lang ununterbrochen Staatsminister. Objektiv betrachtet ist eine Wiederholung derzeit unrealistisch, aber jeder Spitzenpolitiker träumt von der ultimativen Macht im Staatsministerium, so auch Søren Pape Poulsen.

Zunächst ist es den Konservativen gelungen, über den eigenen Schatten zu springen und nun auch aus dem Schattendasein hinter Venstre. Das sind schon zwei große Sprünge von Pape und Co.

Die Konservativen strahlen Ruhe, Entschlossenheit und Einigkeit aus. In einer Zeit, in der es bei vielen anderen Parteien im Folketing mehr Trubel als Jubel gibt, ist das die Chance für Søren Pape Poulsen und seine Partei.

Genau das haben die Konservativen besser erkannt als andere. Deshalb steht Pape derzeit als der starke Mann im bürgerlichen Lager da – und überschattet sowohl Jakob Ellemann-Jensen als auch Kristian Thulesen Dahl.

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