Verteidigungsminister

Claus Hjort: Bereit zu mehr Verantwortung mit Deutschland

DN
Kopenhagen
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Claus Hjort Frederiksen
Claus Hjort Frederiksen und Siegfried Matlok. Foto: DK4

Der Verteidigungsminister sagt im DK4-Interview: „Das Gerede über Europa-Armee ist für mich Gift.“

Verteidigungsminister Claus Hjort Frederiksen hat in einem Fernseh-Interview auf DK4 die wichtige Rolle Deutschlands in der Aussen-und Sicherheitspolitik auch für Dänemark unterstrichen und – aus seiner Zeit als Finanzminister u.a im EU-Kreis mit seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble – besonders hervorgehoben,“ dass Deutschland verdienstvoll alles tue, „um den Laden zusammenzuhalten“. Und auch wenn es zwischen den beiden Ländern mal unterschiedliche Auffassungen in Einzelfragen geben kann, „so stimmen wir gedanklich in meisten Anliegen doch sehr überein“.

In der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok” sprach sich der Verteidigungsminister dafür aus, dass Deutschland künftig „gemeinsam mit Frankreich aber auch mit uns mehr Verantwortung übernimmt“. Der Venstre-Minister befürwortet dabei auch wieder eine engere territoriale Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. Dänemark sei nach der Wiedervereinigung Deutschlands kein Frontstaat mehr, aber die Annektion der Krim durch Putin habe gelehrt, dass in beiden Ländern wieder mehr auf die territoriale Verteidigung gesetzt werden muss. In diesem Zusammenhang verwies der Minister auf die deutschen und dänischen Soldaten, die nun im Baltikum als schnelle Eingreiftruppe bereitgestellt worden sind. Auch wenn diese 4.000-5.000 Mann den Russen konventionell deutlich unterlegen sind, so werde dadurch von der Nato ein Stopp–Signal gesendet, wobei der atomare Eckpfeiler USA für Dänemark weiterhin unverzichtbar ist.

Besorgt zeigte sich Claus Hjort auch in Verbindung mit den neuen eisfreien Passagen in der Arktis. Russland versuche, die dadurch entstandene Flanke defensiv zu schliessen, aber es gebe leider auch offensive russische Elemente, die einen raschen Angriff zum Beispiel auf den Thule-Stützpunkt in Grönland nicht ausschliessen. „Wir dürfen naiv sein“, warnte der Minister.

Eindeutig wandte sich Claus Hjort gegen die neuen deutsch-französischen Pläne für eine Europa-Armee. Er habe sowohl der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen als auch seinem französischen Kollegen erklärt, dass es sich dabei „um eine schädliche Rhetorik“ handelt. Nun taucht wieder das Gespenst einer EU-Armee auf, die 1972 bei der dänischen Volksabstimmung über den EWG-Beitritt diskutiert wurde und damals wurde befürchtet, dass Dänemark durch Deutschland und Frankreich in einen Krieg hineingezogen werden könne. Diese Vorschläge seien „Gift für die innerdänische Diskussion – auch für mich, weil ich mich gerade um eine Abschaffung des dänischen Verteidigungsvorbehalts in der EU bemühe“, meinte der Minister Er habe allerdings auch erhebliche Zweifel daran, ernsthaft zu glauben, dass die Franzosen ihren Atomschlüssel in Brüssel abgeben oder dass die Deutschen etwa auf die Hoheit über die Bundeswehr verzichten werden.

In dem Interview, das DK4 am Montagabend ausstrahlt, geht es aber auch um seine privaten Erfahrungen mit Deutschland, die weit zurückliegen. Auch um die kommunistische Zeit in der DDR, wo er mit seiner aus Schweden stammenden Frau ostdeutsche Freunde kennenlernte, Horst und Heike. Hjort berichtet, wie er vertrauliche Gespräche mit ihnen im Wald führen musste, um sich vor der Stasi zu schützen.

Auch eine Fleischmann-Lokomotive in seiner Kindheit und der Wildschweinezaun aus der Sicht eines Verteidigungsministers sind Themen im Interview mit Claus Hjort.

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