Umfrage

DF verliert an Boden – Sozialdemokraten legen zu

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Kristian Thulesen Dahl
Kristian Thulesen Dahl, hier vor dem Folkehjem in Apenrade, hat derzeit mit seiner Dänischen Volkspartei deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Foto: Cornelius von Tiedemann

Der Trend in den Meinungsumfragen verfestigt sich: Die Dänische Volkspartei (DF) verliert immer mehr Zustimmung in der Bevölkerung. Die Sozialliberale Radikale Venstre will derweil bei einem wahrscheinlicher werdenden Machtwechsel den Einfluss der Rechten minimieren.

54,8 Prozent der Wähler würden sich derzeit für eine Partei aus dem ehemaligen „roten Block“ entscheiden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Voxmeter. Damit wäre der Weg zur Macht für die Vorsitzende der Sozialdemokraten, Mette Frederiksen, geebnet. Könnte man meinen.

Doch die Konstellation bleibt kompliziert. Die Sozialdemokraten legen gegenüber der Wahl von 2015 um 2,3 Prozentpunkte auf 28,6 Prozent der Stimmen zu. Doch noch mehr neue Stimmen ziehen die Sozialliberalen von der Radikale Venstre, die 2,6 Prozentpunkte zulegen. Auch die Linksaußen von der Einheitsliste steigern sich, um 1,2 Prozent.

Will Frederiksen also künftig eine Regierung anführen, bekommt sie es mit selbstbewussten potenziellen Verhandlungspartnern zu tun. Das macht Radikalen-Vize Sofie Carsten Nielsen deutlich: „Natürlich wollen wir Einfluss haben. Und das gilt auch für die Ausländerpolitik.“ Ein Gebiet, auf dem sich die Sozialdemokraten unter Mette Frederiksen stark der rechten Dänischen Volkspartei angenähert haben.

Wählerwanderung hin zu und weg von den Sozialdemokraten

Politikprofessor Kasper Møller Hansen von der Uni Kopenhagen erklärt das Phänomen, dass sowohl die nach rechts driftenden Sozialdemokraten als auch die linken Parteien derzeit Zuwächse verzeichnen damit, dass viele Wähler über die Mitte zurück zu den Sozialdemokraten kehren, diese aber zugleich Wähler an die Sozialliberalen und die linken Parteien abgeben – eben wegen des Kurses in der Ausländerpolitik.

Auch der Vorschlag, das Renteneintrittsalter von der Anzahl der Jahre auf dem Arbeitsmarkt abhängig zu machen, habe Stimmen gebracht, meint er. Doch auch hier sind die Radikalen anderer Meinung als die Sozialdemokraten: „Wir unterstützen es, dass es für die, die verbraucht sind, deutlich bessere Regelungen geben muss. Aber wir sind nicht dafür, ein Recht für uns alle, die gesund sind, einzuführen. Dann können wir uns Investitionen in Kinder, Ausbildung und grüne Umstellung nicht mehr leisten“, sagt sie.

Links der Sozialdemokraten haben Volkssozialisten (SF) und Einheitsliste (EL) ihre Zustimmung zu dem Vorhaben bekundet. Auch die Dänische Volkspartei sieht die Idee positiv, stellt jedoch die Finanzierbarkeit infrage.

Die Regierungsbildung spätestens nach dem 17. Juni, wenn der letzte mögliche Termin für die kommende Wahl ist, wird also nicht leicht – und selbst, wenn die Sozialdemokraten eine Alleinregierung in der Minderheit anstreben sollten, werden sie – Stand jetzt – für Mehrheiten kämpfen müssen. Zumal, weil von den 54,8 Prozent, die für eine „rote“ Partei stimmen wollen, 4,3 Prozent an die Alternative gehen – eine Partei, die ihren eigenen Kandidaten für die Regierungsspitze aufstellt und die die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten auf vielen Gebieten noch kritischer sieht als es die Radikalen tun.

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