Wirtschaft

Dänemark ist Pionier beim Bio-Lachs

Dänemark ist Pionier beim Bio-Lachs

Dänemark ist Pionier beim Bio-Lachs

cvt/Ritzau
Hvide Sande
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Thue Holm
Ein dänischer Lachszucht-Pionier: Thue Holm. Foto: Scanpix

Zuchtfisch statt wilder Fisch – das ist ein weltweiter Trend. Das kleine Dänemark ist bei der umweltschonenden Fischproduktion ein globaler Vorreiter.

Zuchtfisch statt wilder Fisch – das ist ein weltweiter Trend. Das kleine Dänemark ist bei der umweltschonenden Fischproduktion ein globaler Vorreiter.

Ob in der Pfanne oder im Sushi – Zuchtfisch wird in Kürze den wild gefangenen Fisch überholen. Und das weltweit. Der Markt explodiert – und die traditionsreiche Aquakultur-Nation Dänemark macht sich bereit. Erst kürzlich hat das Folketing in Kopenhagen den Weg für mehr Fischzuchtanlagen an den dänischen Küsten geebnet. Die betroffenen Kommunen allerdings sind darüber wenig erfreut – sie wollen die Stickstoffausstöße und die Reste pharmazeutischer Nahrungszusätze nicht an ihren Stränden haben.

Dass es auch anders, auch umweltschonend geht, zeigt eine Handvoll dänischer Pioniere, die an neuen Wegen für die Fischzucht zu Lande arbeiten. Durch die Teichwirtschaft verbreiten sich die Abfallprodukte nicht im Meer, sondern können in geschlossenen Wassersystemen gereinigt werden. Die dänischen Ingenieure, die an der Zucht von Meeresfischen zu Lande arbeiten, sind weltweit gefragt. Das Potenzial wird von Beobachtern bereits mit dem der einst florierenden dänischen Windkraftbranche gleichgesetzt.

Lachs für den Export in die USA aus Hvide Sande

Der Ort Hvide Sande an der Westküste Jütlands ist in Deutschland vor allem als Fischer- und Ferienort bekannt – inmitten der Dünenlandschaft auf der Nehrung Holmsland Klit. Doch aus der manchem verträumt scheinenden Fischerstadt werden heute rund 800 Tonnen Lachs in die ganze Welt exportiert – vor allem in die USA. Dort gibt es einen riesigen Absatzmarkt für Zuchtlachs, der umweltschonend und ohne Medikamente von Langsand Laks produziert wird.

60 Millionen Kronen werden jetzt in die Anlagen gesteckt, damit im kommenden Jahr ganze 2.000 Tonnen Lachs produziert werden können. Zugleich ist der Unternehmensgründer Thue Holm als Geschäftsführer von Atlantic Sapphire gerade dabei, eine zehn Mal größere Anlage in Florida aufzubauen, die 1,2 Milliarden Kronen kostet.

2011 hatte Holm Langsand Laks gestartet, erst in diesem Jahr wird der erste Gewinn erwartet. „Wir sind noch am Anfang der Salzwasser-Fischzucht zu Lande. Es gibt weltweit nur sehr wenige Anlagen wie unsere, die das Wasser der Fische rezirkulieren und die so großen Lachs an Land produzieren können“, sagt er. „Aber wir glauben, dass ein großer Teil des Wachstums am Markt in der Zukunft von Anlagen wie dieser kommen wird", so Holm.

Im Gegensatz zu anderen Formen der Fischzucht werden Bakterien in diesem System nicht mit Medikamenten bekämpft – sondern mit UV-Licht und Filtern. So wird auch gefürchtete Parasit Lakselus bekämpft, der den Lachszuchten im Meer häufig viel Geld kostet. „Wir produzieren komplett ohne Parasiten, Lakselus oder Haenwürmer, müssen dien Fisch nicht einfrieren und sind medizinfrei“, sagt Holm. Außerdem sind seine Lachse fettärmer – weil sie ständig gegen eine konstante Strömung in den Tanks anschwimmen.

Langsand Laks
Langsand Laks in Hvide Sande. Foto: Scanpix

Salzwasserfisch an Land – Zukunft oder Nische?

Während Holm von seiner Idee und ihrer Zukunft überzeugt ist, gibt sich der dänische Aquakulturverband zurückhaltender. Brian Thomsen, Chef von Dansk Akvakultur: „Wir sehen großes Potenzial aber nur als Ergänzung und gewiss nicht als Ersatz für die bestehende Meereszucht."

Es gebe, meint er, noch zu viele technische und wirtschaftliche Kinderkrankheiten bei der Salzwasserzucht an Land. Das werde sich in absehbarer Zeit nur bei teuren Fischen wie Lachs, Königsfische und Zander lohnen.

Anders sieht es Lars Brinch Thygesen, der Umweltberater beim dänischen Sportfischerbund ist. Der Verband setzt sich gegen mehr maritime Fischzucht ein und sieht große Chancen für die Fischzucht zu Lande. „Natürlich gibt es bei neuen Technologien Herausforderungen. Aber es wurden schon große Fortschritte gemacht und das Folketing sollte diesen Weg mitebenen", sagt er

Auch Christoph Mathiesen von der Umweltschutzorganisation WWF in Dänemark sieht das so. Man könne nicht wieder zu den veralteten, verschmutzenden Meeresanlagen zurückkehren, wenn sich solche Möglichkeiten auftun, sagt er.

Die norwegische Discounterkette Rema1000 hat unterdessen bereits damit begonnen, nachhaltig gezüchteten Lachs aus Dänemark in den dänischen Supermärkten anzubieten. „Wir glauben, dass das hier der Lachs der Zukunft ist. Wir hoffen, dazu beitragen zu können, die Nachfrage zu steiegern und den Preis somit zu senken, wie es ja bei Bio-Produkten auch der Fall war“, sagt Abteilungsleiter Jonas Garly Sørensen.

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Kerrin Jens
Kerrin Jens Hauptredaktion
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