Deutschlandtag in Kopenhagen

Region Schleswig mit dem „kleinen Unterschied“

Region Schleswig mit dem „kleinen Unterschied“

Region Schleswig mit dem „kleinen Unterschied“

Der Nordschleswiger
Kopenhagen
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„Tyskklandsdag“ bei Gyldendal unter der Leitung von Gyldendal-Redakteur Mikkel Hybel Fønsskov auch in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut, das 2021 sein 60-jähriges Bestehen feiern kann. Über ein mangelndes Interesse an Deutschland am Tag vor der Bundestagswahl brauchten sich die Veranstalter in Kopenhagen jedenfalls keine Sorgen zu machen. Foto: privat

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„Tysklandsdag“ in Kopenhagen diskutierte auch Grenzland-Fragen.

Im berühmten Innenhof von Gyldendal in Kopenhagen hat der Verlag Gyldendal in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kopenhagen und der deutschen Botschaft einen gut besuchten „Tysklandsdag“ am Tage vor der heutigen Bundestagswahl durchgeführt und dabei auch Fragen des deutsch-dänischen Grenzlandes diskutiert. Der frühere Chefredakteur Siegfried Matlok sprach sich für eine „Region Schleswig mit dem kleinen Unterschied“ als Zukunftsvision für das deutsch-dänische Grenzland aus.

In der Diskussion mit dem Historiker, Professor Nils Arne Sørensen von der SDU in Odense, wies Matlok einleitend darauf hin, dass die deutsche Minderheit – trotz eigener Fehler und Rückschlägen – die 100 Jahre letztlich gut überstanden habe, obwohl führende Dänen 1920 durch eine sogenannte liberale Aufsaugungspolitik den Tod der deutschen Minderheit herbeiwünschten. Die deutsche Minderheit präsentiere sich heute in „bester Form“ und sei überall anerkannt, wie es nicht zuletzt durch die Worte von Königin Margrethe bei den jüngsten Feierlichkeiten zum Ausdruck gebracht wurde, wobei die Königin auch zurecht auf die unterschiedliche Gefühlswelt und Ausgangsposition nach den Volksabstimmungen hingewiesen hatte.

Der Redner stellte fest, dass in diesen Zeiten, wo in anderen Grenzgebieten nationale Ängste und Konflikte zu beobachten sind, beide Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland ihre nationalen Haltungen, die einst zu schwersten Gegensätzen zwischen Deutschen und Dänen geführt hätten, zurückgedrängt haben zugunsten einer stark pro-europäisch grenzüberschreitenden Grundhaltung. 1920 gab es eine Trennung zwischen beiden Ländern, aber zugleich wurde auch das historische Herzogtum Schleswig als Heimat-Identifikation für beide Seiten getrennt, aber er spüre zurzeit eine schleswigsche Trendwende hin zu einer gemeinsamen Region Schleswig, wobei allerdings – so Matloks Hoffnung – „der kleine Unterschied nicht verwischt werden sollte“. Dabei gehe es nicht um alte/neue Gegensätze, sondern um eine Bereicherung von Kultur und Sprachen zum Wohle des gesamten Grenzlandes. Früher seien beide Minderheiten oft geostrategische, machtpolitische Spielbälle nationaler Interessen beider Länder gewesen, nun hätten beide Minderheiten auch nach 100 Jahren die wichtige Funktion, die deutsch-dänische Zusammenarbeit zu fördern und zu festigen, ohne ihre Eigenart aufgeben zu müssen.

Das sei auch künftig ein „Gewinn für alle Seiten“, so Siegfried Matlok in Kopenhagen.

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