Postkrise

Riesige Warenlager sollen Postnord retten

Riesige Warenlager sollen Postnord retten

Riesige Warenlager sollen Postnord retten

Kopenhagen
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Foto: Scanpix

Der angeschlagene dänische Teil des dänisch-schwedischen Konzerns will mit dem Betrieb von Warenlagern für andere Unternehmen sein Überleben sichern. Konkurrenten fürchten eine Verzerrung des Wettbewerbs.

Der angeschlagene dänisch-schwedische Staatskonzern Postnord will zukünftig stärker auf den Betrieb von Warenlagern für Drittunternehmen setzen. Dies sieht ein neuer Rettungsplan vor, der der Tageszeitung Politiken vorliegt. Auf diese Weise soll insbesondere der insolvenzgefährdete dänische Teil des Postunternehmen zu einem profitablen Logistikkonzern werden.

„Logistik ist der Sektor, in dem unsere Zukunft liegt“, sagt Carsten Dalbo, Vorstand für Logistik und E-Commerce bei Postnord Dänemark, zu Politiken.

In Schweden gibt es solche Warenlager bereits. Im Postnord-Lager im schwedischen Helsingborg werden unter anderem circa 840.000 Paar Schuhe aufbewahrt. Diese stammen vom Onlineversand Footway, der den Betrieb seines Lagers an Postnord abgegeben hat. Neben dem Lagerbetrieb übernimmt Postnord auch die Qualitätskontrolle und das Fotografieren der Waren für den Webshop von Footway.

Mit der Zunahme des Internethandels ist auch das Lagergeschäft von Postnord gewachsen. 2016 stieg der Umsatz um 35 Prozent auf 1,5 Milliarden Kronen. Bislang hatte der Fokus auf dem schwedischen Markt gelegen. Am Mittwoch war nun Richtfest für eine 31.500 Quadratmeter große Lagerhalle sowie ein 25.000 Quadratmeter großes Paketterminal in Køge auf Seeland.

"Es besteht die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung"

Der Plan, das Verlustgeschäft der Briefzustellung durch den Betrieb riesiger Warenlager zu ergänzen, stößt beim Branchenverband "DTL Danske Vognmænd" nicht auf Begeisterung: „Es besteht die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung, wenn private Unternehmen gegen Staatskonzerne ankämpfen müssen“, sagte Geschäftsführer Erik Østergaard zu der Nachrichtenagentur Ritzau. „Es geht darum, dass ein im Wettbewerb stehendes Unternehmen langfristig nicht in Staatshand bleiben darf.“

Østergaard traf sich nach eigenen Angaben am Donnerstag mit dem Kabinett der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, das ihm versprach, die Angelegenheit weiterzuverfolgen, damit „die Wettbewerbsregeln der EU eingehalten werden“.

Transportminister Ole Birk Olesen (Liberale Allianz) sagte zu Politiken, dass es derzeit darum ginge, die Probleme eines ”notleidenden” Konzerns zu lösen, der mit dem Geld der Steuerzahler wirtschafte. Auf längere Sicht dürfe der Staat jedoch nicht als Wettbewerber tätig sein, sagte Birk Olesen.

Die Sozialdemokraten haben laut ihres Postexperten Christian Rabjerg Madsen nichts dagegen, dass Postnord als Wettbewerber auf dem Logistikmarkt agiert. „Postnord ist keine staatliche Institution, sondern ein gewöhnliches Unternehmen, das sich lediglich in Staatshand befindet. Daher darf es auch am Markt tätig sein. Entscheidend ist aber, dass dies nicht unter wettbewerbsverzerrenden Bedingungen geschieht, sagte Rabjerg Madsen zu Politiken.

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