Tourismuskonzept Schleiregion

Was Urlauber nach Corona erwarten dürfen

Was Urlauber nach Corona erwarten dürfen

Was Urlauber nach Corona erwarten dürfen

Gero Trittmaack/shz.de
Schleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Raps und Schlei
Raps, Schlei und maritimes Flair stehen sinnbildlich für den Urlaub der Region. Foto: Martin Jahr

Pro Jahr zählt die Schleiregion rund 3,3 Übernachtungen. Für die Zukunft setzen die Touristiker weiter auf Naturidylle.

Irgendwann wird die Corona-Krise einmal vorbei sein – und auf diese Zeit bereitet sich die Tourismusorganisation Ostseefjord Schlei schon jetzt vor. Grundlage der Überlegungen ist ein Tourismus-Entwicklungskonzept mit dem Titel „Was wir den Gästen in der Schleiregion zukünftig bieten können“.

Eingeladen zu der digitalen Vorstellungsrunde hatten die Schleswiger Wirtschaftsjunioren, die ein gutes Gespür gezeigt haben. Denn eigentlich hätte das Konzept schon längst die Runde durch die gemeindlichen Gremien gemacht haben sollen. Da dies in der Pandemie allerdings nicht möglich war, kamen die Wirtschaftsjunioren zu einer öffentlichen Premiere.

OFS-Geschäftsführer Max Triphaus begann seinen Vortrag mit einer Bestandsaufnahme: 75 beteiligte Kommunen, 3,3 Millionen Übernachtungen pro Jahr und 3,5 Millionen Tagesgäste zählt die Schleiregion. Die größte Wachstumsregion ist Kappeln durch Olpenitz, mehr als die Hälfte der Gäste kommen in den Monaten Juni, Juli und August.

Die Stärken ausbauen und an den Schwächen arbeiten

Zu den Stärken gehören die Natur, Ostsee, Schlei, maritimes Flair, das Welterbe, regionale Speisen und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das sind starke Argumente, aber auch die Schwächen der Region sind nicht außer Acht zu lassen. Auf der Liste stehen Leerstand, die Ankommensorte (unter anderem der Schleswiger Bahnhof), zum Teil veraltete Unterkünfte, die Wegequalität, die Angebots-Verknüpfung und mehr.

Im Zentrum steht immer das Naturerlebnis

Aus der Analyse der Stärken und Schwächen, so Triphaus, ergeben sich Ziele und letztlich konkrete Maßnahmen. Im Zentrum der Marke Schlei aber steht, und daran wird sich nichts ändern, die Naturidylle. Die drei Säulen Naturerlebnis, maritimes Erlebnis und regionale Identität tragen diese Naturidylle und sollen durch besondere Angebote gestützt werden.

Wir wollen keine Disney-World werden, sondern echte Erlebnisse bieten.
Max Triphaus, Geschäftsführer der Ostseeford Schlei GmbH

„Es geht uns nicht darum, die Übernachtungszahlen in unendliche Höhen zu treiben, sondern unsere Stärken auszubauen und an unseren Schwächen zu arbeiten“, sagte Triphaus. Das Welterbe besser sichtbar machen, zusammen mit den Kommunen die Wege verbessern, Freizeitangebote verknüpfen, die Qualität der Buchungen erhöhen, verstärkt mit der Nachhaltigkeit werben – das alles sind kleine Stellschrauben, an denen es zu drehen gilt.

Qualität statt Quantität

Triphaus will auf keinen Fall Massentourismus, das würde allem widersprechen, was die Schleiregion ausmacht. „In Schleswig könnte ich mir zwei neue Hotels vorstellen, an der Ostsee aber auf keinen Fall. Wir wollen keine Disney-World werden, sondern echte Erlebnisse bieten.“ Angesprochen werden sollen Gäste jenseits der 65, Familien mit Kindern und verstärkt auch „aktive Genießer ab 40“.

Weiterlesen: Die alte Kreisbahntrasse soll für Radfahrer attraktiver werden

Auf der Liste der Ostseefjord Schlei stehen schon viele Schlüsselprojekte, die dazu beitragen sollen, die Ziele zu erreichen: der Ausbau des Radwegs auf der alten Kreisbahntrasse zwischen Süderbrarup und Schleswig, Konzepte für die Hafenpromenaden in Kappeln und für die Infrastruktur der Angelner Dampfeisenbahn und die Realisierung eines innovativen Naturparkzentrums in Lindaunis sind nur einige Beispiele.

Angelner Dampfeisenbahn
Die Infrastruktur der Angelner Dampfeisenbahn steht zur Diskussion. Foto: Hans-Joachim Köhler

Aber es geht auch um die Organisation des Tourismus. Da stehen unter anderem die Entwicklung einer digitalen Gästecard in Verbindung mit einer App und der Tourist-Information Kappeln zu einem Service- und Erlebniszentrum auf dem Programm. Solch kostspielige Pläne können derzeit aber noch nicht finanziert werden, erklärte Triphaus. Darum lautet der letzte und bestimmt nicht unwichtigste Punkt auf Liste der Schlüsselprojekte: Weiterentwicklung der Tourismusfinanzierung. Es wird auch nach dem Ende der erfolgreichen Modellregion Schlei noch genügend zu tun geben für die Ostseefjord Schlei GmbH.

Mehr lesen