Lockdown und Distanzunterricht

Wenn das Kind nicht mehr in die Schule will

Wenn das Kind nicht mehr in die Schule will

Wenn das Kind nicht mehr in die Schule will

Husumer Nachrichten/shz.de
Nordfriesland
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Keine Freunde, keine Freizeitaktivitäten, was bleibt ist das Handy. Dabei wird die Nacht schnell zum Tag, Kinder und Jugendliche distanzieren sich von der realen Welt und wollen am Ende nicht mehr in den Präsenzunterricht. Die Elternschule Nordfriesland bietet Hilfe an. Foto: Imago Images/Ute Grabowsky/photothek.net

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Lockdown, Distanzunterricht, keine Freizeitmöglichkeiten – unter den Corona-Maßnahmen haben Kinder und Jugendliche besonders gelitten. Bei einigen zeigen sich Langzeitfolgen: Sie fassen schwerer wieder Tritt im Alltag.

Mehr Schulvermeidung nach Distanzunterricht: Experten gehen davon aus, dass die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die das betrifft, im vergangenen Jahr zugenommen hat. Wegen Distanzunterricht und Dauerlockdown seien zum Teil Langzeitfolgen entstanden, Kinder und Jugendliche hätten Ängste und haben es schwer, wieder in den Alltag zurückzukehren, erklärt Anja Pape, die zusammen mit Christof Pankratz-Falk ab Mitte Juli einen Coachingkurs für Eltern von Kindern, die die Schule verweigern, leiten wird.

Wenn die Nacht zum Tag wird

Bei vielen gehe dies einher mit zu hohem Medienkonsum und einer kompletten Tag-Nacht-Umkehr: „Die Kinder und Jugendlichen sind nachts wach und schlagen tagsüber, oft weigern sie sich, komplett aus dem Haus zu gehen“, erklärt Pape. Für die Eltern ein Problem, denn, wenn diese versuchen, ihre Kinder dazu zu bringen, aus dem Haus zu gehen, komme es zu Konflikten und Streit.

Die Elternschule des Kreises Nordfriesland bietet für Eltern in dieser Lage ab Mitte Juli ein Elterncoaching an. Claudia Rahn, Leiterin der Elternschule Nordfriesland, meint dazu: „Wir reagieren damit auf die vermehrten Anfragen aus Schule und Jugendhilfe bezüglich Schulabsentismus. Das Konzept des Kurses orientiert sich an dem Ansatz Elterncoaching Neue Autorität, der erfolgreich eingesetzt wird, um Eltern in solch schwierigen Situationen, in denen sie oft hilflos und ohnmächtig vor dem Verhalten ihrer Kinder stehen, zu unterstützen.“

Das Konzept der Neuen Autorität

Die Kursleiter sind überzeugt vom neuen Konzept für das Elterncoaching: „Das Konzept der Neuen Autorität wurde von dem israelischen Psychologen Haim Omer entwickelt. Es basiert auf unterschiedlichen Säulen, mit denen Eltern in ihrer Rolle gestärkt werden. Dazu gehören unter anderem Methoden, die helfen, Konflikte ruhig anzugehen und zu deeskalieren, gewaltfreien Widerstand zu leisten, sich Unterstützer zu suchen und immer auch in den schwierigsten Lagen in enger Beziehung zum Kind oder Jugendlichen zu bleiben“, so Anja Pape.

Christof Pankratz-Falk ergänzt dazu: „Insgesamt hat der Ansatz sieben Säulen, die in den einzelnen Kurseinheiten den Eltern vermittelt werden. Zwischen den Terminen können die Eltern das neu Gelernte ausprobieren und sich dann mit uns und den Teilnehmern und Teilnehmerinnen über die Erfahrungen austauschen.“

Kurs startet in den Sommerferien

Anja Pape erklärt, warum der Kurs in den Sommerferien beginnt: „So haben die Eltern Gelegenheit, entspannt zu starten und sich auf die Schulzeit vorzubereiten. Die Erfahrungen zeigen, dass Eltern, die mit diesem Coaching gestärkt werden, sich weniger hilflos fühlen. Sie wissen, was sie tun können, um ihrem Kind zu helfen. Oft führt allein dies zu Veränderungen im Verhalten des Kindes.“

Der Kurs beginnt am 13. Juli um 19 Uhr im Familienbildungszentrum in Husum. Interessierte können sich bei der Elternschule Nordfriesland erkundigen oder direkt anmelden unter: 04861/6101718, Email: elternschulenf@kompass-nf.de.

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