Carlshütte Büdelsdorf

21. NordArt eröffnet: Werke aus 100 Ländern

21. NordArt eröffnet: Werke aus 100 Ländern

21. NordArt eröffnet: Werke aus 100 Ländern

Matthias Hoenig, dpa
Büdelsdorf
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„Wut in Bewegung" nennt die chinesische Künstlerin Xiang Jing ihre Plastik. Foto: Carsten Rehder, dpa

Eröffnung am Sonnabend: Etwa 1000 Kunstwerke von 350 Künstlern aus aller Welt werden bei der NordArt gezeigt. Frankreich präsentiert den Länder-Pavillon.

„Noahs Garten“ des chinesischen Künstlers Deng Guoyan ist eine faszinierende Herausforderung für Besucher der 21. NordArt. In dem Labyrinth aus 3000 Spiegelplatten mit drehenden Türen und unzähligen reflektierenden Lichtern droht der Betrachter die Orientierung und das Gleichgewicht zu verlieren.

Kunstpflanzen in Popfarben schaffen eine künstliche Eigenwelt – „eine Enklave von artifizieller paradiesischer Schönheit“, heißt es im Katalog. Wer den Ausgang des 11,60 Meter langen und 6,30 Meter breiten Irrgartens erreicht, dürfte aber auch froh sein, in die Realität zurückgefunden zu haben.

Das erstmals auf der Singapur Biennale 2016 gezeigte Spiegel-Kabinett mit rotierender Mittelachse ist nur eines von rund 1000 Kunstwerken auf der NordArt. In der Carlshütte, einer ehemaligen Gießerei in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) öffnet am Samstag die Kunstschau mit Gegenwartskunst aus mehr als 100 Ländern (bis 13. Oktober). Frankreich hat den Länderpavillon gestaltet.

„Seidenstraße der Gegenwartskunst“

Künstler aus China, der Mongolei und Tschechien bilden weitere Schwerpunkte, ebenso die vor 30 Jahren entstandene Gruppe „Norddeutsche Realisten“.

Kurator Wolfgang Gramm spricht gern von einer Seidenstraße der Gegenwartskunst – eine Anspielung auf seine guten Kontakte zu China.

Er möchte Kunst möglichst aus allen Ländern zeigen, die theoretisch zu Fuß erreichbar sind. „Wir haben aber natürlich auch Kunstwerke aus den USA oder England“, betont Co-Kuratorin Inga Aru.

Welche Trends zeigen sich? Die Kuratoren nehmen verstärkt „grüne Themen“ war. So gibt es als Kunstwerk auf einer schiefen Ebene ein versinkendes Museum, Gemälde zeigen Menschen unter Wasser im Müll.

Originell sind Häkel-Strick-Menschen-Skulpturen der Finnin Liisa Hietanen. Aber auch interaktive Kunstwerke wie „Noahs Garten“ oder eine Kamera, die die etwas verschwommene Qualität der Sehkraft von Schmetterlingen hat und vom österreichischen Künstler Michael Bachhofer entwickelt wurde, gehören dazu. Besucher können sich mit der Kamera fotografieren und in einem Rahmen als Porträtbild zeigen lassen. Oder sich selbst zwischen zwei riesigen Schmetterlingsflügel mit dem eigenen Handy als Flügelwesen ablichten. Die Welt mit anderen Augen sehen, ist die Botschaft.

Kunstgenuss per App

Interessierte können auf der Kunstschau mit der extra entwickelten App „NordArt 2019“ Informationen über jedes Kunstwerk und den jeweiligen Künstler bekommen. Dafür müssen die Nutzer die Handy-Kamera auf ein Kunstwerk richten. Nachdem die App das Werk erkannt hat, werden die Informationen angezeigt. Die App lässt sich kostenlos im Apple-Store und Google Play Store herunterladen.

Kooperation mit dem SHMF

Die Werke werden in den früheren Industriehallen, einer alten Wagenremise und einem Skulpturenpark gezeigt. Die Hallen sind 22.000 Quadratmeter groß, der Skulpturenpark 80.000 Quadratmeter.

Seit einigen Jahren sind in die NordArt auch Veranstaltungen des Schleswig-Holstein Musik Festivals eingebunden. Ein Höhepunkt ist am 10./11. August das zweitägige Programm „The Big Bach“ unter anderem mit einer Steel Band aus Trinidad und Tobago.

Französische Arbeiten nur von Frauen

Die Kuratoren des französischen Länderpavillons, Jérome Cotinet-Alphaize und Marianne Derrien, haben einen facettenreichen Überblick über die Kunstszene ihres Landes zusammengestellt. Sie widmen sich den beiden jüngsten Künstler-Generationen seit Ende der 1960er-Jahre.

Die Kuratoren haben Arbeiten ausschließlich von Frauen ausgewählt, von 171 Künstlerinnen, die in Frankreich leben. Unter anderem seien etwa zehn Künstlerinnen, die für den Prix Marcel Duchamp nominiert waren, dabei, betonte Cotinet-Alphaize. Sämtliche Genres sind zu sehen – Gemälde, Videos, Skulpturen, Fotos, Installationen.

7,5 Meter hoher Turm

Zu den augenfälligsten und politischen Werken in der Carlshütte gehört der 7,50 Meter hohe Holzturm „Babylonian“ des Chinesen Xi Jianjun – ein Anspielung auf das biblische Motiv des Turmbaus zu Babel, als Gott die Menschen, die bis zum Himmel bauen wollten, für ihre Überheblichkeit bestrafte; sie sprachen plötzlich verschiedene Sprachen.

Direkt dahinter liegt waagerecht wie gestürzt eine hölzerne Nachbildung der Kuppel des Kapitols, des Parlamentsgebäudes in Washington - ebenfalls von Xi. Bedrückend wirken die 16 mit dem Kopf nach unten aufgehängten Menschenfiguren des chinesischen Künstlers Zhang Dali. Er hat von Wanderarbeitern Gipsabdrücke fertigen lassen. Der Titel: „Chinesischer Nachwuchs 1-16“.
„Babylonian" – der Holzturm von XI Jianjun (China) Foto: Wohlfromm
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