Schleswig

Krankenhaus zu verschenken

Anette Schnoor, shz.de
Schleswig
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Seit Juli 2016 steht das alte Klinikgebäude leer. Foto: Thomas Heyse

Rund 3,8 Millionen Euro soll es Kosten, das Gebäude in Schleswig von Schadstoffen zu befreien. Eine Summe, die mögliche Investoren abschreckt.

Das Wort von der „MLK-Ruine“ machte die Runde im Hauptausschuss des Kreises: Was aus dem alten, schadstoffbelasteten Gebäude des Martin-Luther-Krankenhauses (MLK) werden soll, beschäftigte die Mitglieder. Zuvor hatte Landrat Wolfgang Buschmann mitgeteilt, dass er Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen schriftlich die Übernahme der Problem-Immobilie angeboten habe – als Geschenk oder zu einem „sehr günstigen Kaufpreis“. Der Komplex sei schließlich städtebaulich prägend. So könne die Stadt vielleicht im Zuge der anstehenden Städtebauförderung – dabei geht es zum Beispiel auch um den Abriss des Hertie-Gebäudes – die alte Klinik ebenfalls mit Hilfe öffentlicher Fördergelder sanieren.

Wolfgang Warwel von den Freien Wählern konnte es nicht fassen: „Das Gebäude zu verschenken, ist nicht gerechtfertigt“, befand er im Hauptausschuss des Kreises. Was denn mit dem Raumbedarf der Verwaltung sei? „Kommt nicht eine eigene Nutzung des Kreises in Betracht?“ Das MLK sei schließlich nach wie vor von Wert.

Tatsächlich hatte der Kreis als Eigentümer noch im Sommer 2,5 Millionen Euro für das alte Krankenhaus haben wollen und mit der Gewoba Nord auch einen potenten Interessenten gefunden. Gesundheitliche Dienstleistungen und Büroflächen sollten auf der 25.000 Quadratmetern großen Nutzfläche entstehen. Dann platzte im September die Bombe: Rund 3,8 Millionen Euro werde es kosten, die Schadstoffe im sechsstöckigen Bau zu beseitigen. Insbesondere die asbesthaltigen Dämmmaterialien müssen raus. Mit Blick auf notwendige Nachbesserungen an der Statik des Hauses kommen weitere Kosten hinzu.

„So wird es schwer für einen potenziellen Investor“, erläuterte Landrat Buschmann im Ausschuss. Die finanzielle „Vorlast“ sei sehr hoch. In der Folge habe sich auch die Gewoba zurückgezogen. Über eine eigene Nutzung wollte der Verwaltungschef gar nicht erst sprechen. Statt dessen fiel das Wort „Bauruine“. Und eine solche mitten in der Stadt sei so ziemlich das Letzte, was er sich für Schleswig wünsche. Deshalb also nun das Angebot an die Stadt Schleswig.

Dort bestätigt Pressesprecherin Antje Wendt den Eingang des Schreibens und bekräftigt: „Die Stadt sieht sich hier in der Verantwortung und wird sich ihr auch nicht entziehen.“ Dementsprechend zügig sei die Angelegenheit im Hause besprochen worden. Das Bauamt arbeite bereits an einem Lösungsvorschlag, der dem Kreis dann in Kürze zugehen werde. Allerdings: Eine einfache Lösung im Rahmen der Städtebauförderung werde es nicht geben können. Zum einen liege der entsprechende Rahmenplan längst von der Ratsversammlung abgesegnet in Kiel vor. Zum anderen sei die Thematik beim MLK ein anderes, sehr viel spezielleres. „Es geht ja in erster Linie um Schadstoffsanierung und -beseitigung“, erläutert Antje Wendt. „Da müssen wir ganz andere Töpfe andenken.“

Und noch eines wird deutlich: Die Stadt will den Problembau nur ungern komplett übernehmen und setzt auf eine gemeinsame Lösung mit dem Kreis. „Da ist im Moment noch alles offen“, sagt Stadtsprecherin Wendt. Eine weitere Nutzung komme ebenso in Betracht wie der Abriss. Für das zentral gelegene Grundstück seien etliche Verwendungsmöglichkeiten denkbar.

So ist eine schnelle Verkaufslösung, wie sie Wolfgang Buschmann vorgeschlagen hat, offenbar nicht in Sicht. Antje Wendt betont im Gegenteil, zugunsten einer nachhaltigen Lösung dürfe man nun keinen Druck aufbauen.

Wie der städtische Vorschlag konkret ausfallen und im Kreishaus aufgenommen wird, bleibt abzuwarten. Die Verantwortlichen dort sind allerdings sehr wohl an einer kurzfristigen Lösung interessiert. Der Unterhalt der leeren Klinik belastet den Haushalt: Bereits weit über 100.000 Euro musste der Kreis seit dem Auszug der Helios-Klinik im Juli 2016 in Sicherheitsdienst und Heizung investieren.

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