Kulturkommentar

„Zu viel, viel zu viel!?“

„Zu viel, viel zu viel!?“

„Zu viel, viel zu viel!?“

Claudia Knauer /Büchereidirektorin/
Apenrade/Aabenraa
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Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Junge Menschen sind ein rares Gut und dementsprechend umworben. Zumindest muss man diesen Eindruck gewinnen, wenn man der öffentlichen Meinung folgt. Junge Leute sollen in der Schule ohne Fehlzeiten anwesend sein, früh studieren, in den Job eintreten, im Ehrenamt tätig sein, Familie gründen, Veranstaltungen besuchen und nebenbei auch noch die Welt, die wir Alten versaut haben, retten. Das ist nicht wenig, was auf den manchmal zarten und fragilen Schultern liegt.

Es mag den jungen Menschen dann oft so gehen wie mir vor dem Marmeladensortiment in einem deutschen Supermarkt – es gibt ein solch unüberschaubares Angebot über viele Regalmeter, dass ich überhaupt nicht mehr durchblicke. Und da ich keine Lust habe, ganze Romane von Gläseraufschriften zu lesen, greife ich zur altbekannten Erdbeermarmelade und ärgere mich zu Hause dann über den langweiligen Geschmack.

Es gibt so vieles, aus dem man aussuchen kann, soll, muss – da lässt man es liebsten ganz und bleibt gleich zu Hause oder im Freundeskreis, den man ohnehin kennt. Oder eben bei der Erdbeermarmelade. Auf Neudeutsch heißt das dann: in der Blase leben.

Da ist man wohl aufgehoben, und nichts stört. Das kann aber nicht der Weg sein, denn tatsächlich liegt die Zukunft unseres Landes, unserer EU, unseres Planeten in den Händen der Menschen, die jetzt unter 20 sind. Was tun? Die Angebote reduzieren? Und die Ansprüche auch? Schwierig, denn vielleicht fällt genau das weg, was doch so wichtig wäre und den Anstoß gäbe, den wir brauchen, um neue Wege zu beschreiten. Aber ein Weiter-so ist auch das Falsche, das hat auch die Diskussion über die Jugendarbeit in der Minderheit während der Sankelmarktagung gezeigt.

Wir müssen erst einmal feststellen, was wir haben und wer kommt. Und dann müssen wir miteinander reden – mit so vielen so intensiv wie möglich. Nicht nur mit denen, die sich bisher schon einbringen, die in Sankelmark auf dem Podium saßen, die aus dem Publikum mit Beiträgen kamen – dafür verdienen sie übrigens ein ausgiebiges Lob. Miteinander reden, Erwartungen und Ansprüche abgleichen, gemeinsam Lösungen finden – dieses Konzept eignet sich übrigens für das ganze Leben und auch für’s Die-Welt-Retten.

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