Leserbrief

„Erfahrungsbericht zum ÖPNV in Dänemark“

Jörg Müller
Leipzig
Zuletzt aktualisiert um:

Jörg Müller über aus seiner Sicht erschreckende Erfahrungen mit dem öffentlichen Transport in Dänemark.

Guten Tag aus Sachsen! Anbei mal ein Erfahrungsbericht zum Thema ÖPNV in Dänemark von meiner letztjährigen Reise (Oktober 2018).

Dänemark mag viele schöne Seiten haben, die es wert sind erlebt zu werden. Solange man seine Reise selber in der Hand hat und nicht auf den ÖPNV angewiesen ist … Das Bahnfahren in Dänemark kann man getrost mit den Verhältnissen in Deutschland vergleichen.
– Bahnstationen sind verwaist; keine Menschenseele, die dir dort Auskunft geben kann. Die gesamte Nordseeküste entlang.
– Ticket-Automaten sind genauso häufig kaputt wie in DE.
– Viele Ticket-Automaten nehmen nur Kreditkarte.
– Auf manchen dieser Automaten muss man die Zonen auswählen, die man zu durchqueren beabsichtigt.
Auf einem Display ist die Landkarte Dänemarks angezeigt – mit „sehr vielen“ dieser Zonen (auf‘s Land bezogen). Wenn man als Fremder von Skagen nach Skærbæk will – viel Spaß!
– Wenn man ein Problem mit seinem Vorwärtskommen hat – egal um was es sich handelt – hilft dir niemand!!! Du bist völlig auf dich gestellt. Service-Personal vor Ort gibt es eh nicht.
Telefonnummern sind nutzlos, weil niemand ans Telefon geht …
Letzten Oktober bin ich von der deutschen Grenze aus den Nordseeküsten-Radweg bis Skagen gefahren.
Ich habe mich entsprechend vorher über den Rücktransport (mit Fahrrad) von Skagen aus per Bahn informiert. Kein Problem! Auch in der Tourist-Info in Skagen bestätigte man mir dies nochmal.
– Bedenken äußerte ich dort, da ich während meiner Radreise Gerüchte vernahm, dass es von Skagen aus erstmal nur Schienenersatzverkehr gäbe. Aber schon auf der Insel Röm bestätigte man mir, dass die Fahrradmitnahme in dänischen Bussen selbstverständlich sei. - Nur! Wie steht es damit in der Realität? Ich fühlte mich wie in Deutschland: Die dänische Bahn hatte sich entschieden, in diesem Oktober für einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen sämtliche Bahnstationen im gesamten Norden, also mindestens alles nördlich von Aalborg, zu schließen! Kein Zug bewegte sich dort oben mehr. Die einzige Alternative: „Togbus“! Ich kann das Wort nicht mehr hören …

An meinem Abreisetag stand ich also früh an der Haltestelle in Skagen – Ziel für den späten Nachmittag: Skærbæk Der „Togbus“ kam.
Ein großer Reisebus. Es stiegen sechs Personen ein, darunter eine Familie mit Reisegepäck. Reichlich Platz also in dem Gefährt – dachte ich.
Allerdings lehnte der Busfahrer die Mitnahme meines Fahrrads ab! Aus Prinzip! Er nimmt keine Fahrräder mit! Das sei seine Regel!!!
Dass sein Bus so gut wie leer war, dass ich einen ziemlich weiten Weg Richtung Deutschland vor mir hatte: „I have rules!“

Auch andere Fahrgäste (Dänen) schalteten sich in die Debatte ein, ergebnislos … Der Busfahrer ließ mich eiskalt stehen.

Nach diversen anderen ergebnislosen Versuchen, einen Transport nach Aaalborg zu bekommen, blieb mir nur übrig, auf ca. 100 Kilometern Bundes- und anderen Hauptstraßen mit dem Rad (und natürlich vollem Reisegepäck) dorthin zu gelangen. Ein ganzer Urlaubstag sinnlos weg und noch eine zusätzliche Übernachtung bezahlt. Das bereits gekaufte Ticket war natürlich auch futsch.

Ich bekam während dieser Odyssee nicht die allergeringste Hilfe! Alle Service-Nummern von Bahn-, Bus- und sonstigen ÖPNV-Unternehmen waren auf Anrufbeantworter geschaltet.
Am Aalborger Bahnhof (eine 200.000! Einwohner Stadt) wurde meine Meinung vom dänischen ÖPNV dann nur ein weiteres Mal bestätigt. Tickets und „eventuelle“ Infos bekam man dort nur von der Verkäuferin an der Kasse eines 7-Eleven Bahnhofs-Supermarktes …

Mehr muss man mir über die grundsätzliche Einstellung eines Landes zu seinem ÖPNV dann nicht mehr erklären … Erfahrungen von dieser Qualität mache ich hier in Deutschland das ganze Jahr über.
Im Urlaub kann ich gerne darauf verzichten. Ich werde kein weiteres Mal in Versuchung kommen …

Jörg Müller, Naunhof
(Leipzig)

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