Kulturkommentar

„Weihnachtliches Aufrüsten“

„Weihnachtliches Aufrüsten“

„Weihnachtliches Aufrüsten“

Claudia Knauer /Büchereidirektorin/
Apenrade/Aabenraa
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Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Der Oktober hat sich gerade verabschiedet, der November nimmt langsam Fahrt auf und den weihnachtlichen Schmücker hält nichts mehr auf. Raus mit den Lichterketten, hoch mit den rot-weiß-blauen-Blinkvorhängen im Wohnzimmer und ganz schnell die Balkonbrüstung mit den LEDs – wir sind ja umweltfreundlich! – verziert.

Der Nachbar ist ja schon lange so weit.

Die Kommune will da nicht zurückstehen. Noch im zehnten Monat des Jahres werden die ersten Leuchtelemente in den Bäumen angeschaltet, und die Weihnachtsgirlanden mit dem reizenden Herz in der Mitte werden Anfang November durch die Fußgängerzone gezogen und leuchten uns heim.

Dass Tondern schon quasi in der Sommerwärme die Weihnachtsmänner durch die Stadt treibt, ist meinetwegen ein Skurrilität der Westküste. Aber das auch andernorts der Weihnachtswahnsinn lange vor dem Volkstrauertag und dem Totensonntag seine grässlichen Blüten treibt, ist eine kulturelles Vergehen erster Güte. Das ist wie frische Erdbeeren essen im Januar. Das ist wie Tulpen im Dezember. Das ist falsch.

Was Herz und Seele wärmen und vielleicht sogar weiten soll, verkommt zur Beliebigkeit. Wir können alles und immerzu. Damit geht die Besonderheit, das Einzigartige verloren. Worauf noch freuen? Alles ist doch verfügbar. Vorfreude wird unbekannt. Jetzt und hier und sofort muss geschmückt werden. Das ist nicht weihnachtlich. Das ist scheußlich.

Eine Kerze oder zwei (oder drei bis fünf) in der dunklen Jahreszeit in der Stube – wunderbar und heimelig. Ein Rentier auf dem Dach und ein Tannenbaum im Vorgarten Anfang November ist unschicklich. Lasst uns doch warten.

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