Leitartikel

„Jørgen von Manhattan“

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Apenrade/Aabenraa
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Jørgen Mads Clausen ist 70. Geburtstag geworden und der ehemalige Chefredakteur des Nordschleswigers, Siegfried Matlok, gratuliert.

In diesen Tagen feierte Jørgen Mads Clausen seinen 70. Geburtstag – erst im Festzelt von Danfoss-Universe, dann in der Familie, und schließlich flog er nach China, um dort eine hohe Auszeichnung der Volksrepublik entgegenzunehmen. Dass er sich zuvor intern heftig gewehrt hatte, anlässlich eines solchen Ehrentages selbst in den Mittelpunkt gestellt zu werden, entspricht der Persönlichkeit des JMC, mit der er sozusagen dem elterlichen Auftrag gerecht wird, „sich nicht zeigen zu sollen, nicht zu prahlen und nicht größer zu machen als wir sind“. Bescheidenheit ist eine seiner stärksten Charaktereigenschaften, Freunde von ihm sprechen sogar im Goetheschen Sinne von einem Menschen mit seinem Widerspruch: Genau das mache ihn so sympathisch.

Ihm war zwar einiges an Talent von Vater Mads und Mutter Bitten in die Wiege gelegt worden, aber Jørgen von Alsen – der Danfoss-Gründer hatte die Insel einst mit Manhattan verglichen – kann wahrlich auch auf sich selbst stolz sein, er hat nicht alles geschenkt bekommen, sondern hat kämpfen und sich selbst entwickeln müssen. Dass Bitten – eine Wärme ausstrahlende Persönlichkeit – Bedenken äußerte, als er sich selbst als Direktor des inzwischen global aufgestiegenen Konzerns ins Spiel brachte, war nicht nur Mutterschutz, aber umso glücklicher sprach sie später vom (vielleicht insgeheim) gar nicht erwarteten Durchbruch des Sohnes. Natürlich gab es auf seinem Weg auch Rückschläge (z. B. das groß angekündigte Wundertier „Nessie“, das nicht hielt, was es zu versprechen schien), aber zum Erfolg des JMC gehört nicht nur Wachstum, sondern auch ein Stilwechsel: Während Danfoss einst mehr oder weniger in Anonymität lebte, um in Ruhe Geschäfte machen zu können, hat sich Jørgen Mads Clausen auch als aktiver „Player“ in die öffentliche Debatte eingeschaltet. Das fiel ihm anfangs wohl auch nicht ganz leicht, aber inzwischen hat er als Persönlichkeit Profil, Gewicht, mischt sich auch in Fragen ein, die einst im Konzern tabuisiert waren. Das gilt sowohl für die Lokalpolitik als auch für nationale und internationale Anliegen.

Es sind nicht nur die Produkte, die den Namen Danfoss heute in aller Welt bekannt machen, denn JMC hat es vor allem verstanden, die eigene Familien-DNA zu verbinden mit einem „glokalen“ Anspruch, nicht nur global Geschäfte zu machen, sondern auch Dienste für die Allgemeinheit zu leisten. Das gilt natürlich ganz besonders für Alsen/Sonderburg, für Nordschleswig, für Flensburg und für das deutsch-dänische Grenzland. Hier und dort mag es wohl einige geben, die Danfoss manchmal zu einflussreich empfinden, aber man stelle sich nur mal für eine Sekunde vor, wie unsere Landschaft heute ohne die Aktivitäten der Familie Clausen, ohne die ständigen Ankurbelungen durch JMC ausgesehen hätte.

Der Ausdruck „Udkantsdanmark“ ist deshalb ihm gegenüber eine Beleidigung, und der Mann strotzt weiterhin vor Ideen. Man denke nur an seine Brückenpläne zwischen Fünen und Alsen oder – um ein grenzüberschreitendes Beispiel zu nennen – an seine Brücke „A Digital Valley“ zwischen Odense, Sonderburg, Flensburg, Kiel und Hamburg. Gewiss, alles Zukunftsmusik, aber JMC ist unermüdlich, buchstäblich Tag und Nacht, um durch eigene Anstöße immer wieder neue Perspektiven, Chancen zu eröffnen.

In seinem ganzen Wirken spielen Familie und Herkunft eine entscheidende Rolle, nicht zuletzt seine Ehefrau Annette, die ihm stets auch in schwierigeren Zeiten unentbehrliche Partnerin, Stütze gewesen ist. Sein einst fast übermächtig erscheinender Vater starb zu früh, 60-jährig; dem 70-jährigen Jørgen Mads sind viele weitere gute Jahre zu wünschen: zum Wohle der Familie, die auch künftig so oder so Regie führen wird zum Wohle von Danfoss, vor allem aber in der Hoffnung auf neue JMC-Visionen – für uns alle!

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