Leitartikel

Verbraucher an die Macht

Verbraucher an die Macht

Verbraucher an die Macht

Apenrade/Aabenraa
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Eier
Foto: dpa

Wer die Macht der Kunden unterschätzt, der kann ganz schnell in Schwierigkeiten geraten, beobachtet Chefredakteur Gwyn Nissen. Vom Ei aus der Legebatterie bis zum Steak bei Jensens Bøfhus, Beispiele gibt es genügend. Doch manchmal würde er sich wünschen, dass die Verbraucher noch mehr Macht und Mumm hätten...

Wer die Macht der Kunden unterschätzt, der kann ganz schnell in Schwierigkeiten geraten, beobachtet Chefredakteur Gwyn Nissen. Vom Ei aus der Legebatterie bis zum Steak bei Jensens Bøfhus, Beispiele gibt es genügend. Doch manchmal würde er sich wünschen, dass die Verbraucher noch mehr Macht und Mumm hätten...

Erst schien es ein smarter Werbetrick eines einzelnen Supermarktes zu sein, als die Eier aus Stallhaltung aus dem Regal genommen wurden. Doch inzwischen haben weitere Supermarktketten nachgezogen, und in nicht allzu ferner Zukunft könnte es sein, dass in dänischen Geschäften keine Eier aus Stallhaltung mehr verkauft werden.

Die Verbraucher haben so entschieden, denn sie kaufen immer weniger „Stall-Eier“, sodass es sich für die Supermarktbetreiber nicht mehr lohnt, diese im Sortiment zu führen. Wobei, vielleicht wäre eigentlich schon Platz dafür, aber Supermarkt und Co. signalisieren damit eben Verantwortungsbewusstsein und Tierschutz an die kritischen Verbraucher.

Die Macht der Verbraucher – es gab sie schon immer: Als Frankreich Anfang der 90er Jahre wieder die Atomsprengungen aufnahm, boykottierten die Verbraucher französischen Wein, bei Shell wurden die Zapfsäulen gemieden, als das Unternehmen die Ölplattform Brent Spar im Meer versenken wollte, und in Dänemark erlebte Jensens Bøfhus, wie die Gäste ausblieben, weil das Unternehmen einem Fischrestaurant den Namen Jensen verbieten wollte.

Früher kam der Boykott der Verbraucher eher schleichend. Heute werden die Reaktionen praktisch noch vor Ort über Facebook in die ganze Welt verschickt. Der Verbraucher hat heute nicht nur Macht durch seine Entscheidungen vor dem Supermarktregal, sondern eben auch durch die weltweiten sozialen Netzwerke.

Deshalb werden wir immer häufiger erleben, dass Geschäfte und Unternehmen auf kritische Verbraucher reagieren. Denn wer den Kunden mit dem Facebook-Zugang unterschätzt, der kann ganz schnell in Schwierigkeiten geraten.

Auf der anderen Seite kommen einige Unternehmen glimpflich davon, weil die Verbraucher trotz ihrer Verärgerung dennoch immer wieder zum Produkt greifen. Die Yellow Press mit ihren Paparazzi-Bildern ist ein Beispiel dafür. Manchmal wünscht man sich eben, dass die Verbraucher noch mehr Macht und Mumm hätten.

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