Apenrader Storetorv

Der Bebauungsplan für die Disco wird fallen gelassen

Der Bebauungsplan für die Disco wird fallen gelassen

Der Bebauungsplan für die Disco wird fallen gelassen

Apenrade/Aabenraa
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Das Gebäude Storetorv 7 (Archivfoto) Foto: JydskeVestkysten

Die unendliche Geschichte um das umstrittene Nachtlokal am Apenrader Storetorv ist jetzt Geschichte. Aber wo darf die Jugend Apenrades dann künftig tanzen?

Selten hat ein Tagesordnungspunkt die Apenrader Stadtratsabgeordneten so lange und so konträr diskutieren lassen wie der Fall der Diskothek „Seven“. Auch in der Bevölkerung war die Disco ein Streitthema. Jetzt ist aber eine Vorentscheidung gefallen: Der Ökonomieausschuss der Kommune Apenrade hat sich einstimmig – das heißt auch mit den Stimmen der Vertreter von Venstre (V), Dänischer Volkspartei (DF) und Schleswigscher Partei (SP) – dafür ausgesprochen, dass der ausgearbeitete Bebauungsplan für das Gebäude Storetorv 7 nicht angenommen wird. Das bedeutet, dass dort keine Diskothek betrieben werden kann. Es sei denn … – davon aber später mehr.

Veränderte Sachlage

„Es verwundert mich, wenn sich einige jetzt wundern, warum wir jetzt auch gegen den Bebauungsplan stimmen, aber die Sachlage ist jetzt einfach anders“, sagt Bürgermeister Thomas Andresen (V).

„Die Basis für den Betrieb einer Diskothek ist nicht mehr gegeben, weil der Betreiber nicht mehr die Bedingungen erfüllte, um eine Schankgenehmigung (dän. alkoholbevilling, red. Anm.) zu erhalten“, erläutert Andresen. Erst in der vergangenen Woche hatte der Ökonomieausschuss einem entsprechenden Antrag des Betreibers Søren Petersen Norn einen abschlägigen Bescheid erteilt. Da die Behandlung von Schankerlaubnisanträgen auf dem geschlossenen Teil der Tagesordnung stattfindet, kann der Bürgermeister nichts zu den genauen Hintergründen sagen. Fakt ist: Der Diskothekenbetreiber hat keine Schankerlaubnis, und ohne Schankerlaubnis wird er sein Tanzlokal schließen müssen.

Apenrade braucht ein Nachtleben

Bürgermeister Thomas Andresen ist nach wie vor der Meinung, dass eine Stadt wie Apenrade, die zudem vieles dafür tut, um als Campusstadt Nordschleswigs zu gelten, ein Nachtleben für junge Menschen hat. Dazu gehören auch Diskotheken. Gerne auch in der Innenstadt. „Das steht auch so im Wahlprogramm von Venstre Apenrade“, fügt er hinzu.

Die Diskothek wurde zum Politikum, weil die Klageinstanz „Planklagenævn“ einem Kläger recht gab, dass eine Diskothek kein Restaurant ist. Der geltende Bebauungsplan ermöglicht die Einrichtung von Gastronomiebetrieben. Die Rathausverwaltung hatte 2016 den Passus so ausgelegt, dass dann auch eine Diskothek zulässig sei, und erteilte Petersen Norn die Genehmigung, im Erdgeschoss des Hauses Storetorv 7 eine Diskothek einrichten zu dürfen. Der Planklagerat war indes anderer Meinung: Eine Disco ist mitnichten ein Gastronomiebetrieb.

Zwei Alternativen

Und so standen die Kommunalpolitiker nun vor zwei Alternativen: entweder den Betrieb nachträglich legalisieren oder dem Diskothekenbetreiber mitteilen, dass seine Investitionen für die Katz waren, und er seine Diskothek schließen muss.

Die Apenrader Politiker entschieden sich – mehrheitlich – schließlich für einen goldenen Mittelweg. Dem Diskothekenbetreiber wurde eine vorläufige Ausnahmegenehmigung erteilt, bis ein Themenplan für Diskotheken in der Innenstadt erstellt war.
Es wurden auch schon Workshops durchgeführt, die allerdings nahezu ergebnislos blieben. Zumindest wurde keine einzige alternative Platzierung für eine Disco in der Innenstadt vorgeschlagen. Im Gegenteil. Kein Bewohner oder Hausbesitzer in der Innenstadt möchte eine Diskothek in seiner Nachbarschaft.

Die Ausnahmegenehmigung für Petersen Norn wurde daraufhin mehrfach verlängert. Um den Diskothekenbetreiber nicht unzumutbar lange im Ungewissen zu lassen, hat der zuständige Wachstumsausschuss einen Bebauungsplan in Auftrag gegeben. Dieser Bebauungsplan sollte nur für ein Grundstück gelten, nämlich für die Adresse Storetorv 7. Das ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise gelten solche Pläne für ein größeres Gebiet.

Knappe Mehrheit

Es gab dann auch seitens der Sozialdemokraten (Soz.), der ökosozialistischen Einheitsliste (EL), der Volkssozialisten (SF) und der Konservativen (Kons.) große Widerstände gegen die Erstellung eines solchen Planes. Eine knappe Mehrheit setzte sich aber durch, und die Planungsarbeit wurde in Auftrag gegeben.

Nach langem, zähen Ringen in den verschiedenen politischen Gremien und trotz etlicher Leserbriefen und Eingaben von Anliegern und Bürgern der Stadt gegen den Plan stand die Ratifizierung eigentlich nun doch unmittelbar bevor, und dann kam alles anders: Durch die geänderten Vorzeichen haben die Vertreter der Mehrheitsparteien im Ökonomieausschuss der Kommune Apenrade nun entschieden, den Plan fallen zu lassen.

Gespannter Bürgermeister

Bürgermeister Andresen freut sich, dass nun die Grundsatzdebatte über das Nachtleben in Apenrade wieder geführt werden kann – völlig ohne Druck. „Es war ja eigentlich auch unser ursprünglicher Plan, dass diese Diskussion erst geführt werden sollte, bevor man in die Planungsarbeit für die Innenstadt einsteigt“, betont er.

Im Rathaussaal waren sich die Politiker nämlich grundsätzlich einig, dass Apenrade Diskotheken und Nachtbars haben muss, wenn man sich als Ausbildungsstadt profilieren möchte. „Ich freue mich darauf, die Argumente zu hören, warum am Storetorv keine Diskothek möglich sein sollte“, kann Thomas Andresen sich ein leichtes Sticheln nicht verkneifen. Für ihn persönlich ist der Storetorv grundsätzlich als Standort einer Diskothek nicht vom Tisch.

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