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LKW-Überholverbot wird erweitert

LKW-Überholverbot wird erweitert

LKW-Überholverbot wird erweitert

Paul Sehstedt
Kopenhagen
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Auf weiteren Strecken in Dänemark dürfen Lkw künftig nicht überholen. Foto: Christian Lindgren/Ritzau Scanpix

Überholverbote für Lkw: Gute Erfahrungen veranlassen die Straßenbehörde, die Gesamtstrecke auf 500 Kilometer auszuweiten. Auch die Autobahn E45 in Nordschleswig ist von den Plänen betroffen. Die Branchenorganisation IDT wundert sich über den Alleingang der Behörde.

Die Elefantenrennstrecken in Dänemark werden immer kürzer: Auf der Autobahn E45 durch Nordschleswig gilt für Lastkraftwagen in Kürze ein durchgehendes Überholverbot von der Grenze bis nach Kolding und umgekehrt. Die Verbote treten in Kraft, sobald die Schilder aufgestellt sind.

Die Erweiterung baut auf die jahrelangen Erfahrungen mit Verboten auf bisher 230 Kilometern Autobahnstrecke im ganzen Land. Innerhalb der nächsten Wochen werden die Überholverbotsschilder landesweit aufgestellt, um so ganze zusätzliche 270 Kilometer miteinzubeziehen.

„Wir entsprechen damit den Wünschen der Politiker“, erklärt Ivar Sande, Abteilungsleiter der staatlichen Straßenbehörde Vejdirektoratet, Aalborg, in einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. „Die Strecken in Jütland haben wir soweit fertiggeplant“, setzt Sande fort. „Die Planung für Fünen ist noch nicht abgeschlossen. Für den Großraum Kopenhagen wird kein Verbot angestrebt.“

Pendlerverkehr entlasten

Auf den künftig 500 Kilometern gilt das Verbot von 6 bis 9 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. Damit soll der Pendlerverkehr werktags entlastet werden. Auf einigen Strecken wie zum Beispiel Brücken, dürfen Lkw täglich rund um die Uhr nicht überholen.

Schwertransporte und langsam fahrende Transporte, die deutlich unter 80 Stundenkilometer in den Verbotszonen fahren, dürfen nach wie vor von Lastwagen und -Zügen überholt werden. Auf dreispurigen Autobahnabschnitten werden keine Beschränkungen eingeführt.

Busse und Wohnmobile ausgenommen

Das Verbot gilt nicht für Busse und Wohnmobile generell, aber auf technischen Abschnitten, die gesondert entsprechend ausgeschildert sind.

Südlich der deutsch-dänischen Grenze fordert der Südschleswigsche Wählerverband SSW ebenfalls und seit Längerem ein zeit- und streckenbedingtes Verbot – und zwar von der Anschlussstelle Bordesholm, wo der sechsspurige Ausbau der Autobahn A7 endet, und bis zur Grenze.

Anstieg der Unfallzahlen

Der verkehrspolitische Sprecher der Partei, Flemming Meyer, begründet die Forderung damit, dass innerhalb der vergangenen fünf Jahre auf diesem Streckenabschnitt ein Anstieg der Verkehrsunfälle, bei denen Lkw beteiligt waren, von 23 Prozent registriert worden ist.

Die Landesregierung in Kiel hat den Vorschlag mit der Begründung abgewiesen, dass die Verkehrsdichte nicht für ein Verbot spricht. In Dänemark ist ein Verkehrsaufkommen von mindestens 20.000 Fahrzeugen pro Tag ausschlaggebend, ob ein Überholverbot zugelassen wird. Lkw sind Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen.

ITD von Entscheidung völlig überrascht

„Wir sind völlig überrascht über die Entscheidung, das erweiterte Überholverbot ohne Diskussion in der Beobachtergruppe einzuführen“, erklärt der politische Sprecher der Branchenorganisation International Transport Danmark, Jørn-Henrik Carstens auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

„Das erweiterte Verbot wird nicht einen verbesserten Verkehrsfluss bewirken, da die Lkw-Kolonnen viel zu lang werden und Überholende nicht einscheren können.“

„Die kommende Situation wird sein, dass so gut wie alle zweispurigen Autobahnen vom Verbot betroffen sein werden. Wenn die Strecken zu lang werden, wird das den Verkehr behindern“, sagt Carstens. „Im Verkehr muss Platz für alle sein und Verbote müssen einen erkennbaren Sinn ergeben, weil sonst der Respekt vor den Maßnahmen verschwindet. Mit den jetzigen Verboten, die sich nur über kürzere Abschnitte erstrecken, gleitet der Verkehr und das hat unsere Basis verstanden und akzeptiert. Die Beobachtergruppe hätte zu Rate gezogen werden müssen, um eventuelle Nachbesserungen sinnvoll zu gestalten.“

Busfahrer müssen Ruhe bewahren

„Obwohl Busse mit Tempo 100 auf der Autobahn unterwegs sein dürfen und damit deutlich schneller als Lkw sind, werden die Busfahrer künftig mehr Ruhe bewahren müssen, wenn die Lkw-Kolonnen sehr lang sind und das Überholen die PKW-Fahrer behindert“, erläutert John Bergholdt, Landesvorsitzender des Verkehrsbranchenverband „Dansk Person Transport“ (DPT) dem ‚Nordschleswiger‘.

Er hatte noch nicht von der Entscheidung zum erweiterten Überholverbot gehört. „Wir werden unsere Mitglieder dazu auffordern, Rücksicht auf den PKW-Verkehr zu nehmen und nicht unnötig lange Überholvorgänge vorzunehmen.

Schließlich steht der Name des Unternehmens auf dem Bus und das wäre eine schlechte Werbung.“

Das Verkehrsaufkommen auf der Autobahn in Nordschleswig ist zeitweise so dicht, dass er mit seinem Auto meist nur 100 km/h fährt. Und sollte er sich ausnahmsweise hinters Lenkrad einer seiner vielen Busse setzen, dann bleibt er meist in der LKW-Kolonne liegen, so der Landesvorsitzende.

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