Leitartikel

„Sinkt DF noch tiefer?“

Sinkt DF noch tiefer?

Sinkt DF noch tiefer?

Nordschleswig/Kopenhagen
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Bei der Dänischen Volkspartei ist im Sommer alles andere als Ruhe eingekehrt. Und die Parteiführung findet auf die Schnelle keine Lösung aus der Krise, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Eigentlich brauchen auch Politiker Sommerferien, um sich zu erholen. Doch für die Führung der Dänischen Volkspartei (DF) war es alles andere als ein erholsamer Sommer. Im Gegenteil: die Krise in der rechtspopulistischen Partei hat noch größere Ausmaße angenommen.

Dabei war die Dänische Volkspartei (DF) bis zur Schmach bei der Folketingswahl 2019 die am besten geleitete Partei des Landes. Die Parteiführung hatte alle ihre Schäfchen im Griff, und wer aus der Reihe tanzte, wurde zurückgepfiffen. Wer gar nicht spurte, musste die Partei verlassen. So gab es nur einen Weg, eine Meinung, eine Parteilinie.

Doch mit der Wahlniederlage vor zwei Jahren begann eine existenzielle Krise der nur 26 Jahre alten Partei, die bis dahin von einem Erfolg zum anderen gewandert war. Sogar den Abgang der Parteigründerin Pia Kjærsgaard 2012 konnte die Partei verkraften. Mit dem neuen Vorsitzenden Kristian Thulesen Dahl holte die Rechtspartei 2015 ganze 21,1 Prozent der Wählerstimmen. Dänemark hatte einen neuen König Kristian, und die Dänische Volkspartei schien schier unüberwindbar.

Doch als die DF sich trotz des Wahlsieges der Verantwortung entzog, zeigten sich kurz nach der Wahl bereits die ersten Risse. Es folgte eine schlechte Meinungsumfrage nach der anderen, und DF schrumpfte – auf dem Papier – auf unter 6 Prozent der Wählerstimmen. Kristian Thulesen Dahl fand keinen Halt, und nun wurde sogar Kritik laut, ob der Vorsitzende überhaupt der richtige sei.

Es gab Positionskämpfe, doch den ersten Gegner scheinen die Thulesen-Anhänger erst einmal auf das Abstellgleis befördert zu haben: Morten Messerschmidt ist der Veruntreuung von EU-Geldern angeklagt, und die Parteispitze ging gleich auf Distanz, um der Partei nicht noch mehr zu schaden.

Doch damit war es im heißen DF-Sommer nicht getan. Als nächstes entlarvten Journalisten der Zeitung „Jyllands-Posten“, dass Martin Henriksen, ehemaliges Folketingsmitglied und nun als Berater in der Partei angestellt, die Ausländer-Politk der Partei als zu schlapp befand.

Thulesen musste ein Machtwort sprechen, sogar Kjærsgaard warnte den Hardliner Henriksen, doch dieser schrieb auf Facebook in einem geschlossenen Forum – allerdings mit über 2.000 Mitgliedern – das er weiter kämpfen würde.

Nun, Henriksen hat den Post gelöscht und tut gut daran, sich vorläufig zu ducken. Sonst wird er Morten Messerschmidt Gefolgschaft leisten müssen und aus der Partei fliegen.

Thulesen Dahl und Co. mögen die internen Querelen vielleicht noch unter Kontrolle bekommen, doch nach außen hin schwächelt die Partei so sehr, dass sogar von einem unrealistischen Comeback der 74-jährigen Pia Kjærsgaard die Rede ist oder gar von einem rettenden Engel in Form von Inger Støjberg, die bei Venstre in Ungnade gefallen ist, sich derzeit aber vor dem Reichsgericht verantworten muss.

Das sind Beweise dafür, dass die sonst so siegessichere DF-Führung keinen Weg aus der Krise gefunden hat – und auf die Schnelle auch nicht finden wird. Vielleicht ist der Tiefpunkt gar nicht erreicht, denn immerhin könnten es noch fast zwei Jahre zur nächsten Folketingswahl sein?

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