Diese Woche in Kopenhagen

„US-Besuch: Anderer Stil – gleiches Anliegen“

US-Besuch: Anderer Stil – gleiches Anliegen

US-Besuch: Anderer Stil – gleiches Anliegen

Kopenhagen
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Es ist kein Zufall, dass der amerikanische Außenminister das Königreich Dänemark nur vier Monate nach Amtsantritt besucht. Es geht um vitale strategische Interessen der USA in der Arktis.

Sie geben sich als Freunde, als sie gemeinsam vor die Presse treten: US-Außenminister Antony Blinken und sein dänischer Amtskollege Jeppe Kofod (Soz.).

Da nennt man sich schon mal Tony und Jeppe, um zu betonen, wie eng diese dänisch-amerikanische Freundschaft binnen kürzester Zeit bereits geworden ist.

Dabei ist schon bemerkenswert, dass Blinken Kopenhagen noch vor Berlin besucht. Er hat während des Besuchs Dänemark als weltweit wegweisende Nation in Klimafragen bezeichnet. Doch das allein wäre wohl kaum Grund genug, so schnell in ein so kleines Land zu eilen.

Auch die Menschenrechte, die ebenfalls erörtert wurden, sind es nicht gewesen.

Grönland vital für die US-Verteidigung

Denn genau genommen besucht Blinken nicht Dänemark, sondern das Königreich Dänemark, also die Reichsgemeinschaft (Rigsfællesskabet), die auch die selbstverwalteten Gebiete, die Färöer und Grönland, umfasst.

Nach der Sitzung des Arktischen Rates auf Island reist der US-Außenminister nach Grönland weiter, um mit dem neuen Regierungschef Múte B. Egede von der linken Partei Inuit Ataqatigiit zu sprechen. Außenminister Pele Broberg (Naleraq) hat er bereits in Kopenhagen getroffen.

Und damit wären wir auch bei dem eigentlichen Anlass des Besuchs angekommen. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg betrachten die Vereinigten Staaten Grönland als vitalen Teil der eigenen Territorialverteidigung.

Wenn nun russische U-Boote unerkannt vor der grönländischen Ostküste herumkreuzen, dann löst das im Pentagon nervöse Zuckungen aus. Die Tatsache, dass russische Fighterjets die Thule Airbase erreichen können, löst deutlich mehr als nur nervöse Zuckungen aus.

Chinesische Eisbrecher in grönländischen Gewässern sind auch nicht unbedingt in Washington beliebt. Chinesische Investitionen in Minenprojekte noch viel weniger.

Denn aus Sicht der USA soll nur eine Großmacht in Grönland wirklich präsent sein, nämlich die eigene.

Rede beim Arktischen Rat

Das war der Hintergrund für Donald Trumps schlecht durchdachtes Kaufangebot. Es war auch die Ursache, weshalb Trumps Außenminister Mike Pompeo auf der Sitzung des Arktischen Rates 2019 gegen Russland und China polterte. Er warf den beiden Konkurrenten aggressives Vorgehen in der Arktis vor.

Der Arktische Rat war bis zu diesem Zeitpunkt ein Forum der Zusammenarbeit. Man hat sich auf die Themen konzentriert, wo eine Kooperation möglich und sinnvoll ist. Kritische Auseinandersetzungen wurden woanders ausgetragen. Erklärtes Ziel des Rates ist es, die Arktis als eine Region niedriger Spannungen zu bewahren und zu fördern.

Antony Blinken bei der Ankunft zum Treffen mit den Amtskollegen Jeppe Kofod (Dänemark), Pele Broberg (Grönland) und Jenis av Rana (Färöer) Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix

Die Tonlage des jetzigen amerikanischen Präsidenten, Joe Biden, und seines Außenministers ist selbstverständlich eine ganz andere. Sie setzen auf Zusammenarbeit. Kein Land könne die Probleme unserer heutigen Welt allein lösen, sagte Blinken in Kopenhagen.

Chance für Grönland und Dänemark

Doch auch Biden und Blinken können es sich nicht leisten, vitale geostrategische Interessen der USA zu vernachlässigen.

Daher wird es auch interessant, was Pompeos Nachfolger in seiner Rede vor dem Arktischen Rat sagen wird.

Biden und Blinken setzen deutlich auf die enge Zusammenarbeit mit Kopenhagen und mit Nuuk, in ihren Bestrebungen die Ziele der Vereinigten Staaten zu verfolgen. Doch das taten Trump und Pompeo im Grunde auch.

Die Tatsache, dass nun innerhalb von weniger als einem Jahr der zweite US-Außenminister das Königreich besucht, zeigt, wie großen internationalen Einfluss sich Dänemark mit den knapp 4 Milliarden Kronen an Zuschüssen für Grönland erkauft.

Daraus lässt sich innerhalb der Reichsgemeinschaft etwas machen, wenn man lernt, die „Grönlandkarte“ richtig zu spielen. Dass man sie in Grönland auch für den Weg in die Selbstständigkeit nutzen möchte, sollte eigentlich in Dänemark niemanden verwundern.

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