Leitartikel

„Wirksamer Naturschutz ist nötig“

Wirksamer Naturschutz ist nötig

Wirksamer Naturschutz ist nötig

Apenrade/Aabenraa
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Im täglichen Nachrichtenfluss sind Umweltthemen ständig präsent. „Nordschleswiger“-Redakteur Volker Heesch erinnert aber daran, dass nur wirksame Naturschutzmaßnahmen Artenschwund und schlechte Wasserqualität stoppen können.

Im ständigen Strom von Nachrichten per Zeitung, Fernsehen und immer mehr digitalen Medien zählen Umweltthemen in Dänemark seit Jahren zum festen Bestandteil der Neuigkeiten und Beiträge. Neben bedeutenden Umweltverbänden und Organisationen in Bereichen wie Landwirtschaft, Fischerei oder Tourismus beliefern auch die Behörden die Öffentlichkeit mit Informationen aus Natur und Umwelt oder größere und kleinere Naturschutzvorhaben. Neben staatlichen Behörden sind auch die Kommunen wichtige Akteure auf diesem Gebiet.

Wer die Meldungen zur Kenntnis nimmt, hat mitunter das Gefühl, dass sich die Inhalte widersprechen. An einem Tag kommt eine Meldung über die neueste „rote Liste“ mit noch mehr vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Am nächsten Tag tritt die Umweltministerin in einem Fernsehbeitrag auf und verkündet, dass die Regierung weitere Wälder in Urwälder verwandeln werde und statt derzeit 19 künftig 30 Prozent der Meeresfläche im dänischen Staatsgebiet unter Schutz gestellt werden.

Die erfreulichen Botschaften werden vermutlich gerne von den zuständigen Kabinettsmitgliedern verkündet, während die traurigen Mitteilungen beispielsweise über das anhaltende Verschwinden der einst überall auch in Nordschleswig verbreiteten Steinkäuze dem Vogelschutzverband überlassen werden. Immerhin hat die aktuelle Ministerin Lea Wermelin (Sozialdemokraten) dem Schutzprojekt für Steinkäuze in Nordjütland einen Besuch abgestattet und Sondermittel zur Rettung des letzten Vorkommens lockergemacht.

Beim Thema Meeresschutz fallen einem natürlich gleich die Berichte über sinkende Fangerträge der dänischen Fischer ein, denen deshalb auch immer kleinere Fangquoten genehmigt werden können. Und auch die alljährlichen Reihen von Angaben zur Sauerstoffversorgung der Küstengewässer kommen in diesen Themenkreis, in diesem Jahr sei die Lage besser als 2020, heißt es in der Pressemitteilung der staatlichen Umweltbehörde. Aber Grund zum Aufatmen gibt es offenbar in Nordschleswig nicht, denn das deutsch-dänische Sorgenkind Flensburger Förde weist trotz des kühlen Frühjahrs schon wieder eine für Fische und andere Lebewesen zu niedrige Sauerstoffkonzentration auf.

In der Flensburger Förde sollen zusätzliche Bereiche als Vogelschutzgebiete ausgewiesen werden. Was natürlich nur Sinn ergibt, wenn die dort überwinternden Tauchenten auch noch Miesmuscheln als Nahrung finden können, die nicht nur aufgrund von Sauerstoffschwund, sondern auch der Genehmigung von rabiater Muschelfischerei im Vorkommen dezimiert worden sind. Als Grund für die Sauerstoffprobleme werden in den Behördenmitteilungen seit Jahrzehnten zu hohe Nährstoffkonzentrationen in den dänischen Küstengewässern genannt, die Algenblüten auslösen und nach Absinken des Planktons und dessen Zersetzung den Sauerstoffschwund verursachen.

Somit wird deutlich, dass die Umweltbehörden die Gewässerprobleme nicht im Alleingang lösen können. Die Landwirtschaft entlang der Küsten ist ebenso ein Mitakteur wie der Klimaschutz, denn die Erwärmung der Gewässer ist ebenfalls am Sauerstoffschwund beteiligt, weil nur in kalten Wintern das Meerwasser mit Sauerstoff angereichert wird und zu warmes Wasser in unseren Breiten nicht genügend Sauerstoff lösen kann, auf den die einst wirtschaftlich bedeutenden heimischen Fischarten angewiesen sind.

Die staatliche Naturbehörde „Naturstyrelsen“ wirbt seit Jahren vermehrt für Aktivitäten von Jung und Alt in der heimischen Natur. Dahinter steckt das Prinzip, dass nur die Menschen, die Kenntnis von den Tieren und Pflanzen und der Artenvielfalt haben, auch motiviert sind, diesen Reichtum zu schützen und zu bewahren. Das ist lobenswert, aber birgt auch die zunehmende Gefahr, dass viele die Natur als eine Art Freizeitpark betrachten, der zur allgemeinen Unterhaltung und Zerstreuung da ist. Hier müssen die Naturschutzbehörden klare Ansagen machen, dass beim Schutz seltener und auch häufig vorkommender Arten, deren Bedürfnisse Vorrang haben müssen, damit nicht an Wanderouten Unterholz zertrampelt oder von Mountainbikes Waldränder zerpflügt werden, wo bodenbrütende Vögel im Frühjahr Ruhe benötigen. Oder auch nicht an Küsten für Unruhe gesorgt wird, wo auf Sandstränden Seeschwalben brüten oder in Steilküsten Uferschwalben ihre Höhlen bauen.

Es gilt das Prinzip, dass nur wirksamer Naturschutz die Artenvielfalt und damit auch eine für alle Menschen interessante Natur und gesunde Umwelt erhalten kann. Oft sind dabei auch keine Kompromisse möglich. Erfolge im Naturschutz, wie die Rückkehr der Seeadler nach Nordschleswig, sollten ebenso zu denken geben wie das andauernde Verschwinden von unauffälligen Schmuckstücken wie Braunkehlchen und Schafstelzen, die viele Menschen überhaupt nicht kennen, weil sie sie nie zu Gesicht bekommen haben.

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