Predigtengesetz

Bonnichsen: Gesetz für Hass und Unterdrückung

Bonnichsen: Gesetz für Hass und Unterdrückung

Bonnichsen: Gesetz für Hass und Unterdrückung

kj
Apenrade/Aabenraa
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Hans Jørgen Bonnichsen war lange Spitzenmann im dänischen Geheimdienst PET. Foto: Mathias Bojesen/Ritzau Scanpix

In der Debatte um das Predigtengesetz meldet sich der ehemalige Kriminaloberinspektor des polizeilichen Nachrichtendienstes PET, Hans Jørgen Bonnichsen, zu Wort.

Ein von der dänischen Regierung geplantes Gesetz sieht vor, religiöse Predigten und Verkündungen in anderen Sprachen als Dänisch zu verbieten. Anderssprachige Predigten sollen dann nur noch mit dänischen Übersetzungen erlaubt sein.

Dieser Gesetzesvorschlag hat in den vergangenen Monaten für Kritik gesorgt. Die Pastorin der deutschen Gemeinde in Kopenhagen, Rajah Scheepers, zeigte sich unter anderem im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ über das Gesetz beunruhigt.

In die Debatte um den Gesetzesentwurf hat sich nun auch der frühere Kriminaloberinspektor des Polizeilichen Nachrichtendinstes (PET), Hans Jørgen Bonnichsen, eingeschaltet. Gegenüber „JydskeVestkysten“ sagte er: „Wenn der Gesetzentwurf der Regierung zur Übersetzung von Predigten zur Bekämpfung von Hasspredigern, Terrorismus und Islamisierung des Westens umgesetzt wird, werden meine ehemaligen PET-Kollegen viel zu tun haben, denn wer sollte sonst die Aufgabe übernehmen, solche Gesetze zu verwalten?“

Nach seinen Angaben gebe es in Dänemark 200 christliche und 170 muslimische Gemeinden mit Fremdsprachen. „Dies bedeutet, dass PET eine Vielzahl von Sprachkompetenzen mobilisieren muss, denn wer sagt, dass die übersetzte Predigt mit der gehaltenen identisch ist, sollte wahrscheinlich auch das ganze Jahr über jeden Sonntag oder Freitag in der Moschee knien oder auf der Bank sitzen“, so Bonnichsen.

Gesetzesvorlage kontraproduktiv

Der ehemalige Kriminaloberinspektor hält die „symbolische politische Gesetzesvorlage“ im „Kampf gegen die Radikalisierung für kontraproduktiv“. Seiner Meinung nach ist die Überprüfung des Gesetzes unmöglich: „Selbst ein Versuch, dies zu tun, wird Ressourcen aus effektiver Geheimdienstarbeit verbrauchen und nur dazu beitragen, einen starken Verdacht gegenüber Menschen auszudrücken, die loyale dänische Staatsbürger sind, aber jetzt (wieder!) leiden müssen, weil sie zu einer anderen Kultur gehören oder eine andere sprachliche Herkunft haben.“

Er geht davon aus, dass das Gesetz „nur Hass und eine weitere Kluft zwischen ‚ihnen und uns‘ erzeugen“ wird.

Hans Jørgen Bonnichsen ist erfreut darüber, dass sich gegen das Gesetz Widerstand bei den Bischöfen regt. Er weist darauf hin, dass man gegen Integrationsprobleme kein Gesetz erlassen kann, „für Hass und Unterdrückung“ allerdings schon.

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