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Aarö: Campen, wo man die Ruhe hören kann

Aarö: Campen, wo man die Ruhe hören kann

Aarö: Campen, wo man die Ruhe hören kann

Aarö/Aarø  
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Der kleine Joe (2) genießt die neue große Freiheit auf dem Campingplatz. Foto: Ute Levisen

Endlich Ruhe! Auf dem Campingplatz der Insel Aarö lässt sich gut und tief Luft holen – so gut, dass zahlreiche Campingfreunde immer wieder bei „Aarø Camping“ einkehren. Einige seit nunmehr 50 Jahren. Zum Auftakt der diesjährigen Saison lief allerdings einiges anders.

Alles neu macht der Mai. Und der April. Und auch der März, als die Grenzen geschlossen wurden. Es war daher für die neuen Besitzer des Campingplatzes auf Aarö, Isabell und Dirk Schäfer aus Bayern, kein leichter Start in das neue Leben auf der Insel. Sie machten aus der Not eine Tugend, haben seit der Übernahme von „Aarø Camping“ zum Jahresanfang ordentlich in die Hände gespuckt.

Das Ehepaar Schäfer lernt fleißig Dänisch, meistens „by doing". Das Telefon ist selten lange still. Foto: Ute Levisen

Heute, sechs Monate später – und 14 Kilo leichter, wie Dirk Schäfer lachend verrät, ist die Anlage tiptopp in Schuss: Die sanitären Anlagen strahlen mit dem deutschen Reinheitsgebot um die Wette. Ein fast neuer Spielplatz, erworben aus Armeebeständen, ist das Tüpfelchen auf dem „i“, damit sich auf dem Campingplatz auch die kleinen Gäste willkommen fühlen.

Rege Betriebsamkeit auf dem Campingplatz Foto: Ute Levisen

Die große Freiheit

Joe ist das zweieinhalbjährige Nesthäkchen der Familie, das Maskottchen des Platzes, und er testet alle Spielanlagen.

„Er genießt seine neue Freiheit“, sagt Isabell Schäfer.

Der kleine Joe testet die Spielgeräte auf dem Campingplatz. Foto: Ute Levisen

Die Familie hatte, wie berichtet, ihre Zelte in ihrer bayrischen Heimat abgebrochen, als sie durch den „Nordschleswiger“ von dem damals zum Verkauf stehenden Campingplatz auf Aarö erfahren hatte. Es war nicht nur ein letzter Versuch, sondern auch ein Volltreffer. Die Familie hat ihre Entscheidung nicht bereut.

Der Hildesheimplatz Foto: Ute Levisen

Ungeachtet der vielen Arbeit, die ein Campingplatz mit sich bringt, wirken beide gelöst und mit sich im Reinen.
„Das muss die gute Luft sein“, vermutet Dirk Schäfer. Die hält fit und jung.

Da scheint was dran zu sein, wie eine Ortsbegehung zeigt. Erste Station ist der Hildesheimplatz.

Seit 30 Jahren Camper auf der Insel: Werner Mainz Foto: Ute Levisen

Camping – ein Leben lang

„Den gibt es schon seit 30 Jahren“, erzählt Tim. Der 18-Jährige macht gerade eine Lehre als Binnenschiffer auf dem Rhein und ist auf Heimaturlaub im hohen Norden, wo er seinen Eltern zur Hand geht.

Hedda Knauerhase (links) und ihr Mann sind seit 34 Jahren Feriengäste auf der Insel, wo sie die Sommermonate fernab der Metropole genießen. Foto: Ute Levisen

Auf Aarö kann man die Ruhe hören.

Hedda Knauerhase, Camperin auf Aarö

Der Hildesheimplatz von „Aarø Camping“ ist alle Jahre wieder das Ausflugsziel von Kindern und Jugendlichen einer Schule – genau: aus Hildesheim! Einige Hundert Meter weiter haben sich Werner Mainz und seine Frau häuslich niedergelassen – mit eigenem Rasenmäher, Campingwagen und allem Drum und Dran. Das Ehepaar kommt aus Pinneberg und ist der Insel seit vielen Dekaden verfallen.

Die Familie Schäfer hat ihre Entscheidung, von Bayern nach Aarö zu ziehen, nicht bereut. Foto: Ute Levisen

„Ich campe ja erst seit 30 Jahren auf der Insel“, verrät Werner Mainz lachend – seine Frau seit ihrem siebten Lebensjahr. Seit nunmehr 50 Jahren. Wenn das keine Insel-Liebe ist!

Die größte Badewanne der Welt

Wenige Meter weiter haben Hedda Knauerhase und ihr Mann ihr Domizil aufgeschlagen – auch sie nicht erst seit gestern, „sondern seit 34 Jahren“, wie die Hamburgerin verrät.

Die Rentner haben ihr Haus in Hamburg verkauft, sind stattdessen in eine Wohnung gezogen: „Jetzt können wir den ganzen Sommer auf Aarö Urlaub machen – auf Sizilien pfeifen wir“, strahlt Hedda Knauerhase. Am nahegelegenen Strand liegt das Boot des Ehepaares vertäut. „Damit sind wir oft draußen auf dem Wasser – in der größten Badewanne der Welt.“

Isabell Schäfer mit ihren Söhnen Joe und Tim Foto: Ute Levisen

Beide fühlen sich wohl auf der Insel, genießen die Zeit fernab der Metropole. „Ich pflege zu sagen: Auf Aarö kann man die Ruhe hören“, schmunzelt die Hamburgerin.

In der Tat: Kein Motorengeräusch, so sehr man auch die Ohren spitzt, nur das muntere Gezwitscher der Vögel. Nicht einmal das Bellen von Hunden, die auch auf dem Platz kampieren, gellt durch die Luft.

„Hunde“, sagt Dirk Schäfer, „sind bei uns ebenfalls willkommen.“

Die Uhren ticken anders auf Aarö als in der großen weiten Welt. Foto: Ute Levisen

Neubeginn im Schatten von Corona

Für die Schäfers war das Timing für den Sprung in den hohen Norden perfekt. Oder fast. Dann kam Corona. Die Grenzen waren dicht – die Kundschaft aus dem Süden kam nicht ins Land – dafür kamen viele dänische Camper.

„Etwa 75 Prozent unserer Gäste seit April sind noch nie hier gewesen“, erzählt Isabell Schäfer. „Inzwischen waren einige sogar schon zweimal bei uns!“

Von ihren Gästen ernten die Schäfers viel Lob für die Gestaltung der Anlage. Foto: Ute Levisen

Corona war auch für die Schäfers ein Schlag in die Magengrube. „Aber man kann diese Erfahrung auch als Chance begreifen“, sagt Dirk Schäfer, eine echte Frohnatur.

Wer Ruhe sucht, wird sie auf der Insel, der Perle des Kleinen Belt, wie sie auch genannt wird, finden. Strand, Sonne, Weinreben, wogende Getreidefelder, ein Blick bis nach Assens auf Fünen – und nur ganz wenige Autos.

Der kleine Joe ist für das Wässern zuständig, eine Aufgabe, an die er mit Begeisterung herangeht. Foto: Ute Levisen

Dafür erkunden Radfahrer und Fußgänger die Insel, nicht zuletzt die vielen lokalen Spezialitäten, die auch im Kiosk von Aarø Camping zu haben sind. In den Regalen des kleinen Campingladens findet man keinen Kitsch, sondern beispielsweise Bier- und Gewürzkreationen und Honig, alles Erzeugnisse von der Insel.

Erzeugnisse von der Insel stehen in den Regalen im Kiosk des Campingplatzes. Foto: Ute Levisen

Starker Zusammenhalt

Auf Aarö ticken nicht nur die Uhren anders: Die Inselgemeinschaft zeichnet sich durch einen starken Zusammenhalt aus.

„Die Herzlichkeit und die Hilfsbereitschaft haben uns überrascht und überwältigt“, räumt Dirk Schäfer ein. Keiner bleibe hier auf sich gestellt.

Der Campingplatz ist mit viel Liebe gestaltet worden. Foto: Ute Levisen

Der Gemeinschaftssinn auf der Insel und die Kreativität ihrer Bewohner haben Aarö die Nominierung für den Titel „Insel des Jahres 2020“ eingebracht. Die Entscheidung fällt Ende August.

Bis es so weit ist, liegen vor den Schäfers geschäftige Sommermonate, denn nicht zuletzt wegen der Reisebeschränkungen entdecken gerade immer mehr Dänen ihr Heimatland. Und warum auch in die Ferne reisen, wenn das Gute liegt so nah?

Die Schäfers sind auch begeisterte Wassersportler und haben diesbezüglich noch einiges vor. Foto: Ute Levisen
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