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Abenteuer: Lehramtsstudium in Hadersleben

Abenteuer: Lehramtsstudium in Hadersleben

Abenteuer: Lehramtsstudium in Hadersleben

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Am Haderslebener University College Syd können auch internationale Studierende eine Lehrerausbildung machen. (Symbolfoto) Foto: UC Syd

Im vergangenen Jahr feierte nicht nur die deutsch-dänische Grenze ihr 100-jähriges Bestehen, sondern auch das Lehrerseminar in Hadersleben, das heute dem University College Syd angehört. Der „Nordschleswiger“ hat dies zum Anlass genommen, sich mit zwei internationalen Studentinnen über das Abenteuer „Lehramtsstudium in Hadersleben“ zu unterhalten.

Studieren im Ausland: Flóra und Júlia

Flóra Isza ist 20 Jahre alt und kommt aus der slowakischen Stadt Velke Kapusany, nahe der ungarischen und ukrainischen Grenze. Júlia Vañó Boira ist ebenfalls 20 Jahre alt und kommt aus Barcelona in Spanien. Seit August 2019 leben die beiden in Hadersleben und gehen ihrem Lehramtsstudium am University College Syd nach.

Lehramtsstudiengänge gibt es viele in Dänemark, und dennoch ist der Studiengang in Hadersleben einzigartig. Denn es ist der einzige Studiengang im gesamten Land, der auch für internationale Studierende ohne Dänisch-Kenntnisse offen ist.

Der „Nordschleswiger“ hat sich mit den beiden internationalen Studentinnen, Flóra Isza und Júlia Vañó Boira, getroffen, und sich mit ihnen über ihre Erfahrungen als internationale Lehramtsstudierende in Hadersleben unterhalten.

Traumberuf: Lehrerin

„Ich wusste schon immer, dass ich Lehrerin werden wollte. Mich für einen Studiengang zu entscheiden war daher kein Problem“, berichtet Flóra Isza. Auf die Idee, für ihr Studium nach Dänemark zu gehen, kam sie durch drei Mitschüler, die sich nach ihrem Abschluss ebenfalls für ein Studium in Dänemark entschieden hatten.

Flóra Isza aus der Slowakei hat sich nach ihrem Abitur für ein internationales Lehramtsstudium in Hadersleben entschieden. Foto: Annika Zepke

Als sie bei ihren Recherchen dann auch noch entdeckte, dass das Studium in Dänemark zumindest für europäische Staatsangehörige kostenlos ist, stand für Isza fest: „Ich ziehe nach Dänemark.“ Den Studiengang in Hadersleben zu finden, war dabei gar nicht so einfach, wie die 20-Jährige verrät: „Ich musste ziemlich lange suchen, bis ich einen beziehungsweise den einzigen Lehramtsstudiengang gefunden hatte, der auch internationale Studierende annimmt.“

Von den Besten lernen

Ähnlich erging es Júlia Vañó Boira mit ihrer Studienwahl. Eine Dokumentation über die gefährlichsten Schulwege der Welt weckte in ihr den Wunsch, Lehrerin zu werden und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Da sie bereits als Kind den Traum hatte, ihr Studium im Ausland zu absolvieren, informierte sie sich über verschiedene Lehrerausbildungen in Skandinavien. „Meine Wahl fiel auf die skandinavischen Länder, weil diese in Spanien als die Länder mit der besten Grundschulbildung gelten und ich gerne von den Besten lernen wollte“, so die Studentin.

Júlia Vañó Boira aus Spanien hat sich für ein Lehramtsstudium in Dänemark entschieden, um von den Besten zu lernen, wie die 20-Jährige sagt. Foto: Privat

Wie ihre Kommilitonin stieß auch Júlia Vañó Boira bei ihren Recherchen auf den internationalen Lehramtsstudiengang in Hadersleben, bewarb sich und wurde angenommen.

Gefallen am dänischen Schulsystem

Seit anderthalb Jahren wohnen und studieren die beiden mittlerweile in Dänemark und haben durch ihre Praktika nicht nur erste Erfahrungen im Unterrichten sammeln können, sondern auch einen Einblick in das dänische Schulsystem bekommen.

Besonders beeindruckt sei Isza anfangs von den vielen Lernmaterialien gewesen, wie sie erzählt: „In meinem ersten Praktikum konnte ich gar nicht fassen, dass wir so viele Seiten drucken dürfen, wie wir möchten. An meiner Schule in der Slowakei war Drucken ein Luxus, weil das Geld für Druckerpapier fehlte.“

Es ergibt Sinn, dass wir Dänisch sprechen können müssen, wenn wir im Rahmen unseres Praktikums auf Dänisch unterrichten sollen, aber es ist quasi unmöglich, dies innerhalb von zwei Jahren zu schaffen.

Flóra Isza

Doch nicht nur die Unterrichtsmaterialien sind es, die der Studentin am dänischen Schulsystem gefallen. Auch das lockere Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern sage der 20-Jährigen zu: „Es hat mich anfangs zwar sehr überrascht, dass die Schüler ihre Lehrer beim Vornamen nennen, aber ich finde es schön, dass man auch in den Pausen mit den Schülern ins Gespräch kommen und sie besser kennenlernen kann. Das ist in der Slowakei eher unüblich.“

Die Praxis im Fokus

Der Studentin Júlia Vañó Boira gefällt nicht nur das Unterrichtssystem in den Grundschulen, sondern auch an ihrer Universität, dem UC Syd. In Barcelona hatte sie bereits ein Jahr lang die Uni besucht und kann daher gut einen Vergleich zwischen den beiden Lehrmethoden ziehen: „Das Studium in Hadersleben unterscheidet sich sehr von dem in Barcelona. Ich mag, dass der praktische Teil hier sehr im Fokus steht, und dass in den Klassen relativ wenig Schüler sind. Außerdem gibt es viel Gruppenarbeit und Raum für Diskussionen, das gefällt mir.“

Der einzige Nachteil hier in Dänemark sei die Sprache, meint sie lachend: „Wobei es ja eher eine Herausforderung als ein Nachteil ist.“

Sprachliche Herausforderung

Bereits am Ende ihres zweiten Studienjahres, sprich am Ende des vierten Semesters, müssen internationale Studierende ihre Dänisch-Kenntnisse unter Beweis stellen und die Sprachprüfung 3 ablegen, was in etwa einem B2-Sprachniveau des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens entspricht.

Zweimal pro Woche steht für die internationalen Lehramtsstudierenden Dänisch auf dem Programm – im Haderslebener Sprachenzentrum. Foto: Annika Zepke

„Es ist eine große Herausforderung, dass wir nach zwei Jahren fast fließend Dänisch sprechen können müssen“, so die 20-Jährige, die ohne Dänisch-Kenntnisse nach Hadersleben gekommen ist. „Es ergibt Sinn, dass wir Dänisch sprechen können müssen, wenn wir im Rahmen unseres Praktikums auf Dänisch unterrichten sollen, aber es ist quasi unmöglich, dies innerhalb von zwei Jahren zu schaffen“, meint auch Flóra Isza, die wie alle anderen internationalen Studierenden zweimal pro Woche für zweieinhalb Stunden die Sprachschule besucht.

Dialogorientierte Universität

Doch auch in dieser Hinsicht sei die Universität sehr offen für Anregungen und Diskussionen meint Júlia Vañó Boira, denn die Verantwortlichen des Studiengangs stünden bereits mit den internationalen Studierenden im Dialog, um eine realistische Lösung für die sprachlichen Herausforderungen zu finden. „Es ist wunderbar, dass die Uni uns ein offenes Ohr schenkt, sich dieser Thematik annimmt und mit uns gemeinsam an einer Lösung arbeitet.“

Dänemark ist ein fantastischer Ort, um sesshaft zu werden. Aber erst einmal möchte ich die Welt sehen und in den verschiedensten Schulsystemen arbeiten, auch dort, wo Bildung nicht selbstverständlich ist.

Júlia Vañó Boira

Für immer?

Ob die beiden dauerhaft in Dänemark bleiben wollen, können sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, aber ausschließen möchten sie es nicht. „Ich kann mir gut vorstellen, erst einmal Unterrichtserfahrungen in Dänemark zu sammeln. Mir gefällt das hiesige Schulsystem wirklich sehr. Und wenn ich direkt nach meinem Studium in die Slowakei zurückgehen würde, hätte ich vermutlich Schwierigkeiten, mich im slowakischen Bildungssystem zurechtzufinden“, meint Flóra Isza und betont zugleich, dass sie noch nicht wisse, ob es sie überhaupt zurück in ihre Heimat verschlagen werde.

Júlia Vañó Boira kann sich gut vorstellen, eines Tages in Dänemark zu leben und zu arbeiten. Vorher möchte sie aber reisen, wie sie verrät: „Dänemark ist ein fantastischer Ort, um sesshaft zu werden. Aber erst einmal möchte ich die Welt sehen und in den verschiedensten Schulsystemen arbeiten, auch dort, wo Bildung nicht selbstverständlich ist.“

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