Kindergartenpoesie

„Geschichten fallen nicht vom Himmel“

„Geschichten fallen nicht vom Himmel“

„Geschichten fallen nicht vom Himmel“

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Die Poetry-Slammer Mona Harry und Björn Högsdal statteten dem Deutschen Kindergarten Hadersleben am Freitag mit ihrem Pilotprojekt „Kindergartenpoesie“ einen Besuch ab. Foto: Annika Zepke

Wenn Monster im Legoland vor verschlossenen Türen stehen und bunte Kühe mit Spinnenbeinen auf Tausendfüßleraugen treffen, dann waren kleine Poeten am Werk. Am Freitag statteten die Poetry-Slammer Björn Högsdal und Mona Harry mit ihrem Workshop „Kindergartenpoesie“ dem Deutschen Kindergarten Hadersleben einen Besuch ab.

„Am Anfang eines jeden Workshops zählen wir mit den Kindern immer bis drei, und dann werfen wir eine Schnur in die Mitte. Die Kinder sollen dann schauen, was sie in dem Faden erkennen“, berichtet das „Kindergartenpoesie“-Duo, bestehend aus Björn Högsdal und Mona Harry.

Die beiden haben sich in Schleswig-Holstein als Poetry-Slammer einen Namen gemacht. Aktuell touren sie aber mit dem Pilotprojekt „Kindergartenpoesie“ durch die Kindergärten der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

Fantasie und Kreativität anregen

„Was die Kinder in dem Faden sehen, ist immer unterschiedlich“, erzählt Mona Harry. „Die Trolle haben in ihrem Faden zum Beispiel eine bunte Kuh mit Spinnenbeinen und das Auge eines Tausendfüßlers gesehen“, so Harry. Bei den Schlümpfen sei aus dem Faden ein Monster entstanden. Wie Harry erklärt, habe vieles von dem, was die Kinder in dem Faden sehen, mit ihnen selbst und ihren eigenen Erlebnissen zu tun.

Die Trolle hatten viele kreative Ideen für ihre Geschichte. Foto: Privat

„Wir sehen uns nur als Katalysator“, ergänzt Björn Högsdal. „Wir sammeln die Ideen der Kinder und führen sie zusammen. Aber die Geschichten entwickeln sie selbst. Wir wollen mit unseren Fragen nur ihre Fantasie und Kreativität anregen.“

Kreativität auf vielen Ebenen

Am Ende eines jeden Workshops spielt das Slammer-Duo mit den Kindern ihre eigene Geschichte noch einmal nach. „Uns ist es wichtig, dass wir möglichst viele Ebenen in unserem Konzept aufgreifen. Das heißt, wir haben Dinge zum Anfassen, wir malen, und wir machen Bewegungen passend zur Geschichte, sodass die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder angesprochen werden“, betont Harry, die am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg eine zweijährige Multiplikationsausbildung zur Kinderphilosophin absolviert hat.

Mit ihrem Projekt wollen die beiden den Kindern nicht im klassischen Sinne etwas beibringen, sondern sie zum freien Denken und Assoziieren anregen und ihre Kreativität fördern. Nur eines sollen die Kinder bei ihrem Workshop lernen, meint Högsdal: „Geschichten fallen nicht vom Himmel. Wir möchten ihnen zeigen, dass sie mir ihrer Fantasie eigene Geschichten entwickeln können.“

Die Kinder der Troll-Gruppe malten in ihren Faden eine bunte Kuh mit langen Spinnenbeinen. Foto: Privat

Das Konzept soll bleiben

Auch Erzieherin Ingrid Urbanisch ist begeistert von der Kindergartenpoesie: „Das war ganz toll. Erst war ich etwas skeptisch, ob die Kinder vielleicht noch etwas zu klein sind, schließlich sind die meisten in meiner Gruppe erst drei. Aber es waren von Anfang bis Ende alle Kinder voll dabei. Selbst diejenigen, die sonst eher schüchtern und reserviert sind.“

Für sie als Erzieherin sei es schön gewesen, mit anzusehen, wie die Kinder bei der Geschichte ihrer Fantasie freien Lauf gelassen haben. Daher soll das Konzept auch in Zukunft im Deutschen Kindergarten Hadersleben zum Einsatz kommen, wie Urbanitsch mit einem Zwinkern verrät: „Die Idee werden wir auf jeden Fall für unsere Kleingruppen klauen.“

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