Kunst

Haderslebener Künstlerin malt sich aus der Krise und für die Forschung

Haderslebener Künstlerin malt sich aus der Krise und für die Forschung

Haderslebener Künstlerin malt sich aus der Krise und für die

Hadersleben/Berlin
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Linda Baum in ihrem Atelier in Berlin Kreuzberg Foto: Malene Lauritsen

Multiple Sklerose: Die Diagnose war eine Hiobsbotschaft für Linda Baum. Die Kunst half ihr, sich selbst zu helfen. Jetzt stellt die deutsche Nordschleswigerin ihre Werke in der Berliner Charité aus.

Die Nachricht schlug vor zwei Jahren ein wie eine Bombe: Linda Baum leidet an Multipler Sklerose! Für die junge Frau aus Hadersleben, die es nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Aarhus nach Berlin zog, brach damals eine Welt zusammen. Mit ihrer Kunst half sie sich aus der Krise: In den nachfolgenden Monaten schuf sie zwölf Kunstwerke, die ihren Umgang mit der tückischen Krankheit verbildlichen.

Kreativ für einen guten Zweck

Am 30. Mai, dem Welt-MS-Tag, zeigt die 33-Jährige ihre Werke in der Berliner Charité. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) entstanden und trägt den Titel „ONE YEAR VIA ART“.
Nachfolgend werden Baums Werke in Regie des Auktionshauses Lauritz.com vom 30. Mai bis 16. Juni versteigert. Der Gewinn kommt in vollem Umfang der Sklerose-Forschung zugute.
„Ich will die Bilder nicht bei mir Zuhause haben, sondern etwas Gutes damit bewirken!“, sagt die junge Frau, deren Werke noch eine weitere Dimension ihres Lebens widerspiegeln: Kurz nach der Diagnose wurde Linda Baum schwanger.

„Ich wollte die Krise aus mir herausmalen!“

Die 33-Jährige hat das Auf und Ab nach der Diagnose in diesen 12 Kunstwerken festgehalten. Ein Jahr lang schuf sie jeden Monat ein Bild.
„Ich wollte die Krise aus mir herausmalen“, sagt die Künstlerin. Ihre Werke sind ein Spiegel ihrer mentalen und emotionalen Entwicklung und stellen zugleich den Veränderungsprozess dar, den sie aufgrund ihrer Krankheit durchlebte. Ihre Schwangerschaft war dabei ein weiterer Umbruch, der sich in ihren Werken widerspiegelt.
Linda Baums Arbeiten dokumentieren dabei nicht den Krankheitsverlauf, sondern ihre psychische Entwicklung seit der Schock-Diagnose: Angst, Unsicherheit, Verwirrung, aber auch Hoffnung und Zuversicht. Aus ihrer künstlerischen Tätigkeit heraus entstand der Wunsch, mittels ihrer Kreativität Geld für die Erforschung der bislang unheilbaren Krankheit – und für Menschen zu sammeln, die wie sie an dieser Krankheit leiden.

Linda Baum Foto: Malene Lauritsen

Silokunst in Hadersleben

In Hadersleben ist Linda Baum keine Unbekannte: Als Assistentin von des Kopenhagener Künstlers Victor Ash wirkte sie vor sechs Jahren an der Gestaltung des Haderslebener Silos mit, das die größte Wandmalerei des Landes zeigt.

Linda Baum, hier zu sehen mit Victor Ash Foto: Ute Levisen

„ONE YEAR VIA ART“

Die Vernissage wird am 30. Mai 2019 ab 18 Uhr in der Hörsaalruine des Medizinhistorischen Museums der Berliner Charité eröffnet. Umrahmt wird die Ausstellung durch Beiträge renommierter Neurologen wie des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Prof. Dr. Peter Berlit, der Vorsitzenden des DMSG-Bundesverbandes und Leiterin des MS Zentrums am Jüdischen Krankenhaus Berlin, Prof. Dr. Judith Haas, sowie der Studienkoordinatorin am NeuroCure Clinical Research Center, Charité Universitätsmedizin Berlin, Dr. Judith Bellmann-Strobl.
„Keiner sieht’s. Eine(r) spürt’s“: Unter diesem Motto möchten die DMSG und der Bundesbeirat MS-Erkrankter auf die verborgenen Belastungen aufmerksam machen, mit denen Menschen mit MS konfrontiert sind, und für Unterstützung werben.
In ihrem Buch mit dem Titel "„ONE YEAR VIA ART“ beschreibt Linda Baum ihre 12 Werke und den mentalen Prozess, den sie durchlebt hat. Es ist in drei Sprachen erschienen: in deutscher, englischer und dänischer Sprache.

Weitere Informationen zu dem Buch finden Sie hier:
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