Geschichte

Heimatkundler gedachten der Abstimmung 1920

Heimatkundler gedachten der Abstimmung 1920

Heimatkundler gedachten der Abstimmung 1920

Tingleff/Tinglev
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Der Vorsitzende der HAG, Lorenz P. Wree (stehend), las aus einem Erinnerungstext des deutschen Pastors in Scherrebek, Gottfried Horstmann, der den Abstimmungstag am 10. Februar 1920 lebendig machte. Foto: Volker Heesch

Die Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) hat sich zur Generalversammlung in der der Deutschen Schule Tingleff getroffen. Der Vorsitzende Lorenz P. Wree erinnert anhand eines Textes an einen stürmischen 10. Februar 1920.

Während der Generalversammlung der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) in der Deutschen Schule Tingleff haben die rund 40 Anwesenden gegen Abschluss der Veranstaltung dem 100. Jahrestag der Volksabstimmung in Nordschleswig am 10. Februar 1920 gedacht.

HAG-Schriften beleuchten historisches Geschehen

Der HAG-Vorsitzende Lorenz Peter Wree wies auf den reichen Fundus an Beiträgen zur Geschichte der Neuziehung der deutsch-dänischen Grenze in den Heften der HAG hin. So berichtete Prof. Erich Hoffmann im Jahrgang 1990 über die Geschichte der deutschen Volksgruppe in den Jahren nach 1920, und Schulrat a. D. Artur Lessow stellte Foschungen zur Haltung der USA zur Schleswig-Frage vor der Abstimmung 1920 vor.

Eindruck vom Abstimmungstag in Scherrebek vor 100 Jahren

Lorenz P. Wree las aus Schilderungen des Zeitzeugen der Abstimmung 1920, Pastor Gottfried Horstmann, vor. Dieser war am 10. Februar noch Pastor in Scherrebek. Für ihn wie für die übrigen deutschen Nordschleswiger war nach Bekanntgabe der Bedingungen im Friedensvertrag von Versailles im Mai 1919 klar, dass in der Abstimmungszone 1 eine Mehrheit für Dänemark aufgrund der Abgrenzung des Abstimmungsgebietes unter Einschluss von Gebieten mit absehbar dänischer Mehrheit sicher war.

„Wie hatten sich die Dänen gerüstet zu gewaltigen Festen! Der Sieg war ihnen ja sicher, und uns graute vor dem Tag, graute vor dem Triumph aud den Straßen, den Klängen von Musik und Siegesgesang, die aus allen Versammlungen über das Dorf schallen würden, den vielen Danbrogs!“, schrieb Horstmann.

Wetterlage 2020 fast wie 1920

Interessant war in den Erinnerungen Horstmanns, dass er über einen Abstimmungstag mit Sturm und Regen berichten konnte. Fast wie am 10. Februar 100 Jahre später. Der Regen klatschte an die Fenster, der Sturm heulte um die Häuser, die Menschen bewegten sich windzerpeitscht und regendurchnässt auf den Straßen. Die Fahnenstangen bogen sich, viele Danebrogs zerfetzte das Unwetter.

Trauer angesichts der Abstimmung

„Nur im Süden gibt es fast rein deutsche Wahlbezirke: Tondern, Hoyer und manche andere, aber sie werden alle vergewaltigt: Sie müssen mit nach Dänemark“, schrieb Horstmann in Anspielung an die Abstimmungsmodalität, dass nur das Ergebnis der gesamten Abstimmungszone 1 mit klarer dänischer Mehrheit von 74,2 Prozent galt.

Diese Karte Karl Alnors zeigt rot unterlegt, wo es deutsche Mehrheiten in beiden Abstimmungszonen 1920 gab. Foto: Volker Heesch

Deutsche Mehrheiten unter anderem auch in Sonderburg und Apenrade gingen im Gesamtergebnis unter.

Historiker Lubowitz erläuterte heutiges Gedenken

Der Leiter des Archivs/Forschungsstelle der deutschen Minderheit, Frank Lubowitz, lieferte in der Diskussion der Versammlung Informationen zur heutigen Erinnerung an die Geschehnisse vor 100 Jahren. Er berichtete, dass in Schleswig-Holstein heute weniger die Erbitterung vieler Menschen nach 1920 über den Verlust Nordschleswigs und dem Gefühl deutscher Nordschleswiger, durch die Abstimmungsmodalitäten benachteiligt worden zu sein, Interesse findet.

Vielmehr wolle man in die Zukunft schauen und das heutige gute deutsch-dänische Verhältnis im Grenzland feiern.

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