Wahlanalyse

Lose Favoritin im Kampf um den Roten Wurm – SF-Søvndal ein „Dark Horse“

Lose Favoritin im Kampf um den Roten Wurm – SF-Søvndal ein „Dark Horse“

Lose Favoritin im Kampf um den Roten Wurm – SF-Søvndal ein „Dark Horse“

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Vejle
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Regionsratsvorsitzende Stephanie Lose (Venstre) ist Favoritin im Kampf um den Posten als Regionsratschef. Foto: Region Syddanmark

Wahlanalyse vor der Regionsratswahl am 21. November, wo viele Wähler in Süddänemark wechseln wollen.

Als völliger Neuling in der Regionspolitik hat die Schleswigsche Partei mit ihrem 66-jährigen Spitzenkandidaten auf der gebundenen Parteiliste, Gösta Toft, relativ gute Chancen, auch nicht-traditionelle SP-Wähler anzusprechen. Denn laut einer Wahlanalyse von Jysk-Fynske Medier will jeder sechste bis siebte Wähler am 21. November auf eine andere Partei stimmen als bei der Regionswahl 2013.

Als Grund für die Wechselgedanken werden da primär der ausführlich beschriebene Fall Holst und das Hick-Hack um das Ambulanzunternehmen Bios angegeben. Man will die Verantwortlichen bestrafen.

Dabei könnte es den wiederholten Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten, den Mittsechziger Poul-Erik Svendsen, härter treffen als die amtierende Regionsvorsitzende von Venstre. Stephanie Lose (34), die es laut durchweg aller Beobachter gut gemacht hat, seitdem sie Ende Juni 2015 Venstre-Sonnenkönig Carl Holst ablöste und danach diverse „Mist-Sachen“ lösen musste im Hauptsitz, dem sogenannten Roten Wurm, der auch unter der sehr schlechten Chemie in der Spitze des Beamtenapparates litt.

Lose ist klare Favoritin

Die junge Lose ist laut bisheriger Analysen auch klare Favoritin, wenn es nach der Wahl Ende November darum geht, den Regionsvorsitz zu besetzen. Obwohl ihrer Venstre-Partei ein Verlust von rund fünf Prozentpunkten auf ca. 30 Prozent der Stimmen vorhergesagt worden ist, spricht für Lose, dass Rivale und Genosse Svendsen selbst bei seinen eigenen Wählern nicht der Wunschkandidat für den Regionsvorsitz ist, zumal er seit Gründung der Region Vize gewesen ist – fast zehn Jahre neben Holst und seit Juni 2015 neben Lose.

Die Wähler nehmen Svendsen nicht ab, dass er vom Holst-Agieren, der schlechten Zusammenarbeit in der Administrationsspitze usw. nichts gewusst haben will. Svendsen sei Teil des Klüngels, so der Tenor. Trotzdem wird der Sozialdemokratie ein Status quo oder gar ein leichtes Zulegen prognostiziert. Nein, neben Lose wird SF-Neuling und Altmeister, Ex-Außenminister Villy Søvndal, als potenzieller Kandidat für den Regionsvorsitz gehandelt, wenn oder falls Rot das Rennen machen sollte.

Der einstige landesweite Stimmenmagnet und Ex-Parteichef der Volkssozialisten hat sich nach seinem krankheitsbedingten Rückzug aus der Landespolitik vor ein paar Jahren mit neuen Kräften mit der Regionspolitik als Plattform zurückgemeldet. Der 65-Jährige will ausmisten nach Holst und jenen, die ihm geholfen haben.

Dass er sich dabei den gleichaltrigen Genossen Svendsen als erklärten Partner ausgesucht hat, klingt in den Ohren vieler etwas hohl. Aber ohne Sozialdemokraten geht im roten Lager nichts – und sollte es wider Erwarten eine Mehrheit geben für den linken Flügel, dann müsste es intern schon eine Palastrevolution geben, wenn die Genossen Svendsen absägen sollten für einen anderen Vorsitzenden. Aber in der Politik ist alles möglich – und Svendsen ist die Vize-Rolle ja gewohnt. Das wird sich dann am Wahlabend nach Auszählung der Stimmen zeigen. Carl Holst hat die jüngsten drei Konstituierungsrunden souverän für sich entscheiden können mit einer blauen Mehrheit.

Im blauen Lager hat sich einiges getan

Aber im blauen Lager hat sich seit dem Wechsel von Holst in die Landespolitik vor zwei Jahren so einiges getan. Da hat sich gerade im Zuge des (erfolglosen) Versuches, den ehemaligen Regionschef vor den Kadi zu ziehen, eine alternative Mehrheit gebildet. Mit dem 61-jährigen Haderslebener Fraktionschef Thies Mathiasen hat DF zusammen mit dem roten Lager eine harte Holst-Linie gefahren gegenüber Venstre, Radikalen und der Liberalen Allianz. Die Konservativen waren da mit im Boot, und die haben diesmal ganz klar erklärt, dass man mit dem neuen Spitzenkandidaten Morten Weiss-Pedersen (59) aus Middelfart primär bei der Konstituierung eigene Ziele verfolgen will. Von Venstre sei man zutiefst enttäuscht: ebenfalls eine Holst-Altlast, denn er habe die Konservativen am Wahlabend 2013 links liegen gelassen. Das kreidet man Holst, Venstre und damit auch Lose im ganz neuen Spitzen-Team der Liste C immer noch an. Das heißt, dass die Konservativen nicht automatisch zum blauen Lager gezählt werden sollten, wenn es um die Postenverteilung geht.

Dabei geben Prognosen dem blauen Lager inklusive DF und Konservativer Volkspartei weiterhin eine Mehrheit. Dem konservativen Team wird im Vorfeld des Wahlkampfes allerdings ein leichter Rückgang prognostiziert, während die blauen „Rivalen“ von DF bei rund zwölf Prozent bleiben sollten. Interessant wird es zu sehen, was die Liberale Allianz bewegen kann. Mit ihren rund 2,5 Prozent hält sie im Regionsrat vertreten durch Ärztin Marianne Mørk Mathiesen (65) aus Esbjerg ein Mandat, dass sich in jüngster Zeit sehr häufig und markant in die Debatte eingeschaltet hat.

Neuen Bürgerlichen

Zum bürgerlichen Lager zählt auch der Vertreter der Neuen Bürgerlichen, Holger Gorm Petersen (62). Der weiterhin loyale Holst-Gefolgsmann wurde vor vier Jahren als einer von fünf DF-Leuten in den Roten Wurm gewählt. Er war dann längere Zeit parteilos, bevor er sich der neuen Partei anschloss.

Zum bürgerlichen Lager gehörte bisher auch das eine radikale Mandat, das der Mann der ersten Stunde, Kristian Grønbæk Andersen aus Odense, markant und unter anderem auch grenzüberschreitend eingesetzt hat. Sein Nachfolger dürfte die neue Spitze der Partei, Nils Sjøberg (57) aus Kolding, werden. Er hat erklärt, dass er Lose seine Stimme geben werde im Kampf um die Regionsspitze: Das tue man, um Venstre gen Mitte zu ziehen, und er sei der Ansicht, dass Lose es nach Holst gut gemacht habe. Daher wollen die Radikalen weitestgehend die Politik fortführen, die man aktuell im Regionsrat führt: „Weil im Großen und Ganzen in der Organisation aufgeräumt worden ist – und weil wirklich eine klare ökonomische Politik geführt wird.“

Das sieht das rote Lager natürlich völlig anders, obwohl fast alle Beschlüsse im Regionsrat mit breiter Mehrheit getroffen werden. Jüngstes Beispiel ist da der breite Budgetvergleich für 2018, dem nur das eine EL-Mandat die Zustimmung versagte. Aber der Neueinsteiger Søvndal will die Wahl gewinnen, indem er immer wieder an das „Holst-Regime“ erinnert und daran, dass Vertrauen wichtig ist.

SF: Mehr als zwei Mandate

In den Umfragen hat ihm das bisher einen Sprung von 4,5 Prozent bei der Wahl 2013 auf knapp acht Prozent aktuell gebracht. SF dürfte also mehr als die heutigen zwei Mandate gewinnen, aber wer regieren will im Roten Wurm, muss bekanntlich bis 21 zählen können. Da ist es dann auch wichtig, was die in den letzten vier Jahren intern so gebeutelte Einheitsliste bei der Wahl zustandebringt. Die Partei holte 2013 auch zwei Mandate – verlor das eine aber bald, weil man Mandatsträger Mikkel Andersen ausschloss, da er die interne Parteisteuer nicht entrichtet hatte. Er wurde parteilos, und später trat er ganz aus und zog weg. Sein Suppleant Andreas Lund Andersen wechselte Anfang des Jahres dann auch noch zur Alternative, wo er seine politische Zukunft sieht. Die 69-jährige Vibeke Syppli Enrum ist erneut EL-Spitze.

Es wird also spannend zu sehen, wie sich das linke Lager nach dem 21. November aufstellt. Ganz links müssten Stimmen zu holen sein, zumal SF-Spitze Søvndal nach seiner Regierungsbildung mit den Sozialdemokraten und den Radikalen vor einigen Jahren nicht den Geschmack aller treffen dürfte.
Es wird sich sicher etwas bewegen bei und nach der Wahl – so oder so. Das ist dann auch die Chance für neue Leute wie Gösta Toft und die Schleswigsche Partei.

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