Leitartikel

„Das ändern wir mal eben – oder besser doch nicht?“

Das ändern wir mal eben – oder besser doch nicht?

Das ändern wir mal eben – oder besser doch nicht?

Apenrade/Aabenraa
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Der aktuelle Streit über sogenannte „Mega-Sommerhäuser“ zwingt uns, zu der Frage Stellung zu beziehen, welchem Ziel Sommerhauskolonien in Zukunft dienen sollen – und wie groß wir das Wort Fairplay heute noch schreiben, meint Nils Baum.

Übernachtungsmöglichkeiten für 15 bis 20 Menschen, besonders viel Platz im Wohnzimmer, eine geräumige integrierte Sauna, vielleicht noch ein Swimmingpool, und der Partyraum mit Bar darf auch nicht fehlen – das sind die Zutaten für ein sogenanntes „Mega-Sommerhaus“.

Zwar sind solche extra großen Sommerhäuser kein neues Phänomen, aber dennoch haben sie in jüngster Zeit negative Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Denn an mehreren Orten im Lande gibt es wegen ihnen Streit. Einer davon ist Mummark (Mommark) auf Alsen, wo 15 Mega-Sommerhäuser gegen die Bestimmungen im Bebauungsplan (lokalplan) gebaut wurden.

Insgesamt gibt es aktuell etwas mehr als 3.000 Sommerhäuser mit einer Größe zwischen 200 und 499 Quadratmetern; jenseits dieser Größenordnung finden sich weitere 143 Objekte. Aufgrund ihrer Größe und ihrer besonderen Ausstattung vermieten die Besitzer ihre großen Objekte oftmals, um sie überhaupt finanzieren zu können.

Und das zum Leidwesen der übrigen Bewohnerinnen und Bewohner in der betroffenen Sommerhauskolonie. Zwar können Sommerhäuser auch vermietet werden, wird die Eigennutzung jedoch komplett hintenangestellt, ist dies ein Verstoß gegen die Regeln für die Nutzung von Sommerhäusern. Zudem löst ein solches Vorgehen bei vielen Nachbarn die Furcht vor Partylärm, Verschmutzung und Unruhe durch besonders viel Verkehr aus.

Auf der anderen Seite stehen die Lokalpolitiker, die sich von solchen Mega-Häusern wirtschaftlichen Wohlstand für ihre Kommune versprechen. Denn Touristen, ob sie nun aus Dänemark oder dem Ausland kommen, spülen bekanntlich Geld in die lokalen Kassen, sei es beim Kaufmann um die Ecke oder bei Anbietern von Freizeitaktivitäten in der Kommune.

Neben Mummark gibt es derzeit auch in Marielyst auf Falster, in Asserbo auf Nordseeland und Thy in Westjütland Ärger um die Mega-Sommerhäuser. In Mummark hat die Kommune Sonderburg (Sønderborg) beschlossen, die Häuser trotz eines Verstoßes gegen den Bebauungsplan stehen zu lassen. Stattdessen soll ein neuer Bebauungsplan, der gerade ausgearbeitet wird, sie nachträglich legalisieren. Sollte er mehrheitlich verabschiedet werden, könnten sogar weitere Mega-Sommerhäuser in der Gegend entstehen.

Der Riss geht damit inzwischen nicht mehr nur durch die nachbarschaftliche Gemeinschaft, sondern auch durch die Kommunalparlamente. Der nachträgliche Abriss bereits gebauter Häuser ist kostspielig und eine Verschwendung von Ressourcen. Zwar kann ein Bebauungsplan durchaus jederzeit geändert werden, weshalb der Leitsatz „Med lov skal land bygges“ („Auf Recht und Gesetz soll ein Land fußen“) hier nicht im Wortsinne greifen mag, obwohl er doch nahezulegen scheint, dass erst das Gesetz und dann die bauliche Aktivität erfolgen sollte.

Und dennoch gibt es für Sommerhauskolonien Rahmenbedingungen, die alle dort wohnenden Parteien einhalten sollten. Dazu zählt vor allem der Gedanke, dass ein Sommerhausgebiet Erholungszwecken dient.

Deshalb ist es auch in erster Linie Menschen im Pensionsalter vorbehalten, dort ganzjährig zu wohnen. Ansonsten bleibt die durchgehende Nutzung auf acht Monate im Jahr beschränkt, weshalb ein Sommerhaus auch nicht als fester Wohnsitz in Betracht kommt. Außerdem geht es um Küsten- und Naturschutz. Mega-Sommerhäuser schneiden Schneisen in Waldgebiete und verändern den Charakter der Küstengebiete. Und je größer ein Sommerhaus ausfällt, umso mehr Gäste kommen dorthin und desto mehr Verkehr gibt es, die Belastung für Natur und Nachbarn steigt.

Das nachträgliche Ändern bestehender Regeln, das Schönreden von Absichten darüber, welche Gäste man in sein Sommerhaus lässt und das Sichzurechtbiegen von Argumenten, weshalb man hier nicht doch etwas größer bauen könne, all das ist zwar möglich. Aber es passt nicht richtig ins traditionelle Bild einer Sommerhauskolonie, deren Zweck sich vor allem an den Wertvorstellungen von Idylle und Erholung definiert.

Deshalb kommen Politiker, Sommerhausbesitzer und alle, die ihre Ferien bevorzugt im Sommerhaus verbringen, nicht umhin, sich die Frage zu stellen, welchem Ziel Sommerhauskolonien in Zukunft dienen sollen.

Sofern man dann zu dem Schluss käme, dass der Erholungsgedanke künftig keine so prominente Rolle mehr einnehmen und stattdessen Investoreninteressen den Vorrang einnehmen sollen, dann wäre es auch an der Zeit, die Begrenzung fallenzulassen, dass Sommerhäuser nicht für alle als Hauptwohnsitz fungieren dürfen. Und dann könnte der Begriff „Sommerhaus“ eigentlich auch gleich ganz abgeschafft werden.

Man nennt das Fairplay. Und das hätten sich die Bauherren von Mega-Sommerhäusern gern auf ihre Fahnen schreiben sollen, lange bevor sie den ersten Spatenstich zu ihrem neuen Luxusobjekt getätigt haben.

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