Sozialpolitik

Sonderburger „Ghetto” entwickelt sich gut

Sonderburger „Ghetto” entwickelt sich gut

Sonderburger „Ghetto” entwickelt sich gut

Sonderburg/Sønderborg
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Wohnhäuser am Søstjernevej Foto: Sara Wasmund

Unter den 28 „Ghetto”-Gebieten im Land liegt eines in Sonderburg. Das Wohngebiet Nørager/Søstjernevej ist weiterhin eine Wohngegend mit besonders vielen sozialen Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Integration und Kriminalität.

Sonderburg ist erneut auf der „Ghettoliste” der Regierung vertreten. Im Sonderburger Wohnviertel Søstjernevej/Nørager gehe die Entwicklung aber bereits in die richtige Richtung, sagt Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.).

Der Hintergrund: Um soziale Brennpunkte in Wohngegenden gezielt zu bekämpfen, berechnet die Regierung einmal im Jahr entsprechende Wohngebiete im Land und stellt fest, wo überdurchschnittlich viele Arbeitslose, Einwanderer aus nicht-westlichen Ländern, Geringverdiener, Personen ohne Ausbildung oder Kriminelle leben.

In diesen Gegenden werden dann gezielt Maßnahmen durchgeführt, um das Wohnklima zu verbessern. Beispielsweise investiert man in Jobberater, Spiel- und Spazieranlagen oder in eine optische Aufwertung der Wohnblöcke.

Wohnungen an der Adresse Nørager Foto: Sara Wasmund

„Der Anteil an Bewohnern, die sich außerhalb des Arbeitsmarktes befinden, ist im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent gefallen und liegt nun niedriger als 2010, als die Ghettoliste erstmals herauskam“, so der Sonderburger Bürgermeister.

„Das ist unter anderem unserem zielgerichteten Einsatz zu verdanken, die Bewohner in eine Ausbildung oder eine Anstellung zu bringen.“

Hart daran gearbeitet, das Ausbildungsniveau zu steigern

Die sogenannte Ghettoliste betrachtet Lauritzen aber weiterhin als „problematisch, weil sie ein gesamtes Wohngebiet stigmatisiert“.

„Wir haben daher hart daran gearbeitet, das Ausbildungsniveau zu steigern, die Sicherheit in der Gegend zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass mehr Menschen Arbeit finden. Wie man sehen kann, ist uns das in einigen Punkten bereits gelungen, aber es dauert seine Zeit und es ist ein Einsatz, dem wir weiterhin unsere volle Aufmerksamkeit schenken müssen.“


Ein Wohnblock am Søstjernevej Foto: Sara Wasmund

Sonderburg investiert vor Ort in eine Jobberatung in Form von zwei Jobmentoren, die ihre Arbeit 2019 aufgenommen haben. Bis November konnten 19 Bewohner durch diesen Einsatz in eine Anstellung oder eine Ausbildung geführt werden.

Eine Herausforderung: Über die Hälfte der Bewohner vor Ort sind Frühpensionäre ohne Aussicht auf eine Jobvermittlung.


Es ist erfreulich, dass die Gegend nicht länger das Kriterium mit besonders vielen Verurteilten erfüllt.

Vivian Engelbredt, Vorsitzende von SAB

Die Kriminalität vor Ort ist gefallen und darüber freut sich die Vorsitzende des Sønderborg Andelsboligforening (SAB), Vivian Engelbredt.

„Es ist erfreulich, dass die Gegend nicht länger das Kriterium mit besonders vielen Verurteilten erfüllt und wir haben beispielsweise keine Bandenkriminalität. Generell denken wir überhaupt nicht an Ghetto hier, wo wir wohnen“, stellt Engelbredt klar.

Kritik: Zahlen sind nicht aktuell

Sie kritisiert, dass sich die aktuelle Liste nicht auf aktuelle Zahlen bezieht. Die Liste gebe den Durchschnitt von mehreren Jahren wieder. Die letzten Zahlen seien am 1. Januar 2019 erhoben worden – also vor elf Monaten.

Die von einer kleinen Straße getrennten Gebiete Nørager und Søstjernevej im Norden der Stadt stehen seit 2010 auf der Ghettoliste der Regierung, mit Ausnahme von 2014 und 2015.

Die gesamte Liste ist unter www.trm.dk zu finden.

Wohnen an der Adresse Nørager Foto: Sara Wasmund
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