Kultur

Über sich selbst hinauswachsen

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Sonderburg/Sønderborg
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Tanja R. (l.) und Susie aus Flensburg schätzen die gemeinsame Aktivität. Foto: RN

Das KursKultur-Projekt fördert benachteiligte Familien beiderseits der Grenze durch „Kunst für alle“. Das Projekt endet mit einer Vernissage am 27. Februar.

Für Künstler Rick Towle hätte das Projekt von KursKultur der Städte Sonderburg und Flensburg nicht treffender als „Kunst für alle“ heißen können. Dies hatte schon vor Jahren der deutsche Künstler Joseph Beuys geäußert. „Kunst hat auch eine soziale Funktion“, spricht Towle einen der Kernpunkte des grenzüberschreitenden Interreg-Projekts an: Teilnehmer sind benachteiligte Familien aus den zwei Gemeinden. Ansprechpartner der Kommunen sind die Organisationen Frelsens Hær und Schutzengel e. V.

Seit Januar gibt es Workshops für 50 Kinder und Erwachsene. „Wir haben Skizzen gemacht, über das verschiedene Material und seine Anwendung gesprochen, und sie haben die jeweiligen Einrichtungen ausgeschmückt. Ihre Werke hängen da dauerhaft. So können sie sagen, das habe ich gemacht. Das gibt Anerkennung. Sie können stolz sein auf das, was sie schaffen“, sagt Towle. Er leitet den Workshop gemeinsam mit Johannes Caspersen.

Mit dem Flensburger Künstler gestaltet er seit Jahren das deutsch-dänische Kinderkunstfestival. „Kunst für alle“ erfüllt weitere Ziele. Rick Towle ist von einer Frau aus Tschetschenien angetan. „Sie hat nie gemalt, ist aber enorm talentiert, ihre zwei Töchter auch. Daraus können sie was machen“, sagt er und ergänzt mit Blick auf alle: „Sie fallen zur Ruhe, sind tief konzentriert, die Kinder sind anders mit ihren Eltern zusammen und umgekehrt. Das ist eine andere Art der Gemeinschaft, eine neue Erfahrung.“

Noah, Tina und Mike Kampfenborg testen ihre Kreativität aus. Foto: RN

Bestätigt Beobachtungen

Die Familie Kampfenborg aus Hardeshoi bestätigt seine Beobachtungen. „Ich bin etwas kreativ, aber ich wusste nicht, dass ich so etwas wie ein Schloss malen kann, dass ich die Geduld dafür habe“, sagt Tina. Mike meint, seine Grenzen damit auszuloten und zu sehen, „was für Werte man in sich hat“. Tinas zehnjähriger Sohn Noah hingegen hat für eine Weile sein Lieblingsspiel auf dem Computer vergessen können.

Tina ist seit einigen Jahren ehrenamtlich für Frelsens Hær tätig. Damit gibt sie etwas zurück, was die Organisation ihr gegeben hat, als sie Hilfe brauchte. „Bei Frelsens Hær musst du keinen Termin machen. Es ist immer jemand da. Bei ihnen bist du Mensch, keine Nummer“, erzählt sie. Spaß und Freude an der Kreativität verspürt die 32-jährige Susie aus Flensburg, die mit ihrem siebenjährigen Sohn Linus teilnimmt. „Wir machen schon was zu Hause. Wir basteln und malen. Das hier macht viel Spaß“, meint sie. Die Sprache sei kein Hindernis. „Ich verständige mich mit Hand und Fuß. Das klappt gut.“ Ob sie allerdings die neuen Kontakte halten wird, ist sehr fraglich.
Tanja R. arbeitet zwar als Begleitung für die Schutzengel, ist aber aktiv beteiligt. Auch sie und ihre Kinder malen zu Hause. „Aber das hier ist anders. Es ist total schön, mit Dänen zusammen zu sein. Ich bin auch überrascht zu sehen, dass man auch in großen Gruppen Kunst kreieren kann“.

Alltag Herausforderung genug

Die Aussagen decken sich mit den Ideen zum Projekt, die die Veranstalter haben. „Für viele dieser Familie ist der Alltag Herausforderung genug. Da bleibt wenig Eneregie für Theater, Musik, Kunst. Hier sind sie auf andere Weise als Familie zusammen. Die Kinder werden selbstbewusster, weil sie gelobt werden. Kunst ist eine Form, sein Innerstes auszudrücken, wo Worte oftmals fehlen. Es macht ihnen Spaß, sich herauszufordern. Dazu kommt das Deutsche und Dänische“, sagt Dennis Lykke, Kulturkonsulent der Sonderburger Kommune.

Das Projekt „Kunst für alle“ endet mit einer Vernissage. Diese gibt es am 27. Februar bei Frelsens Hær im Sundsmarkvej 18 von 15.30 bis 17 Uhr.

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