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Ehemalige Auszubildende ist nun Schlossgärtnerin

Ehemalige Auszubildende ist nun Schlossgärtnerin

Ehemalige Auszubildende ist nun Schlossgärtnerin

Gravenstein/Gråsten
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Ein blühender Arbeitsplatz: Ulla Brendstrup neben einem Staudenbeet im Schlossgarten von Gravenstein Foto: Sara Wasmund

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Ulla Brendstrup ist die neue Schlossgärtnerin in Gravenstein. Vor rund 40 Jahren war die damals 17-Jährige die erste Auszubildende, die sich am Gravensteiner Schloss zur Landschaftsgärtnerin ausbilden ließ. „Der Nordschleswiger“ hat sie in ihrem Schlossgarten besucht.

Zurück zu den Wurzeln – diese Beschreibung trifft auf Ulla Brendstrup im wahrsten Sinne des Wortes zu. Ob die roten Rosen im Schlosshof, prächtig blühende Staudenbeete oder die exotischen Tulpen-Bäume – für die Landschaftsgärtnerin war es ein blühendes und grünendes Wiedersehen mit vielen alten Bekannten.

„Ich war damals die erste Frau in dem Fach“

Nach über 40 Jahren ist sie zurück am Gravensteiner Schloss, wo sie als 17-Jährige einst ihre Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin begann. „Ich war damals eine der ersten Frauen in dem Fach. Alle meine Kollegen waren Männer, und der jüngste war 50“, erinnert sich Ulla Brendstrup.

Seit dem 1. Juni ist die leitende Schlossgärtnerin am Gravensteiner Schloss. Die 62-Jährige hat das Amt von Bjarne Nørgaard übernommen, der in den Ruhestand gegangen ist.

Ulla Brendstrups neuer Arbeitsplatz ist das Gravensteiner Schloss mit den anliegenden Gärten. Foto: Sara Wasmund

Nun lebt und arbeitet Ulla Brendstrup im und am Gravensteiner Schloss. „Ich habe mir schon lange gesagt: Wenn diese Stelle einmal frei wird, werde ich mich bewerben“, erzählt die Schlossgärtnerin. Nach einigen Bewerbungsgesprächen und Sicherheitschecks wurde sie von der Schloss- und Kulturbehörde zur neuen Schlossgärtnerin am Gravensteiner Schloss ernannt.

Zusammenarbeit mit vielen Seiten

Neben dem Schlossgarten ist Ulla Brendstrup auch für den Königlichen Küchengarten und die Burganlage Spøttrup zuständig. „Einen richtigen Alltag habe ich noch nicht erlebt. Die Arbeit ist von viel Zusammenarbeit geprägt. Mit Mitarbeitenden, mit den Landschaftsarchitekten und auch mit dem Væksthuset der Kommune, das für den Betrieb des Küchengartens steht“, erzählt die Schlossgärtnerin.

Der Garten von Schloss Gravenstein ist reich an Staudenbeeten. Foto: Sara Wasmund

Unsere Aufgabe ist es, diese historische Anlage zu bewahren und weiterzuentwickeln. Als Landschaftsgärtner braucht man Geduld. Man muss umsichtig sein. Einen abgeschnittenen Ast kann man nicht wieder ersetzen. Und meistens sieht man die Ergebnisse seiner Arbeit gar nicht selbst – das zeigt sich erst in vielen Jahren.

Ulla Brendstrup, Schlossgärtnerin
Der weitläufige Garten erstreckt sich bis zum ehemaligen Spielehaus der Königin. Foto: Sara Wasmund

Die Gestaltung und der Erhalt der Gärten seien immer nur in Zusammenarbeit möglich – und benötige viel Geduld und Visionskraft. „Schau dir die Bäume an, die hier vor vielen Jahren an den Seen platziert worden sind“, sagt Ulla Brendstrup.

Langfristige Planung im Garten

„Es ist kein Zufall, dass man unter den Bäumen hindurch das alte Spielhaus sehen kann, das ist alles genau geplant und angelegt. Unsere Aufgabe ist es, diese historische Anlage zu bewahren und weiterzuentwickeln. Als Landschaftsgärtner braucht man Geduld. Man muss umsichtig sein. Einen abgeschnittenen Ast kann man nicht wieder ersetzen. Und meistens sieht man die Ergebnisse seiner Arbeit gar nicht selbst – das zeigt sich erst in vielen Jahren“, beschreibt Ulla Brendstrup ihre Aufgabe.

Ulla Brendstrup zeigt die Blüten an einem der prächtigen Tulpen-Bäume. Foto: Sara Wasmund

Als Stauden-Expertin ist sie im Gravensteiner Schlossgarten genau richtig. Die Stauden waren bereits eine Herzensangelegenheit von Königin Ingrid. Bunt, duftend und in verschiedenen Höhen und Dichten ziehen sich die Staudenbeete durch den Vorgarten des Schlosses. Auch im Kirchbeet hinter der Schlosskirche schaukeln die farbigen Blumen wie ein buntes Band im leichten Sommerwind.

„Ein Staudenbeet dauert nicht ganz so lang in seiner Entwicklung wie eine gepflanzte junge Rotbuche. Es dauert rund sechs Jahre, bis es sich gut entwickelt hat, das ist eine etwas überschaubarere Zeitspanne“, lacht die neue Schlossgärtnerin mit Blick auf die über hundert Jahre alten Eichen.

Bis vor Kurzem war die Königin zu Besuch

Bis vor Kurzem war Königin Margrethe zu Besuch im Schloss, dann ist der Garten stets für die Öffentlichkeit geschlossen. Ferien haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann aber nicht. „Es gibt ein gewisses Prozedere, wann was gemacht wird, wenn das Schloss bewohnt ist. Man kann so eine Anlage nicht drei Wochen lang sich selbst überlassen. Das Gras wächst ja weiter“, lacht Ulla Brendstrup.

Das Staudenbeet hinter der Schlosskirche Foto: Sara Wasmund

Sie hat schon einmal für die Schlossbehörde gearbeitet, als Assistentin des Schlossgärtners für die Schlossanlagen in Kopenhagen. Auch als Landschaftsgärtnerin auf dem Kirchhof Bjerringbro und auf Sofiero Slot in Südschweden war Ulla Brendstrup in ihrem Beruf aktiv, um nur einige Stellen zu nennen.

Nun ist die gebürtige Sommerstedterin zurück in Nordschleswig – und wohnt auf Schloss Gravenstein. „Meine Familie lebt hier in Nordschleswig und daher ist es sehr schön, zurück im Landesteil zu sein“, sagt die Mutter eines Sohnes und eines „Bonus“-Sohnes.

„Man wird nie richtig fertig“

Die Menge an Blumen im Schlossgarten unterstreicht: In Gravenstein handelt es sich um einen Schlossgarten, nicht um einen Schlosspark. „Ein Park ist mit seinen großen Rasenflächen weniger arbeitsintensiv. Ein Garten erfordert weitaus mehr Zeit und Arbeit“, erläutert Ulla Brendstrup.

Generell gelte im Garten das Motto: „Es ist wie Saubermachen – die Arbeit hört nie auf und man wird nie richtig fertig“, lacht die Schlossgärtnerin. Am arbeitsintensivsten seien die Monate April bis Juni. „Wenn man da hart anpackt und sich ins Zeug legt, hat man eine gute Grundlage für den Sommer gelegt“, erläutert die 62-Jährige.

Landschaftsarchitektur: Jede Spiegelung im Schlosssee ist im Voraus geplant worden. Foto: Sara Wasmund

Nebenan im königlichen Küchengarten, auf der anderen Seite des Felstedvejs, wachsen hauptsächlich Nutzpflanzen wie Obst, Gemüse und Kräuter. In Zusammenarbeit mit der kommunalen Einrichtung „Væksthuset“, in der geistig und körperlich herausgeforderte Menschen betreut werden, bewirtschaftet die Schlossbehörde den Garten seit der Eröffnung 2020.

„Wir werden in diesem Sommer buchstäblich viele Früchte der geleisteten Arbeit ernten, außerdem Erfahrungen“, sagt Ulla Brendstrup. Eine Art Hofladen wird es aber auch in Zukunft nicht geben, unterstreicht sie.

Verkaufsstand wird es am Küchengarten nicht geben

„Für ein solches Angebot haben wir schlichtweg nicht genug Ertrag. Wir bieten, je nach Reifegrad, verschiedene Geschmacksproben an. Beispielsweise bei den Johannisbeeren oder mit Tomatensorten. Und wenn einige Zucchini übrig sind, dann legen wir sie zum Mitnehmen aus“, so die Schlossgärtnerin.

„Wir laden zum Probieren ein – aber einen Hofladen bestücken, dafür fehlt uns die Menge. Wir wollen inspirieren und einladen, aber keine großen Mengen produzieren. Größere und feste Gemüsearten wie Kürbisse können wir an gezielten Erntetagen verkaufen. Aber ansonsten sollen es die Geschmacksproben sein, die die Besucher mitnehmen. Der Garten ist sehr gut besucht. Wenn sich alle an den Geschmacksproben bedienen, ist da nicht mehr viel übrig.“

Außerdem beliefere der Garten auch das Königshaus. „Wir haben den Königlichen einige Tomaten mitgegeben, und die Bohnen werden geerntet und eingefroren“, erläutert Ulla Brendstrup.

Ulla Brendstrup vor den Lieblingsblumen der Königin: Margeriten. Foto: Sara Wasmund

Nach Feierabend macht sie gern mal einen Spaziergang durch den Schlossgarten. „Ich habe ja sozusagen keinen eigenen Garten. Ich genieße all die Gerüche und Blüten um mich herum“, sagt Ulla Brendstrup und zeigt auf die Ringelblumen, die Taglilien, Sonnenwenden und natürlich die Lieblingsblumen der Königin, die Margeriten. Sie alle haben ihre Wurzeln in den Boden von Schloss Gravenstein geschlagen – zusammen mit Ulla Brendstrup.

Hin zum See steht im Schlossgarten eine Wand mit Rosen, die den Namen „Wiedervereinigung“ tragen. Foto: Sara Wasmund
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