Zuzüglerberatung

Erste Schritte – so wanderst du nach Dänemark aus

Erste Schritte – so wanderst du nach Dänemark aus

Erste Schritte – so wanderst du nach Dänemark aus

Sonderburg/Sønderborg
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Wie kann man sich in Dänemark ein Leben aufbauen? Die Kommune Sonderburg berät potenzielle Zuzügler. Foto: Timo Battefeld/Jysk Fynske Medier/Ritzau Scanpix

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Viele Deutsche träumen derzeit von einem Leben in Dänemark. Doch welche ersten Schritte sind zu tun, wenn der Wunsch konkret wird?

Das Interesse aus Deutschland an einem Leben in der Kommune Sonderburg ist explodiert. 34 Anfragen gab es 2020, in diesem Jahr haben sich bereits 220 Personen bei der Kommune konkret über einen Umzug nach Dänemark informiert.

Tatjana Rode ist Zuzugskoordinatorin der Kommune. Sie verrät, welche ersten Schritte nötig sind, um nach Dänemark auszuwandern. Denn was kommt erst: der Job, der Wohnsitz oder das EU-Aufenthaltsdokument?

1. Die Sprache lernen

Wer vom Auswandern nach Dänemark träumt, sollte als Allererstes beginnen, die Sprache zu lernen. Zumindest die Grundlagen, sagt Tatjana Rode. „Für die allermeisten Jobs braucht man grundlegende Sprachkenntnisse. Wir haben zwar auch internationale Firmen wie Danfoss und Linak, aber wenn man nicht gerade ein Softwareprogrammierer ist, dann muss man für eine Anstellung auch Dänisch sprechen können.“

Zwar würde in einigen Abteilungen der großen Unternehmen Englisch gesprochen. „Aber das ist nicht Alltag in den Abteilungen. Und wenn man im Gesundheitswesen oder im Verkauf arbeiten will, sollte man Dänisch können. Es gibt immer Ausnahmen, aber es ist sehr empfehlenswert, Dänisch zu lernen“, so Rode.

Wer also vom Auswandern nach Dänemark träumt, kann zu Hause damit beginnen, an der Volkshochschule oder online die Sprache zu lernen.

Die Kommune Sonderburg liegt zum Teil auf der Insel Alsen und erstreckt sich auf dem Festland Richtung Westen bis nach Rinkenis (Rinkenæs) und Quars (Kværs). Foto: Sara Wasmund

2. Einen Job finden und den Beruf anerkennen lassen

Um in Dänemark leben zu dürfen, muss man sich selbst versorgen können. „Ohne Job muss man ziemlich reich sein, das heißt, ein Vermögen nachweisen können, von dem man leben kann“, so die Zuzugskoordinatorin. Die Kommune Sonderburg vermittelt auf ihrer Internetseite Angebote von „Work in Danmark“ oder der dänischen Steuerbehörde Skat, die Hilfestellung und Webinare zu Bewerbung, Jobsuche und dem dänischen Steuersystem anbieten.

„Lebensläufe beispielsweise schreibt man für den dänischen Arbeitsmarkt ganz anders, kurz und knapp. Es gibt tolle Webinare, in denen man lernt, was auf dem dänischen Arbeitsmarkt erwartet wird“, sagt Tatjana Rode.

Ausbildung und Studium sollten anerkannt werden. „Das ist vorteilhaft, da ein dänischer Arbeitgeber dann schnell sehen kann, was der Kandidat im Ausland gelernt hat. Ein Äquivalent wird sichtbar“, so Rode.

„Damit kann man auch schon online vor dem Umzug beginnen, damit man bereit ist, wenn es konkret wird“, rät Rode. Das Ministerium für höhere Ausbildung stellt Anerkennungen für ausländische Studienabschlüsse aus.

Berufe im Gesundheitswesen, also Ärzte oder Physiotherapeuten, müssen bei der dänischen Behörde für Patientensicherheit („Styrelsen for Patientsikkerhed“) autorisiert werden.

Tatjana Rode ist Zuzugskoordinatorin der Kommune Sonderburg (Archivbild). Foto: Sara Wasmund

3. Ein EU-Aufenthaltsdokument beantragen

Wer in Dänemark leben will, benötigt ein EU-Aufenthaltsdokument. Um ein solches zu erhalten, muss man ein festes Einkommen, sprich, eine Anstellung vorweisen. Oder ein Vermögen, von dem man leben kann. „Man muss bei der Behörde für Internationale Rekrutierung und Integration einen Termin machen und persönlich erscheinen“, weiß Tatjana Rode. Einen Termin bei SIRI zu erhalten, kann bis zu zwei Monate dauern, daher gilt es, frühzeitig einen Termin zu buchen.

In Süddänemark liegt die SIRI-Stelle in Apenrade (Aabenraa). Auf der Internetseite der Behörde stehen alle Informationen, welche Dokumente man vorlegen muss, um ein EU-Aufenthaltsdokument zu erhalten.

„Ohne Aufenthaltsdokument kann man sich beim Bürgerservice der Kommune nicht anmelden. Das heißt, man kann nicht offiziell umziehen und sich hier als wohnhaft melden“, sagt Tatjana Rode. Man benötigt zudem eine Adresse, um sich beim Bürgerservice anmelden zu können (Immobilie oder Mietvertrag).

Die Kommune Sonderburg liegt in Süddänemark und bildet mit den Kommunen Apenrade, Tondern und Hadersleben den Landesteil Nordschleswig. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

4. Eigeninitiative zeigen

Wer in der Kommune Sonderburg leben und arbeiten möchte, sollte Eigeninitiative zeigen. „Das betrifft die Wahl der Schule oder den neuen Arbeitgeber“, sagt Zuzugskoordinatorin Tatjana Rode.

Auch über Freizeitangebote kann der erste Schritt hinein in die dänische Gesellschaft getan werden. „Viele Vereine bieten kostenlose Schnuppertage an. Im Vereinsleben trifft man die Dänen und kann schneller Dänisch lernen. In der Kommune Sønderborg haben wir mehr als 700 Vereine und Sportvereine. Hier kann man fast alles machen“, sagt Tatjana Rode.

Eigeninitiative ist gern gesehen. „Man kann beispielsweise bei einem Krankenhaus oder einem Pflegeheim anrufen und sich vorstellen und fragen, ob man mal vorbeikommen darf. Das gilt auch für die Schule – man kann einen Probetag vereinbaren und schon mal nachfragen, ob eigentlich Plätze frei sind.“

In Dänemark am Meer leben: Ein Traum, den die Zuzüglerberatung der Kommune Sonderburg unterstützt. Foto: Finn Frandsen/Ritzau Scanpix

5. Die Wahl von Schule und Kindergärten

In der Kommune und in ganz Nordschleswig gibt es die deutschen Kindergärten und Schulen der deutschen Minderheit, die der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) betreibt.

„Darauf verweise ich in den Beratungsgesprächen immer. Es gibt aber auch Eltern, die wollen ihre Kinder so schnell wie möglich in die dänische Gesellschaft integrieren und wählen eine dänische Schule. Andere wiederum fühlen sich als deutschsprachig an den deutschen Einrichtungen erst mal wohler“, so Rode. „Außerdem haben wir hier in Sonderburg auch die internationale Schule.“

Viele Eltern fragen derzeit auch nach Homeschooling. „In Dänemark besteht ja nicht wie in Deutschland die Schulpflicht, sondern die Unterrichtspflicht. Ich leite Anfragen meistens weiter an die Kontaktperson der Kommune. Am liebsten wollen wir natürlich, dass die Kinder in die Schule gehen.“

Im Homeschooling gilt: Die Eltern organisieren den Unterricht selbst und sorgen für das Lehrmaterial. Wegen der Bonn-Kopenhagener-Erklärung, die der deutschen Minderheit im Grenzland Rechte sichert, können deutsche Eltern den Unterricht auf Deutsch abhalten.

6. Das Beratungs-Angebot der Kommune Sonderburg

Die Kommune Sonderburg organisiert Infotage für potenzielle Zuzügler und bietet Beratungsgespräche an – auch online.

Elfmal im Jahr findet ein Café für bereits zugezogene Neubürger statt, außerdem zweimal im Jahr ein Begrüßungstag. Die Kommune weist auf Beratungsangebote und To-do-Listen hin, listet Freizeitaktivitäten von und für Zuzügler auf und vermittelt Kontaktpersonen. Unter www.sonderborg.dk/de/zuzugler sind alle Angebote und Termine zusammengefasst.

Das Sonderburger Rathaus Foto: Sara Wasmund

7. Generell gilt: Zuzügler sind willkommen

„Wir erleben derzeit ein großes Interesse an einem Umzug von Deutschland in die Kommune Sonderburg. Einige haben offenbar seit Längerem mit dem Gedanken gespielt und wollen ihn nun in die Tat umsetzen", sagt Tatjana Rode.

„Viele sind unzufrieden mit der Corona-Situation in Deutschland. Andere wiederum haben viele Jahre hier Urlaub gemacht und sich in die Gegend verliebt, wiederum andere finden die günstigen Immobilienpreise attraktiv oder die bessere Work-Life-Balance“, nennt Tatjana Rode verschiedene Gründe, warum Menschen nach Dänemark ziehen wollen.

Derzeit gibt es Anfragen von Akademikern, Erziehern, Handwerkern und Selbstständigen, und all diese Menschen sind uns natürlich willkommen. Aber wer auswandern möchte, braucht einen Job, ein Einkommen oder Vermögen. Ohne geht es nicht.

Tatjana Rode, Zuzugskoordinatorin

„Wir freuen uns über neue Bürgerinnen und Bürger, vor allem, wenn sie eine gute Ausbildung mitbringen. Derzeit gibt es Anfragen von Akademikern, Erziehern, Handwerkern und Selbstständigen, und all diese Menschen sind uns natürlich willkommen. Aber wer auswandern möchte, braucht einen Job, ein Einkommen oder Vermögen. Ohne geht es nicht.“

Was es bedeutet, eine Person mit ausreichend Mitteln zu sein, erläutert die dänische Integrationsbehörde hier: nyidanmark.dk.

Die Kommune Sonderburg hat in der Zuzüglerabteilung personell aufgestockt und eine zeitbefristete Vollzeitstelle geschaffen, um die hohe Nachfrage bewältigen zu können.

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Leitartikel

Nils@DerNordschleswigerTondern
Nils Baum Journalist
„Das ändern wir mal eben – oder besser doch nicht?“