Tierfutter

Die Proteinquellen der Zukunft

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Asserballe/Atzerballig
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Aus den Schalen der Larven kann Garn und Plastik hergestellt werden. Foto: Karin Riggelsen

Niels Krogsgaard Otten hat ein „Insekten-Labor“ in Atzerballig eingerichtet. Die Schwarze Soldatenfliege ist die Basis für ein nachhaltiges Tierfutter.

Berichte über Lebensmittelverschwendung und Hungerkatastrophen sowie Raubbau an Rohstoffen haben Niels Krogsgaard Otten 2014 hellhörig gemacht und seine Gedanken in Richtung Nachhaltigkeit und umweltschonenden Umgang mit Ressourcen gelenkt.

Das hat nach einigen Experimenten, unterstützt vom Technologischen Institut in Aarhus, 2016 zur Einrichtung seines „Insekten-Labors“ in einer Scheune in Asserballe geführt. Diese stellt ihm das Ehepaar Christensen kostenlos bereit, da es in denselben Bahnen denkt wie er. Seine Firma nennt Otten „InsektProtein. Die Idee war einfach da“, sagt er zur Namensgebung.

Am Sonnabend hat er in Kopenhagen ein neuartiges Produkt präsentieren: Auf der Messe von Vogelkundlern wird er sein Vogelfutter aus gefrorenen Insekten vorstellen. Diese Aufgabe hatte ihm die Organisation gestellt. Derzeit arbeitet Otten mit einer Firma aus den USA zusammen. Er ist in dieser Branche bekannt, auch dank seines großen Netzwerkes.

Otten ist Autodidakt, „denn es gibt keine Ausbildung, wie du mit Insekten arbeiten kannst“. Er hat Lehrgeld zahlen müssen, aber das ist es ihm wert.
Basis seines proteinhaltigen Futters für Haustiere ist die Hermetia illucens, die schwarze Soldatenfliege, die eine Lebensdauer von zwölf Tagen hat. „Die Fliege hat einen sehr hohen Nährwert, weil in der Larvenperiode die Reserven für das ganze Leben aufgebaut werden“, sagt der Futterproduzent. Das Positive ist, dass nichts verkommt, alles wird gebraucht. So werden die Schalen der Larven für Nähgarn und Plastik verwendet, aus toten Fliegen wird schwarze Tinte gewonnen, somit eine Nahrungskette ohne Brüche.

Niels Krogsgaard Otten mit einigen Kisten, die er als Kinderstube bezeichnet. Foto: Karin Riggelsen

Labor in Klimazonen eingeteilt

Sein Labor von einigen Quadratmetern ist in Klimazonen eingeteilt, von fast tropischer Wärme im Brutkasten bis hin zu kühleren Graden. Die schwarzen Soldatenfliegen sind in einem separaten, dunklen Raum untergebracht, denn Licht mögen sie nicht. Auf Regalen stehen Behälter, markiert mit farbigen Schildern. „Das ist die Kinderstube“, sagt er zu diesen Kisten, in denen die Entwicklung der Larven sichtbar wird.

Jede Fliege legt 500 bis 900 Eier, die in einem Behälter brüten, den Otten konstruiert hat. Die Kiste bleibt zu. Das ist Betriebsgeheimnis. Nach bis zu fünf Tagen sind die Larven da. Das nennt er „erste Ernte“. Sie sind im ersten Stadium mit bloßem Auge nur zu erkennen, weil sich im Futter (feuchte Kleie) etwas bewegt. Innerhalb von nur sieben Tagen vergrößern sie sich um das 6.000-Fache. 46 Prozent sind reines Protein. Nach 13 bis 18 Tagen folgt die „zweite Ernte“. Dann werfen die Larven ihre Schalen. Ein Prozent behält er für die Zucht. Pro Tag gewinnt er 20 Kilo Futter.

Die Larven werden schockgefroren. Je nach Kühlgrad und Verarbeitung entsteht Futter für Nerze, Fische, Haustiere oder Vögel „und irgendwann für Menschen. Die Perspektiven wären enorm“, hofft Otten noch in diesem Jahr auf gesetzliche Grundlagen, die die Herstellung proteinhaltiger Insektenkost für Menschen erlauben.
Das gesamte Labor wird via Computer gesteuert, alle Daten über Temperatur, Feuchtigkeit und Licht sind abrufbar. Wenn z. B. die Temperatur abfällt, wird er umgehend alarmiert, bis auf einmal. Da hat es einen kompletten Stromausfall gegeben. Die Produktion musste er entsorgen.

Das Fliegenhaus, in dem 30.000 Fliegen herumschwirren, auf dem Boden um die 50.000 tote. Foto: Karin Riggelsen
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